02.11.2007 · Die Hypothekenkrise hat dem S&P-Index für den amerikanischen Finanzsektor bereits ein dickes Minus beschert. Wegen schwacher Gewinnaussichten und einer relativ hohen Bewertung könnten die Verluste aber noch größer werden.
Erneute Sorgen um die Stabilität des amerikanischen Finanzsektors haben dem Dow-Jones-Index am Donnerstag ein Minus von mehr als 300 Punkten beschert. Angeführt wurden die Abschläge dabei vom Finanzsektor, der in Form des S&P 500 Financials Index 4,6 Prozent an Wert verlor und damit den massivsten Tagesverlust seit fünf Jahren verbuchte.
Hintergrund für die Einbußen waren Rückstufungen durch Analysten für die Aktien von Citigroup und Bank of America. Nach Einschätzung der Investmentbank CIBC World Markets besteht bei der Citigroup ein dringender Kapitalbedarf von mehr als 30 Milliarden Dollar. Die Kapitalausstattung sei auf dem niedrigsten Niveau seit Jahrzehnten, urteilte Analystin Meredith Whitney. Daher seien Anteilsverkäufe oder Dividendenkürzungen zu erwarten. Auch eine Kapitalerhöhung sei nicht auszuschließen. Solche Einschätzungen machen deutlich, dass die Hypothekenkrise noch lange nicht ausgestanden ist.
Etliche Sektoren im Finanzbereich befinden sich bereits in einer Baisse
Dabei hat dieses Problem dem S&P-Index für den amerikanischen Finanzsektor bereits jetzt ein dickes Minus beschert. Der S&P 500 Financials Index hat gegenüber dem Jahreshoch 15,2 Prozent verloren, während der S&P 500 Index gleichzeitig nur 3,4 Prozent eingebüsst hat. Unter den 20 Sektoren, die im S&P 500 Financials Index vertreten sind, gab der Teilbereich Real Estate Management & Development mit minus 43,7 Prozent am stärksten nach, während sich die Gruppe Life & Health Insurance mit minus 2,7 Prozent noch am besten schlug. Sieben der 20 Teilsektoren haben bisher schon mehr als 20 Prozent nachgegeben und erfüllen damit das Kriterium, um von einer Baisse zu sprechen.
Charttechnisch gesehen ist das ein sehr negatives Zeichen und auch sonst sind die Aussichten weiterhin trübe. Denn zunächst sind die Gewinnaussichten schlecht und die Bewertung des Sektors im relativen Vergleich noch immer eher hoch. Folglich drohen weitere Verluste und das sehen auch die Analysten beim Finanzdienstleister Standard & Poor´s so. Diese hatten den Sektor bisher zwar noch mit Neutral eingestuft, aber zum Wochenausklang rudern auch sie zurück und rechnen jetzt verglichen mit dem Gesamtmarkt mit einer schlechteren Performance der Finanzwerte.
Sektorbewertung im historischen Vergleich noch hoch
Mit dem verschlechterten Anlageurteil einher gehen auch gesenkte Gewinnschätzungen. Während die S&P-Analysten zu Jahresbeginn im Schnitt noch einen Anstieg von 4,2 Prozent beim operativen Gewinn für die im S&P 500 Financials Index vertretenen Unternehmen prognostizierten, gehen sie jetzt von einem Gewinnrückgang von 25,7 Prozent aus. Und für das Gesamtjahr wird nun statt mit einem Anstieg von 6,4 Prozent mit einem Minus von fast einem Prozent gerechnet.
Für 2008 rechnet man dann zwar wieder mit einem operativen Gewinnplus von zehn Prozent. Aber das wird als möglicherweise etwas zu optimistisch bezeichnet, obwohl diese Zuwachsraten schon jetzt unter dem Plus von 14 Prozent liegt, das dem S&P 500 Index insgesamt zugetraut wird. Auch bei Goldman Sachs werden weitere Gewinnrevisionen nach unten für möglich gehalten. Erfahrungsgemäß handele es sich bei Phasen mit Gewinnrückstufungen im Finanzsektor um einen sehr langwierigen Prozess, heißt es in einer aktuellen Studie.
Bodenbildung abwarten
Zudem macht S&P auf eine noch immer relativ hohe Bewertung des amerikanischen Finanzsektors hin. Trotz der zuletzt erlittenen Kursverluste weist die Branche gegenüber dem S&P 500 Index auf Basis der für 2008 erwarteten Gewinne nur einen Abschlag von 14 Prozent auf. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre belief sich der Bewertungsabschlag aber auf 29 Prozent.
Im relativen Performance-Vergleich mit dem S&P 500 Index (plus 9,5 Prozent) hat der S&P 500 Financials Index (minus 9,5 Prozent) in den vergangenen zwölf Monaten zwar schon deutlich schlechter abgeschnitten. Aber in vergleichbaren Phasen Anfang der neunziger Jahre, als es ebenfalls Finanzkrisen gab, fiel die Bilanz sogar noch ungünstiger zu Lasten des S&P 500 Financials Index aus.
Laut Goldman Sachs gab es in den vergangenen 30 Jahren neun Perioden, in denen die Finanzwerte schlechter abschnitten als der Gesamtmarkt. Deren Dauer bewegte sich zwischen sechs und achtzehn Monaten. So gesehen gehört schon viel Mut dazu, die schwache Kursverfassung der amerikanischen Finanzaktien schon jetzt zum Einstieg zu nutzen. Sinnvoller ist es vermutlich, hier zunächst auf eine Bodenbildung zu warten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |