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Finanzdienstleister Hohe Bewertung lastet auf Interhyp-Aktie

22.02.2007 ·  Gute Ergebnisse dank einer deutlichen Erhöhung des Marktanteils verbucht der Baufinanzierungsvermittler Interhyp für das vergangene Jahr. Allerdings ist die Aktie bereits recht ambitioniert bewertet.

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2006 war ein weiteres Jahr, in dem der Wohnungsbau in Deutschland von einer Sonderkonjunktur profitierte, heißt es im Baugewerbe. Das Zusammentreffen von Mehrwertsteuererhöhung, Streichung der Eigenheimzulage, Abschaffung der degressiven Abschreibung für Immobilien und Kürzung der Pendlerpauschale sorgte für einen rasanten Anstieg der Baugenehmigungen.

Doch was dem Bauhandwerk eine gute Nachfrage verschaffte, spielte sich auf der Finanzierungsseite schon viel früher ab. Eine Sonderkonjunktur bei Baufinanzierungen gab es vor allem anlässlich der Streichung der Eigenheimzulage im zweiten Halbjahr des Jahres 2005, während sich das Geschäft im vergangenen Jahr normalisierte.

Wachstum dank Marktanteilsausweitung

Nachdem das Marktvolumen von 35,7 Milliarden Euro im ersten Quartal 2005 bis auf 52,5 Milliarden im ersten Quartal des vergangenen Jahres gestiegen war, fiel das Niveau bis zum dritten Quartal auf 43,5 Milliarden zurück und konnte sich im vierten Quartal leicht verbessern.

Der Baufinanzierungsvermittler Interhyp führt die dank des Wachstums des Privatkundengeschäfts im abgelaufenen Jahr 2006 erzielte Ergebnisverbesserung daher vor allem auf die Ausweitung des Marktanteils zurück, der von 2,06 Prozent zum Ende des Jahres 2005 nach Angaben des Unternehmens auf nunmehr 2,85 Prozent am Neugeschäft der privaten Baufinanzierung in Deutschland gestiegen ist.

Lediglich im zweiten Quartal war das Finanzierungsvolumen gegenüber dem Spitzenwert des ersten Quartals zurückgegangen. Damals musste Interhyp sogar einen leichten Marktanteilsverlust hinnehmen. Im vierten Quartal wurde dann der Rekordwert von 1,27 Milliarden Euro erzielt.

Prognosen leicht übertroffen

Wie das Münchner Unternehmen am Donnerstag mitteilte, kletterte das Betriebsergebnis (Ebit) um 73 Prozent auf 22,4 Millionen Euro. Der Nachsteuergewinn stieg um 26,85 Prozent auf 13,7 Millionen Euro. Das vermittelte Finanzierungsvolumen stieg um 47 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro, während der Rohertrag auf 60,1 von 39,4 Millionen Euro zulegte. Damit traf der Finanzdienstleister seine Prognosen punktgenau und lag beim Ebit sogar etwas über dem Zielwert von 21 Millionen Euro.

Der Ausbau der „Multikanalstrategie“ des Unternehmens habe das Wachstum im Privatkundengeschäft beflügelt. Ergänzend zum internetbasierten Kerngeschäft seien 2006 in Berlin, Düsseldorf, Nürnberg und Stuttgart zu den bestehenden vier Niederlassungen vier weitere eröffnet worden. Bis Ende 2007 will Interhyp bundesweit an 17 Standorten vertreten sein.

Gleichzeitig habe auch das Vermittlergeschäft unter der Marke Prohyp vom generellen Verbrauchertrend zum Broker profitiert: Das Finanzierungsvolumen aus diesem Segment stieg um 58 Prozent auf 1,315 Milliarden Euro.

Erstmals Dividendenzahlung geplant

Für das laufende Geschäftsjahr strebt das Unternehmen eine Steigerung des Ebit auf rund 32 Millionen Euro sowie ein Finanzierungsvolumen von mehr als sechs Milliarden Euro und einen Rohertrag von 80 Millionen Euro an. Den Jahresüberschuss sieht das Unternehmen auf Basis einer „normalisierten Steuerquote“ bei rund 19 Millionen Euro.

Aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung will die Gesellschaft erstmals eine Dividende ausschütten. Der Vorstand will der Hauptversammlung eine Zahlung von 1,60 Euro je Aktie vorschlagen, was aktuell einer Rendite von knapp zwei Prozent entspräche. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 75 Prozent.

Die Aktie des Finanzdienstleisters ist auf Basis der Analystenschätzungen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 28,7 für das laufende und 18,4 für das kommende Jahr ambitioniert bewertet.

Aktiennotierung tut sich schwer

Das setzt voraus, dass entweder der Aufwärtstrend des Marktes vom vierten Quartal anhält und Interhyp auf dieser Basis wachsen kann oder aber, dass es dem Finanzierungsvermittler gelingt, weiter Marktanteile zu gewinnen. Angesichts des noch immer niedrigen Marktanteils von unter drei Prozent ist dies allerdings nicht unrealistisch.

Indes scheint das Aufwärtspotential der Aktie doch eher moderat zu sein. Die Notierung startete am Donnerstag zunächst knapp drei Prozent höher, fiel dann rasch etwas zurück und verzeichnete zuletzt ein Plus von 2,2 Prozent auf 83,95 Euro.

Vor allem dürften die guten Ergebnisse durch den starken Kursanstieg im Januar vorweggenommen worden sein, der die Notierung Anfang Februar auf ein neues Neun-Monats-Hoch trieb, nachdem sie während der frühsommerlichen Konsolidierung im Vorjahr um über die Hälfte von 115,10 auf 54 Euro eingebrochen war.

Seitdem hat sich die Aktie in der Tendenz wieder erholt, erlitt allerdings dabei im November wieder einen Rückschlag und hat auch gegenüber dem Februarhoch von 87,37 Euro nachgegeben.

Das zeigt, dass sich die Aktie auf dem Weg nach oben doch schwer tut, was durchaus auf die hohe Bewertung zurückzuführen sein könnte. Um die Aufwärtstendenz zu bestätigen, wäre ein alsbaldiger Kursanstieg über das Februarhoch hinaus notwendig. Indes sieht es nicht so aus, als ob damit am Donnerstag zu rechnen wäre. Bleibt ein Ausbruchsversuch aus, droht eine Rückkehr in den Bereich von 70 Euro - auf die Marke, um die die Aktie von Juni bis Mitte Januar gehandelt wurde. Insofern scheint eine gewisse Vorsicht angebracht, solange die Notierung kein eindeutiges Aufwärtssignal generiert hat.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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