03.03.2006 · Überraschend legt der Finanzdienstleister Fortis einige Geschäftszahlen vor. Das vergangene Jahr lief gut, die Aktie hat nach wie vor Potential. Vorsichtige Anleger können abwarten, bis alle Zahlen veröffentlicht sind.
Eigentlich wollte der Finanzdienstleister Fortis seine Geschäftszahlen erst am 9. März vorlegen. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Der Diebstahl einer Aktentasche mit einem Entwurf des Jahresabschlusses zwingt die Gesellschaft zur frühzeitigen Veröffentlichung, denn der Entwurf sei möglicherweise marktbewegend.
Die Zahlen sorgten nicht für Begeisterung: Die Aktie verlor im frühen Handel etwa ein Prozent auf 29,35 Euro (Isin BE0003801181).
Nettogewinn steigt um ein Drittel
Dabei sehen die Zahlen, die jetzt nicht nur dem Dieb vorbehalten bleiben, gut aus: Der Nettogewinn 2005 ohne Berücksichtigung von Unternehmensverkäufen stieg um 45 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Für das vierte Quartal ergebe sich eine Steigerung des Nettogewinns vor Veräußerungseffekten von 24 Prozent auf 461 Millionen Euro.
Der Gewinn vor Veräußerungseffekten im Bankenbereich sei 2005 um 53 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro geklettert. Im Bereich Versicherung habe die Gesellschaft 1,2 Milliarden Euro verdient, das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt ergebe sich für den Nettogewinn ein Plus von 32 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro und für das Ergebnis je Aktie von 31 Prozent auf 3,07 Euro.
Dividende steigt um zwölf Prozent
Der Hauptversammlung werde eine Dividende von insgesamt 1,16 Euro je Aktie vorgeschlagen, das ist ein Plus von zwölf Prozent zum Vorjahr. Als Zwischendividende waren bereits 0,52 Euro gezahlt worden, es ergebe sich somit eine Schlußdividende von 0,64 Euro je Aktie.
Alle weiteren Zahlen aus dem Jahresabschluß gibt Fortis am 9. März um 7.30 Uhr bekannt, bis dahin gebe es keine weiteren Angaben - wenn nicht doch noch weitere Aktentaschen in Umlauf kommen.
Fortis strebt ins Ausland
Fortis ist nach Marktkapitalisierung die neuntgrößte europäische Bank. Der Konzern betreibt 110 Geschäftsstellen in 14 Ländern, im Jahr kommen im Schnitt sieben neue hinzu. 2009 sollen 25 europäische Länder mit Filialen erschlossen sein.
Versicherungen tragen ein Drittel zum Gewinn bei. Das Investmentbanking macht 28 Prozent aus, die Endkundensparte bringt 24 Prozent, Geschäfts- und wohlhabende Privatkunden 13 Prozent. Bis 2009 sollen 30 Prozent des Gewinns außerhalb der Benelux-Region erwirtschaftet werden.
Analysten inzwischen optimistisch
Die Analysten sehen die Zukunft der Gesellschaft zunehmend positiv: Im vergangenen Jahr war ihrer Meinung nach eher „Halten“ angesagt. Mitte Januar stufte J.P. Morgan das Rating für die Aktie von „neutral“ auf „overweight“ herauf.
Es sei zu erwarten, daß Fortis den für die Jahre 2005 bis 2009 aufgestellten Wachstumsplan einhalten werde. Das Unternehmen befinde sich momentan auf dem richtigen Weg. Im Jahr 2006 seien nach Einschätzung der Analysten etwa 100 Millionen Euro an Kosteneinsparungen zu realisieren, für 2007 erwarte man eine Reduzierung um weitere 150 Millionen Euro.
Am Freitag hielten sich Analysten mit Kommentaren zunächst zurück. Sie wollten abwarten, bis die restlichen Zahlen vorliegen. Vom Gewinn hatten sich einige mehr erhofft, andere sahen ihre Erwartungen erfüllt.
Für die Aktie spricht einiges
Auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11,7 für das laufende Geschäftsjahr und 10,9 für 2007. Mit den jetzt überraschend vorgelegten Zahlen berechnet sich für 2005 ein KGV von nur 9,6. Dies ist vergleichsweise moderat und spricht zweifelsohne für die Aktie. Außerdem ist die Dividendenrendite von 3,9 Prozent durchaus attraktiv.
Auch der Chart läßt sich sehen: Seit mehr als drei Jahren geht es bergauf. Vor wenigen Tagen erreichte die Aktie ein neues Zwölf-Monats-Hoch von 30,64 Euro. Ein neues Fünf-Jahres-Hoch - das letzte wurde 2001 bei 31,30 Euro erreicht - scheint in greifbarer Nähe.
Derzeit ist kein Grund zu erkennen, warum der nach wie vor intakte Aufwärtstrend plötzlich abbrechen sollte. Vorsichtige Anleger sollten aber vielleicht abwarten, wie der Markt in einigen Tagen auf die weiteren Jahreszahlen reagiert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |