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Finanzdienstleister BHW-Aktie hängt trotz Übernahmephantasie in der Handelsspanne

09.06.2005 ·  Die Postbank will sich das BHW einverleiben und hat gerade mit einer Anleihe die Übernahmekasse aufgefüllt. Und es soll noch andere Interessenten geben. Zudem geht der BHW-Chef. Doch die Aktie des Finanzdienstleisters dümpelt weiter vor sich hin.

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Zwei Nachrichten sind in diesen Tagen für das BHW und seine Anteilseigner von besonderem Interesse. Zum einen hat die Postbank, die gut neun Prozent an dem Finanzdienstleister hält, innerhalb von acht Monaten die dritte Anleihe plaziert und ihrer Übernahmekasse 300 Millionen Euro hinzugefügt. Zum zweiten gibt es einen Chefwechsel beim BHW: Vorstandschef Reinhard Wagner gibt zum 30. Juni alle Ämter auf, wie einen Tag vor der Hauptversammlung am Freitag gemeldet worden ist.

Ihm soll Finanzvorstand Henning Engmann folgen. Der 54jährige ist seit 2002 Finanzvorstand bei BHW. Ihm wird eine gewisse Nähe zur Postbank nachgesagt. Deutschlands größte Filialbank hatte Engmann vor einigen Jahren als Finanzchef einstellen wollen, wie Reuters berichtet. Zuvor war aus Analystenkreisen zu hören, daß eine schottische Großbank ebenfalls Interesse am BHW haben soll, was auf einen verschärften Bieterwettbewerb hinauslaufen könnte.

Die Aktie des Baufinanzierers reagiert auf die neuen Nachrichten indes ziemlich unstet. Zuerst ging es im frühen Handel deutlich nach oben; der Titel gewann im Verlauf 2,54 Prozent auf 14,95 Euro, sackte dann ab, so daß zwischenzeitlich ein Minus von 0,5 Prozent zu Buche stand. Aktuell legt er wieder um 1,44 Prozent auf 14,79 Euro zu. Damit bewegt sich die Notiz zwar im oberen Drittel ihrer Handelsspanne der jüngsten drei Monate - aber von ihrem Jahreshoch und einem technischen Kaufsignal trennen sie gut sechs Prozent.

„Das Unternehmen wird übernommen, das ist sicher“

Für Sal. Oppenheim-Analyst Reiner Osbild ist die Verkaufsabsicht der BHW-Großaktionäre BGAG und Deutscher Beamtenwirtschaftsbund ausgemacht, die gut drei Viertel der Anteile halten. „Das Unternehmen wird übernommen, das ist sicher“, sagte er zu FAZ.NET. Es sei denn, es werde Probleme bei der Herauslösung der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) geben, die für die gewerbliche Baufinanzierung zuständig ist und 2004 nicht viel Freude bereitet hat. Zudem sagt Osbild, habe er gehört, daß sich BHW-Vorstände in jüngster Zeit öfter in Schottland aufhielten - was auf Kontakte mit der Royal Bank of Scotland (RBOS) hindeute.

Übernahmephantasie wird mithin von zwei Seiten angeregt. Sie ist indes nach Einschätzung des Analysten weitgehend eingepreist. Da die RBOS viel Geld habe und der Verwässungseffekt infolge einer Übernahme gering wäre, könnte sie vielleicht auch 16 Euro je Aktie bezahlen. Das wäre ein Aufschlag von fast zehn Prozent gemessen am aktuellen Kurs. Doch diese Möglichkeit schätzt er als eher gering ein. Vor diesem Hintergrund empfiehlt Osbild, die BHW-Aktie zu reduzieren. Aus seiner Sicht ist der Titel mit 12,90 Euro gut bezahlt.

Aus Sicht der NordLB ist BHW eine Halte-Position. Für den Kurs sei entscheidend, ob ein Investor gut 75 Prozent der BHW-Anteile übernehme. Aber die Postbank wolle das BHW nur ohne die AHBR. Angesichts der Unsicherheit bleibe es bei einem Kursziel von 14,50 Euro, wie die NordLB vor wenigen Tagen mitgeteilt hat. Anders gesagt: Aus Analystensicht ist die BHW-Aktie mehr oder weniger überbewertet.

Dividendenrendite dürfte Kurs recht gut absichern

Dazu paßt der Kursverlauf. Zwar hat sich das Papier seit der FAZ.NET-Analyse vom März vergangenen Jahres um 27 Prozent verteuert. Doch in den jüngsten drei Monaten ist der Kurs um mehr als acht Prozent gesunken. Der Titel hinkt dem SDax, in dem er notiert, mittlerweile deutlich hinterher. Und die Dividende von 50 Cent wirkt aufgrund des Kursanstiegs seit März 2004 nicht mehr so attraktiv: Seinerzeit betrug sie 4,3 Prozent, derzeit 3,4 Prozent. Immerhin liegt dieser Wert 25 Basispunkte über der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen und dürfte den Kurs recht gut nach unten absichern.

Vor diesem Hintergrund ist die BHW-Aktie nur eine Halte-Position. Zumindest solange kein zweiter potentieller Investor das Visier aufklappt oder der Kurs über das Jahreshoch steigt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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