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Finanzdienstleister Bei aller Euphorie - MLP ist kein Schnäppchen

17.06.2005 ·  Die Aktie von MLP verbuchte in den vergangenen Wochen deutliche Kursgewinne. Hintergrund waren optimistische Ertragsprognosen wie in alten Zeiten. Ein Schnäppchen ist das Papier allerdings sicherlich nicht.

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Mit einem Kursgewinn von 3,42 Prozent auf 16,02 Euro liegt die Aktie des Finanzdienstleisters MPL am Freitag an der Spitze des MDax. Die Aktie scheint damit auf die Mitteilung zu reagieren, daß das Unternehmen das Lebensversicherungsgeschäft für rund 270 Millionen Euro an die britische Bank HBOS-verkauft habe.

Zusätzlich zum direkten Kaufpreis seien mögliche Zahlungen von bis zu 40 Millionen Euro in Abhängigkeit von der Entwicklung des Neugeschäftes bis 2008 und bis zu 15 Millionen Euro in Abhängigkeit von der Prämienentwicklung der bestehenden Verträge vereinbart worden. Das Sachversicherungsgeschäft geht für rund 14 Millionen Euro an den Kölner Gothaer Konzern.

Wieder einmal optimistische Ertragsprognosen

Damit habe das Heidelberger Unternehmen die unter der Ägide des Vorstandsvorsitzenden Uwe Schroeder-Wildberg eingeleitete Rückbesinnung auf das Geschäftsmodell eines unabhängigen Maklers abgeschlossen, heißt es weiter. Die Aktie hat seit einem Zwischentief bei 10,7 Euro im April des laufenden Jahres schon knapp 50 Prozent zugelegt.

Hintergrund waren einerseits optimistische Prognosen der Unternehmensführung. Sie will bis zum Jahr 2007 seinen Vorsteuergewinn fast verdoppeln. Angestrebt werde ein Ergebnis vor Steuern von 160 Millionen Euro nach 87,7 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2004. Für das laufende Jahr erwartet MLP ein Ergebnis vor Steuern von rund 100 Millionen Euro. Im Schnitt soll das Ergebnis vor Steuern gegenüber 2004 pro Jahr somit um durchschnittlich 22 Prozent steigen.

Das erinnert beinahe an alte Zeiten, in welchen es dem damaligen Management unter Vorgabe starker Wachstumszahlen und noch ambitionierterer Prognosen, den Wert bis in den Dax hat aufsteigen zu lassen. Die weitere Geschichte mit der intransparenten Bilanzierung und den anderen Problemen ist bekannt. Ebenso die massiven Kursverluste und der Wiederabstieg aus dem Dax. Dabei waren unter anderem Hedge Fonds beteiligt. Sie hatten „den Braten gerochen“ und ihre „Hygienefunktion“ erfüllt.

... bei ambitionierter Bewertung

Sie können nun unter Umständen auch an den raschen Kursgewinnen beteiligt sein. Denn sollten sie noch bis vor kurzem Short-Positionen gehabt haben, dürften sie gezwungen worden sein, sie auf Grund der positiver werdenden Stimmung zurückzukaufen. Das kann eine Erklärung für die raschen Kursgewinne der vergangenen Wochen sein.

Allerdings dürfte es ratsam sein, nicht gleich wieder zu euphorisch zu werden. Denn das Image des Unternehmens ist angeschlagen. Auch wenn es versucht, mit großen und penetranten Werbekampagnen dagegen anzugehen. Die optimistischen Wachstums- und Ertragsprognosen könnten ebenso zu denken geben, wie die wiederaufgeflammte Begeisterung der Analysten. Sie hatten sich schon in der Vergangenheit blind auf die Aussagen des Managements verlassen. In diesem Sinne dürfte eine gewisse Skepsis ratsam sein.

Gleichzeitig ist die Aktie mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 28 und 22,45 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Jahr schon relativ teuer. Charttechnisch ist inzwischen zwar die Überwindung des mittelfristigen Abwärtstrends gelungen. Allerdings befindet sich das Papier mittlerweile in einer kräftigen Widerstandszone. Wer sich die Aktie ins Depot legt, sollte eine gewisse spekulative Ader haben und auf keinen Fall auf Absicherungsstrategien verzichten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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