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Finanzbranche Banken haben hohen Eigenkapitalbedarf

29.10.2009 ·  Seit dem Treffen der G-20-Staaten in Pittsburgh Anfang Oktober haben die europäischen Banken großen Hunger auf Eigenkapital. Wie zu hören ist, wird die Erste Bank in Wien an diesem Freitag eine Eigenkapitalerhöhung ankündigen.

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Seit dem Treffen der G-20-Staaten in Pittsburgh Anfang Oktober haben die europäischen Banken großen Hunger auf Eigenkapital. Wie zu hören ist, wird die Erste Bank in Wien an diesem Freitag eine Eigenkapitalerhöhung über 1 bis 2 Milliarden Euro ankündigen.

Auch die Gerüchte um die britische Lloyd's, die eine riesige Kapitalerhöhung über 25 Milliarden Pfund (28 Milliarden Euro) planen soll, erscheinen Finanzkreisen plausibel. Zuletzt haben die niederländische Bank ING mit 7,5 Milliarden, die französischen Banken Société Générale und BNP Paribas mit 4,8 und 4,3 Milliarden Euro sowie die italienische Unicredit mit 4 Milliarden Euro Kapitalerhöhungen angekündigt.

Positive Kursreaktionen auf Kapitalerhöhung

Die Kursreaktionen auf die ersten Kapitalerhöhungen waren positiv, obwohl sich die Bankaktien seit Februar im Durchschnitt verdoppelt haben und nach einer Kapitalerhöhung zudem der Unternehmensgewinn auf mehr Aktien verteilt (verwässert) wird. Seit dieser Woche aber, als ING zeitgleich mit der Meldung über die Kapitalerhöhung die Anleger mit einer Aufspaltung des Konzern schockierte, waren Banken an der Börse nicht gefragt. Dies änderte sich erst an diesem Donnerstag etwas, als eine auch von Bankaktien getragene Erholung auf den Aktienmärkten eintrat. Trotz dieser Erholung, die den europäischen Bankenaktienindex am Donnerstag um mehr als 3 Prozent nach oben trieb, haben auch deutsche Bankwerte wie Commerzbank und Postbank in den vergangenen fünf Handelstagen rund 10 Prozent an Wert verloren. Allerdings macht keine deutsche Bank - mit Ausnahme der nicht börsennotierten DZ Bank - derzeit eine Eigenkapitalerhöhung.

Der Hunger der europäischen Banken auf mehr Eigenkapital hat viele Gründe. Behält der Internationale Währungsfonds recht, haben die Banken im Euro-Raum erst 40 Prozent ihrer Belastungen mit strukturierten Wertpapieren in ihren Bilanzen verarbeitet. Die Investmentbank Merrill Lynch sieht deutsche Landesbanken besonders im Hintertreffen. Aber auch die Commerzbank habe ihre 31 Milliarden Euro an "giftigen" Wertpapiere erst auf 74 Prozent abgewertet. Andere europäische Banken wie Barclays (33 Prozent), UBS (37) oder Crédit Agriclole (44) kämen auf bessere Quoten. Um aber weitere Abschreibungen gegen das Eigenkapital vornehmen zu können, müssen Banken ihr Kapital auffüllen. Seit der Finanzkrise hat der europäische Bankensektor nach Berechnungen der LBBW schon 160 Milliarden Euro und damit 53 Prozent seines Eigenkapitals verloren.

Dabei brauchen die Banken aus mindestens zwei Gründen eigentlich mehr Eigenkapital als vor der Krise. Die Finanzkrise ist auf die Realwirtschaft übergegriffen. In den Kreditbüchern der Institute stecken nun hohe Risiken. Zunächst steigen nach den "Basel-II-Regeln" mit schwächerer Bonität der Kreditnehmer die risikogewichteten Aktiva der Banken. Damit sinkt die Quote aus Kernkapital zu risikogewichteten Aktiva, die mindestens 4 Prozent betragen muss. In der Krise hat sich aber als Standard eine Kernkapitalquote von 9 Prozent durchgesetzt.

Künftig wird allein „hartes“ Kernkapital relevant sein

Seit den Beschlüssen des G20-Gipfels zeichnet sich zudem ab, dass "Kernkapital" von 2012 an enger gefasst wird. Bislang zählen auch Nachranganleihen und die bei deutschen Banken beliebten stillen Einlagen dazu. J.P. Morgan geht davon aus, dass künftig allein "hartes" Kernkapital relevant sein wird - ohne Eigenkapital mit Nähe zu Fremdkapital. Die Investmentbank vermutet, dass künftig Banken eine harte Kernkapitalquote von 8 Prozent erfüllen müssen und dafür insgesamt noch 78 Milliarden Dollar benötigen. Die LBBW schätzt - je nach Quote - rund das Doppelte bis das Vierfache. Nach dem dritten Quartal kommt die gemessen an anderen deutschen Bank sehr gut kapitalisiert Deutsche Bank auf eine harte Kernkapitalquote von 8,1 Prozent.

Manche europäische Bank nimmt jetzt auch Eigenkapital auf, um vom Staat erhaltenes Kapital zurückzuzahlen. Die Commerzbank zumindest dürfte sich damit nicht beeilen - solange sie Verlust macht. Denn dann braucht sie dem Bund keine Zinsen auf die 16,4 Milliarden Euro stille Einlage zu zahlen. Georg Kanders, Bankenanalyst der West LB, hält von den deutschen Banken allenfalls bei der Postbank eine Kapitalerhöhung für angebracht. Deren Kapitalausstattung müsse aber wohl die Deutsche Bank verbessern, wenn sie das Institut übernommen habe.

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