22.05.2006 · In nur drei Handelstagen hat das indische Börsenbarometer Sensex 20 Prozent verloren. Am schwächsten aber laufen in diesem Quartal die noch vor kurzem hochgelobten japanischen Aktien. Asiens Börsen stehen im Zeichen der Korrektur.
Die asiatischen Börsen im Zeichen der Korrektur: Keine einzige der großen Börsen lag am Montag im Plus: Der australische ASX verlor 1,5 Prozent, der japanische Nikkei 225 1,8 Prozent - und das waren noch die besten Märkte. Der Jakarta Composite Index büßte mehr als 6 Prozent ein, der Hang Seng Index in Hongkong 3,1 Prozent. Der südkoreanische Kospi verlor 2,5 Prozent, der indische Sensitive Index (Sensex) mehr als vier Prozent.
Der Sensex war denn auch der Index, der am Montag am meisten gebeutelt wurde. In der Spitze sackte das Börsenbarometer um mehr als zehn Prozent ab und fiel unter die Marke von 10.000 Punkten. Auslöser waren die schwächeren Rohstoffpreise. Verschärft wurde der Kursrutsch, als Investoren Aktien verkaufen mußten, um Nachschußforderungen nachzukommen.
Handel in Indien für eine Stunde ausgesetzt
An den Börsen des Landes wurde der Handel für eine Stunde angehalten. Danach konnten die Aktien einen Teil ihrer Verluste wieder wettmachen. Die Regierung erklärte, daß die Banken die Investoren dabei unterstützen würden, Forderungen nachzukommen. „Das ist ein typisches Beispiel für die Angst vor einem Börsencrash“, sagt Teo Chon Kiat, Vermögensverwalter bei DBS Asset Management in Singapur. „Bei jedem Einbruch gibt es Nachschußforderungen. Es herrschen immer Angst, Unsicherheit und immer werden einige Investoren versuchen ganz auszusteigen.“
Bis zum Handelsende erholte sich der Sensex wieder etwas, das Börsenbarometer schloß 4,2 Prozent niedriger bei 10.481,77 Punkten. Damit hat der Sensex innerhalb von drei Handelstagen bis zu 20 Prozent verloren. Die Stimmung hellte sich erst wieder etwas auf, als Finanzminister Palaniappan Chidambaram erklärte, daß es am Aktienmarkt kein Barmittelproblem gebe. Die Banken würden „ausreichend Mittel“ zur Verfügung stellen, um Aktien zu bezahlen, fügte er hinzu.
Börsenschwergewichte verlieren deutlich
Titel von Reliance Industries, zu der die weltweit drittgrößte Raffinerie gehört, erholten sich wieder etwas. Die Titel schlossen 4,6 Prozent niedriger, nachdem sie zuvor bis zu 17 Prozent eingebrochen waren. Für Aktien von Infosys Technologies, den zweitgrößten Softwareanbieter Indiens, ging es fünf Prozent abwärts. Die beiden Aktien machen von ihrer Gewichtung her etwa ein Fünftel im Sensex aus.
Bergbaukonzerne wie Tata Steel und Hindalco Industries zählten zu den Verlierern, nachdem die Metallpreise fielen. Für Tata, den zweitgrößten Stahlkonzern des Landes, ging es 6,1 Prozent abwärts. Aktien von Hindalco, dem größten Anbieter von Nichteisenmetallen in Indien, verbilligten sich 4,8 Prozent.
Zinkproduzent Hindustan verliert 20 Prozent
Titel von Hindustan Zinc brachen um 20 Prozent ein. Der größte indische Zinkproduzent kündigte an, daß er den Preis für das Metall senken müsse, nachdem der Zinkpreis in London abgerutscht ist. Die Kupfer-Terminkontrakte sackten am Montag in Schanghai bis zum Tageslimit von vier Prozent ab.
Zuvor war gemeldet worden, daß die Lagerbestände auf den höchsten Stand seit zwölf Wochen angeschwollen sind. Außerdem ging die Nachfrage aus China, dem weltgrößten Kupferverbraucher, zurück.
Als Folge der Talfahrt am indischen Aktienmarkt verbilligte sich auch die Landeswährung. Die Rupie notierte 0,1 Prozent niedriger bei 45,5920 Rupien je Dollar. Zuvor hatte sie bis zu 0,5 Prozent auf 45,8050 Rupien verloren. Das war der schwächste Kurs seit mehr als fünf Monaten.
Schwächste Performance in Japan
Die schwächste Performance im asiatischen Raum weisen im laufenden Quartal aber die japanischen Aktien auf. Das Gewinnwachstum der Unternehmen verlangsamt sich aufgrund der höheren Rohstoffkosten und des stärkeren Yen. Der Nikkei 225 Stock Average hat im laufenden Quartal sieben Prozent verloren und damit den gesamten Gewinn seit Jahresanfang wieder abgegeben. Für den Asia-Pacific-Index (ohne Japan) von Morgan Stanley Capital International ging es von Anfang April bis zum 19. Mai hingegen 3,3 Prozent aufwärts.
Toyota Motor, der gemessen am Marktwert weltgrößte Autokonzern, und Sony, der weltweit zweitgrößte Anbieter von Unterhaltungselektronik, zählen zu den Unternehmen, deren Gewinnprognosen die Erwartungen der Analysten nicht erfüllten. Als Folge zeigen sich immer mehr Investoren besorgt im Hinblick auf die Aussichten für Japan, dem beliebtesten Aktienmarkt ausländischer Anleger.
Gewinnwachstum bricht ein
„Ich bin etwas pessimistisch, da die Unternehmen bislang für das laufende Jahr keine sonderlich starken Prognosen gestellt haben“, sagt Koji Uchida, Vermögensverwalter bei Mitsubishi UFJ Asset Management in Tokio. Angesichts der Rohstoffpreise und des Yen „stellt sich die Frage, wie stark die Gewinne der exportorientierten Unternehmen davon belastet werden“.
Das Gewinnwachstum der 1.791 japanischen Unternehmen, die ihre Jahresergebnis für den Zeitraum bis Ende März bekannt gegeben haben, wird sich in diesem Geschäftsjahr voraussichtlich von 30 Prozent auf 6,9 Prozent verlangsamen, geht aus Bloomberg-Daten hervor.
Fondsmanager sehen Japan kritischer
Der Anteil der Fondsmanager weltweit, die Japan in ihren Portfolios gemessen an Leitindizes die höchste Gewichtung geben, ging von 27 Prozent in April auf 21 Prozent in diesem Monat zurück, geht aus einer Umfrage von Merrill Lynch hervor. Japan blieb damit aber zum 14. Mal in den letzten 15 Monaten beliebtester Aktienmarkt. Der Anteil der Investoren, die ihre japanischen Aktien aufstocken wollten, übertraf diejenigen, die sie reduzieren wollten, nur noch um einen Prozentpunkt, nach sieben Punkten im April. Grund dafür waren die „unerwartet schwachen Gewinne“, ergab die Umfrage.
„Die Unternehmen zeigen in ihren Prognosen nicht viel Zuversicht, und das ist enttäuschend“, erklärt Soichiro Monji, leitender Aktienstratege bei Daiwa SB Investments in Tokio. Andrew Garthwaite von Credit Suisse Group rät Investoren weltweit dazu, die Gewichtung japanischer Aktien in ihren Portfolios zu reduzieren, da die bessere wirtschaftliche Entwicklung in den Kursen bereits eingepreist sei.
Japans Aktien hoch bewertet
Die Unternehmen im marktbreiten Topix-Index kommen auf ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20,9. Sie werden damit um etwa 50 Prozent höher bewertet als asiatische Unternehmen außerhalb Japans. In den Vereinigten Staaten kommen Unternehmen im Standard & Poor's 500 Index gemessen an den Gewinnerwartungen auf ein KGV von 14,8. Im europäischen Dow Jones Stoxx 600 Index beträgt das durchschnittliche KGV demgegenüber 13. „Verglichen mit anderen Ländern sind japanische Aktien teuer“, erläutert Garthwaite, Leiter Aktienstrategie bei Credit Suisse in London. „Außerdem haben sich die Gewinnaussichten verschlechtert.“
Durch die höheren Preise für Öl und Metalle sind die Kosten der Unternehmen gestiegen. Ishikawajima-Harima Heavy Industries zum Beispiel, ein Zulieferer für Flugzeugtriebwerke, stellte vergangene Woche einen geringeren Jahresgewinn in Aussicht, als Analysten erwartet hatten. Als Gründe wurden neben dem Anstieg des Yen auch höhere Titan-Preise genannt. Die japanische Währung hat im laufenden Quartal 5,5 Prozent zum Dollar zugelegt und weist damit den zweitstärksten Anstieg unter den 15 Währungen der Region Asien-Pazifik auf. Steigt der Yen, schrumpfen als Folge der in Dollar erzielte Gewinn und der Umsatz der Unternehmen.
Toyota kündigte vor knapp zwei Wochen an, daß der Gewinn im Geschäftsjahr bis Ende März 2007 um 4,5 Prozent schrumpfen dürfte. Denn aufgrund der höheren Preise für Gummi, Stahl und andere Materialien steigen die Kosten um mindestens 100 Milliarden Yen (697 Millionen Euro). Der Aktienkurs des Autobauers hat seither 9,3 Prozent verloren. Der Betriebsgewinn von Sony wird voraussichtlich um 48 Prozent auf 100 Mrd. Yen sinken und damit ebenfalls schwächer ausfallen, als Analysten erwartet hatten. Die Aktien des Unternehmens aus Tokio sackten seit der Prognose Ende April um 15 Prozent ab.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |