http://www.faz.net/-gv6-8otqx

F.A.Z.-Umfrage : Analysten ungewohnt vorsichtig

Bald geht dieser Zweikampf in eine neue Runde: Bulle und Bär vor der Börse in Frankfurt Bild: Lachner, Maximilian

Nach einer Umfrage der F.A.Z. trauen viele Finanzinstitute dem Dax im Jahr 2017 kaum Kurschancen zu – im Gegenteil. Das liegt nicht nur an der Politik.

          Das Aktienjahr 2016 ist zumindest aus deutscher Sicht lange Zeit kein besonders glorreiches gewesen. Anders als vom Gros der Marktteilnehmer erwartet hat der Dax das neue Jahr gleich mit Kursverlusten begonnen und ist auch im weiteren Jahresverlauf in negativem Terrain geblieben. Erst auf den letzten Metern des Jahres schaffte es der deutsche Standardwerteindex überhaupt ins Plus.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dies ist vermutlich auch ein Grund dafür, warum viele Analysten für das nächste Jahr viel vorsichtiger in ihren Prognosen sind, als sie es jahrelang waren. Hinzu kommen eine ordentliche Portion Unsicherheit vor allem in politischer Hinsicht und die häufig ohnehin schon hohen Indexniveaus.

          DAX ®

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          In diesem Umfeld dürfte der Dax nach Einschätzung von Analysten im Durchschnitt aus jetziger Sicht im kommenden Jahr nur um 2 Prozent auf 11.713 Punkte steigen. Dies jedenfalls ergab eine Umfrage dder F.A.Z. unter 24 Kreditinstituten, Fondsgesellschaften und Versicherern. Zur Jahresmitte rechnen sie unter dem Strich mit einem unveränderten Dax-Niveau. Ähnlich pessimistisch waren die Fachleute im Rahmen dieser Umfrage in den vergangenen 14 Jahren nie.

          Vor einem Jahr schien die Analystenwelt beim Blick in die Glaskugel noch in der gewohnten Ordnung: Die Finanzinstitute sagten für das Jahr 2016 im Durchschnitt ein Dax-Plus von 11 Prozent auf 11.859 Punkte vorher. Sogar ein Indexgewinn von fast 20 Prozent schien für manche vorstellbar. Aktuell liegt der Dax allerdings rund 400 Punkte tiefer bei 11.437 Punkten. Der Index ist damit in diesem Jahr nun immerhin um rund 7 Prozent gestiegen – faktisch hat er dazu aber nur drei Wochen gebraucht.

          Prognosen zur Entwicklung der europäischen Aktienmärkte im Jahr 2017
          Euro-Stoxx 50 Dax
          Jahresmitte Jahresende Jahresmitte Jahresende
          Allianz 3.300 3.300 11.400 11.500
          Bayern LB 3.150 3.330 11.200 12.000
          Berenberg 3.280 3.400 11.400 11.800
          BHF-Bank 3.200 3.100 11.500 11.200
          BNP Paribas 3.400 3.500 12.200 12.300
          Commerzbank - 3.250 - 11.700
          Deka 3.200 3.100 11.500 11.000
          DB AWM - 3.300 - 11.800
          Deutsche Bank - 3.350 - 11.800
          DZ Bank 3.350 3.450 11.500 12.000
          HSBC Trinkaus&Burkhardt - 3.150 - -
          Helaba 3.300 3.400 11.600 12.000
          HSH Nordbank 3.000 3.300 10.600 11.500
          ING-Diba 3.500 3.100 12.100 10.400
          J.P. Morgan - - - 12.300
          Bankhaus Lampe - 3.150 - 11.400
          LBBW 3.150 3.150 11.500 11.500
          M.M. Warburg 3.500 3.450 12.400 12.000
          Nord LB 3.200 3.300 11.200 11.500
          Postbank 3.150 3.400 11.000 12.000
          Sal. Oppenheim 3.300 3.400 11.600 11.900
          Santander Asset Mngm 3.150 3.300 11.200 11.800
          Société Générale - - 11.000 12.000
          Unicredit 3.300 3.300 12.000 12.000
          Durchschnitt 3.261 3.295 11.494 11.713
          Aktuell 3.270 11.460
          Umfragewerte für 2016 3.665 11.859
          Quelle: Unternehmensangaben - eigene Recherchen

          Losgegangen war das Jahr mit Verlusten. Im Februar erreichte der Dax sein Jahrestief von 8699 Punkten – ein Minus von 19 Prozent seit Jahresbeginn. Von August an rüttelte der Dax zwar immer wieder an seiner imaginären Null-Linie, überrundete sie allerdings erst am 7. Dezember nachhaltig.

          Die großen amerikanischen Aktienindizes wiederum zeigten sich wider Erwarten in Rekordlaune. Hier waren die Analysten viel zu pessimistisch. Treffen die Prognosen der befragten Marktauguren zu, dann wird die Luft in den Vereinigten Staaten nun wieder dünner. Laut der Umfrage sagen sie dem Dow-Jones-Index der amerikanischen Standardwerte bis Ende 2017 nur einen ganz leichten Anstieg vorher. Der technologielastige Nasdaq Composite sollte sich kaum verändern.

          Prognosen zur Entwicklung der amerikanischen Aktienmärkte im Jahr 2017
          Dow Jones Nasdaq Composite
          Jahresmitte Jahresende Jahresmitte Jahresende
          Allianz 20.000 20.000 5.500 5.500
          Bayern LB 19.500 20.600 - -
          Berenberg 19.800 20.100 5.500 5.700
          BHF-Bank 20.700 21.000 5.400 5.500
          BNP Paribas 20.500 20.600 5.600 5.700
          Deka 20.000 19.500 - -
          DB AWM - - - 5.200
          Helaba 19.500 20.000 - -
          HSH Nordbank 18.700 19.500 5.150 5.450
          ING-Diba 20.000 18.200 5.700 5.100
          LBBW 19.000 19.000 - -
          M.M. Warburg 21.900 21.200 - -
          Nord LB 19.300 19.600 - -
          Postbank 19.500 20.750 5.300 5.750
          Sal. Oppenheim 20.050 20.500 - -
          Santander Asset Mngm 20.000 20.500 - -
          Durchschnitt 19.897 20.103 5.450 5.488
          Aktuell 19.920 5.640
          Umfragewerte für 2016 18.568 5.379
          Quelle: Unternehmensangaben - eigene Recherchen

          Noch schlechter als um den Dax, der zumindest inzwischen wieder ordentlich an Fahrt aufgenommen hat, ist es um den Euro-Stoxx-50 bestellt. Der Auswahlindex für den Euroraum bewegt sich in diesen Tagen rund um sein Vorjahrsniveau. Ähnliches ergibt die Umfrage zur Jahresmitte, in zwölf Monaten verheißt sie einen möglichen Anstieg um 5,5 Prozent.

          Die Prognosen sind wie üblich breitgefächert. M.M.Warburg traut dem Dax zur Jahresmitte mit 12.400 Punkten unter den befragten Instituten am meisten zu – doch auch dies nicht dauerhaft. Denn die Jahresendprognose des Hamburger Bankhauses fällt niedriger aus. Carsten Klude, Chefvolkswirt von M.M. Warburg, begründet seine Erwartung eines starken ersten Halbjahres damit, dass zurzeit der konjunkturelle Rückenwind stark sei und sich dies weder in den Gewinnerwartungen der Unternehmen noch in den Aktienbewertungen adäquat spiegele.

          Vorstellbar sei zudem, dass Donald Trump gleich zu Beginn seiner Amtszeit als neuer amerikanischer Präsident einige der von ihm während des Wahlkampfes in Aussicht gestellten Wohltaten beschließen werde, zum Beispiel mehr Ausgaben für Infrastruktur und Steuersenkungen.

          Allerdings hält es Klude für wahrscheinlich, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im zweiten Halbjahr wieder etwas abschwächen. „Da die Aktienmärkte immer zum Überschießen neigen, könnte damit das Pulver in der ersten Jahreshälfte schon weitgehend verschossen sein. Alles in allem sollte es aber ein gutes Aktienjahr werden.“ Denn die Weltwirtschaft sei auf dem besten Weg, das stärkste Wachstum seit fünf Jahren zu erzielen.

          Gleichwohl gebe es erhebliche Unsicherheiten, die in erster Linie von den im Jahr 2017 anstehenden politischen Weichenstellungen abhingen, sagt der Ökonom. Er verweist neben den Parlamentswahlen in den Niederlanden auf die Präsidentschaftswahlen in Frankreich und die Bundestagswahl in Deutschland. Das „Nein“ im Italien-Referendum, der Rücktritt Renzis und die nun notwendigen Neuwahlen in Italien verstärkten die unsichere politische Lage. Dennoch sollte die gute Wirtschaftsdynamik die Überhand gewinnen und den Dax wieder in Richtung seines bisherigen Rekords von fast 12400 Punkten bringen können.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kommt nun zu seiner ersten Sitzung zusammen - der neu gewählte Bundestag.

          AfD im Bundestag : Die fremde Fraktion

          Mit der AfD-Fraktion zieht keine Truppe „Nazis“ in den Bundestag ein, und sie besteht auch nicht nur aus den Dumpfbacken, zu denen sie gemacht werden. Vielleicht verfahren CDU und CSU mit ihrem Schmuddelkind eines Tages ähnlich wie die SPD mit ihrem, der Linkspartei. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.