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Veröffentlicht: 29.12.2016, 10:40 Uhr

F.A.Z.-Umfrage Analysten ungewohnt vorsichtig

Nach einer Umfrage der F.A.Z. trauen viele Finanzinstitute dem Dax im Jahr 2017 kaum Kurschancen zu – im Gegenteil. Das liegt nicht nur an der Politik.

von
© Lachner, Maximilian Bald geht dieser Zweikampf in eine neue Runde: Bulle und Bär vor der Börse in Frankfurt

Das Aktienjahr 2016 ist zumindest aus deutscher Sicht lange Zeit kein besonders glorreiches gewesen. Anders als vom Gros der Marktteilnehmer erwartet hat der Dax das neue Jahr gleich mit Kursverlusten begonnen und ist auch im weiteren Jahresverlauf in negativem Terrain geblieben. Erst auf den letzten Metern des Jahres schaffte es der deutsche Standardwerteindex überhaupt ins Plus.

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Dies ist vermutlich auch ein Grund dafür, warum viele Analysten für das nächste Jahr viel vorsichtiger in ihren Prognosen sind, als sie es jahrelang waren. Hinzu kommen eine ordentliche Portion Unsicherheit vor allem in politischer Hinsicht und die häufig ohnehin schon hohen Indexniveaus.

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In diesem Umfeld dürfte der Dax nach Einschätzung von Analysten im Durchschnitt aus jetziger Sicht im kommenden Jahr nur um 2 Prozent auf 11.713 Punkte steigen. Dies jedenfalls ergab eine Umfrage dder F.A.Z. unter 24 Kreditinstituten, Fondsgesellschaften und Versicherern. Zur Jahresmitte rechnen sie unter dem Strich mit einem unveränderten Dax-Niveau. Ähnlich pessimistisch waren die Fachleute im Rahmen dieser Umfrage in den vergangenen 14 Jahren nie.

Vor einem Jahr schien die Analystenwelt beim Blick in die Glaskugel noch in der gewohnten Ordnung: Die Finanzinstitute sagten für das Jahr 2016 im Durchschnitt ein Dax-Plus von 11 Prozent auf 11.859 Punkte vorher. Sogar ein Indexgewinn von fast 20 Prozent schien für manche vorstellbar. Aktuell liegt der Dax allerdings rund 400 Punkte tiefer bei 11.437 Punkten. Der Index ist damit in diesem Jahr nun immerhin um rund 7 Prozent gestiegen – faktisch hat er dazu aber nur drei Wochen gebraucht.

Prognosen zur Entwicklung der europäischen Aktienmärkte im Jahr 2017
Euro-Stoxx 50 Dax
Jahresmitte Jahresende Jahresmitte Jahresende
Allianz 3.300 3.300 11.400 11.500
Bayern LB 3.150 3.330 11.200 12.000
Berenberg 3.280 3.400 11.400 11.800
BHF-Bank 3.200 3.100 11.500 11.200
BNP Paribas 3.400 3.500 12.200 12.300
Commerzbank - 3.250 - 11.700
Deka 3.200 3.100 11.500 11.000
DB AWM - 3.300 - 11.800
Deutsche Bank - 3.350 - 11.800
DZ Bank 3.350 3.450 11.500 12.000
HSBC Trinkaus&Burkhardt - 3.150 - -
Helaba 3.300 3.400 11.600 12.000
HSH Nordbank 3.000 3.300 10.600 11.500
ING-Diba 3.500 3.100 12.100 10.400
J.P. Morgan - - - 12.300
Bankhaus Lampe - 3.150 - 11.400
LBBW 3.150 3.150 11.500 11.500
M.M. Warburg 3.500 3.450 12.400 12.000
Nord LB 3.200 3.300 11.200 11.500
Postbank 3.150 3.400 11.000 12.000
Sal. Oppenheim 3.300 3.400 11.600 11.900
Santander Asset Mngm 3.150 3.300 11.200 11.800
Société Générale - - 11.000 12.000
Unicredit 3.300 3.300 12.000 12.000
Durchschnitt 3.261 3.295 11.494 11.713
Aktuell 3.270 11.460
Umfragewerte für 2016 3.665 11.859
Quelle: Unternehmensangaben - eigene Recherchen

Losgegangen war das Jahr mit Verlusten. Im Februar erreichte der Dax sein Jahrestief von 8699 Punkten – ein Minus von 19 Prozent seit Jahresbeginn. Von August an rüttelte der Dax zwar immer wieder an seiner imaginären Null-Linie, überrundete sie allerdings erst am 7. Dezember nachhaltig.

Die großen amerikanischen Aktienindizes wiederum zeigten sich wider Erwarten in Rekordlaune. Hier waren die Analysten viel zu pessimistisch. Treffen die Prognosen der befragten Marktauguren zu, dann wird die Luft in den Vereinigten Staaten nun wieder dünner. Laut der Umfrage sagen sie dem Dow-Jones-Index der amerikanischen Standardwerte bis Ende 2017 nur einen ganz leichten Anstieg vorher. Der technologielastige Nasdaq Composite sollte sich kaum verändern.

Prognosen zur Entwicklung der amerikanischen Aktienmärkte im Jahr 2017
Dow Jones Nasdaq Composite
Jahresmitte Jahresende Jahresmitte Jahresende
Allianz 20.000 20.000 5.500 5.500
Bayern LB 19.500 20.600 - -
Berenberg 19.800 20.100 5.500 5.700
BHF-Bank 20.700 21.000 5.400 5.500
BNP Paribas 20.500 20.600 5.600 5.700
Deka 20.000 19.500 - -
DB AWM - - - 5.200
Helaba 19.500 20.000 - -
HSH Nordbank 18.700 19.500 5.150 5.450
ING-Diba 20.000 18.200 5.700 5.100
LBBW 19.000 19.000 - -
M.M. Warburg 21.900 21.200 - -
Nord LB 19.300 19.600 - -
Postbank 19.500 20.750 5.300 5.750
Sal. Oppenheim 20.050 20.500 - -
Santander Asset Mngm 20.000 20.500 - -
Durchschnitt 19.897 20.103 5.450 5.488
Aktuell 19.920 5.640
Umfragewerte für 2016 18.568 5.379
Quelle: Unternehmensangaben - eigene Recherchen

Noch schlechter als um den Dax, der zumindest inzwischen wieder ordentlich an Fahrt aufgenommen hat, ist es um den Euro-Stoxx-50 bestellt. Der Auswahlindex für den Euroraum bewegt sich in diesen Tagen rund um sein Vorjahrsniveau. Ähnliches ergibt die Umfrage zur Jahresmitte, in zwölf Monaten verheißt sie einen möglichen Anstieg um 5,5 Prozent.

Die Prognosen sind wie üblich breitgefächert. M.M.Warburg traut dem Dax zur Jahresmitte mit 12.400 Punkten unter den befragten Instituten am meisten zu – doch auch dies nicht dauerhaft. Denn die Jahresendprognose des Hamburger Bankhauses fällt niedriger aus. Carsten Klude, Chefvolkswirt von M.M. Warburg, begründet seine Erwartung eines starken ersten Halbjahres damit, dass zurzeit der konjunkturelle Rückenwind stark sei und sich dies weder in den Gewinnerwartungen der Unternehmen noch in den Aktienbewertungen adäquat spiegele.

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Vorstellbar sei zudem, dass Donald Trump gleich zu Beginn seiner Amtszeit als neuer amerikanischer Präsident einige der von ihm während des Wahlkampfes in Aussicht gestellten Wohltaten beschließen werde, zum Beispiel mehr Ausgaben für Infrastruktur und Steuersenkungen.

Allerdings hält es Klude für wahrscheinlich, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im zweiten Halbjahr wieder etwas abschwächen. „Da die Aktienmärkte immer zum Überschießen neigen, könnte damit das Pulver in der ersten Jahreshälfte schon weitgehend verschossen sein. Alles in allem sollte es aber ein gutes Aktienjahr werden.“ Denn die Weltwirtschaft sei auf dem besten Weg, das stärkste Wachstum seit fünf Jahren zu erzielen.

Gleichwohl gebe es erhebliche Unsicherheiten, die in erster Linie von den im Jahr 2017 anstehenden politischen Weichenstellungen abhingen, sagt der Ökonom. Er verweist neben den Parlamentswahlen in den Niederlanden auf die Präsidentschaftswahlen in Frankreich und die Bundestagswahl in Deutschland. Das „Nein“ im Italien-Referendum, der Rücktritt Renzis und die nun notwendigen Neuwahlen in Italien verstärkten die unsichere politische Lage. Dennoch sollte die gute Wirtschaftsdynamik die Überhand gewinnen und den Dax wieder in Richtung seines bisherigen Rekords von fast 12400 Punkten bringen können.

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