08.09.2008 · Die Aktienmärkte reagieren geradezu euphorisch auf die Verstaatlichung der beiden amerikanischen Hypothekenfinanzierer, die in einer schweren Krise stecken. Indes rechnen die meisten Beobachter mit einem raschen Ende des Feuerwerks.
Von Christian von HillerManch ein Beobachter mag die Akteure an den Finanzmärkten für überzeugte Marktwirtschaftler halten. Am Montag zeigten sie sich anders: Die Nachricht von der Verstaatlichung der beiden amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac lässt auch die Aktienkurse der deutschen Banken in die Höhe schnellen.
Dass die Nachricht die Aktienmärkte beflügeln würden, hatte sich schon am frühen Morgen angekündigt. In Asien waren die Aktienmärkte steil nach oben gegangen. Allein das Ausmaß an den europäischen Aktienmärkten überraschte: Um mehr als 8 Prozent tendiert die Aktie der Deutschen Bank fester, die anderen Bank-Aktien stehen kaum nach. Selbst der Kurs der Commerzbank-Aktie, der zunächst etwas im Abseits stand, legt um mehr als 5 Prozent zu, obwohl die Bank gerade eine Kapitalerhöhung durchführt, um den Kauf der Dresdner Bank zu finanzieren.
Befreiungsschlag für die Bankaktien
Die Verstaatlichung der beiden Banken mit den seltsam klingenden Namen, als wäre sie die Helden einer Comic-Serie für Kinder, wirkte wie ein Befreiungsschlag für die Bankenaktien, deren Kurse seit Monaten unter den Folgen der schweren Finanzkrise litten, die im vergangenen Sommer ausgebrochen war. Seit Ausbruch der Immobilienkrise die beiden Aktien jeweils etwa 90 Prozent oder insgesamt 126 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt.
Schlimmer für das Finanzsystem ist jedoch: Fannie Mae und Freddie Mac garantieren allein rund die Hälfte der amerikanischen Hypothekendarlehen. Wären diese beiden ohnehin schon halbstaatlichen Banken gekippt, wären die Folgen für die von der Krise geschwächte Finanzbranche unabsehbar gewesen.
Das lässt die Anleger hoffen, dass die Finanzkrise nun ein Ende findet und wenn nicht, dass der amerikanische Staat dann weiter die Folgen bekämpfen wird. Die Akteure an den Finanzmärkten sind zunächst froh, dass sich erst einmal jemand gefunden hat, der die Zeche bezahlt: „Das Kind ist in den Brunnen gefallen und nun gilt es, das Kind wieder aus dem Brunnen heraus zu holen - da ist die Verstaatlichung wohl die beste Alternative“, freut sich Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baaderbank.
Haushaltsdefizit liegt schon bei 486 Milliarden Dollar
Die angekündigte Verstaatlichung zeigt, dass die amerikanische Regierung bereit ist, die beiden Banken völlig undogmatisch aus ihrem Schlamassel zu ziehen und alle marktwirtschaftlich liberalen Grundsätze zumindest vorübergehend außer Kraft zu setzen, und die Verluste von den Eigentümern der Aktiengesellschaften auf die Allgemeinheit abzuwälzen.
Fraglich ist jedoch, wie die amerikanische Regierung diese Intervention selbst verkraften will, ohne die amerikanischen Steuerzahler und die Wirtschaft des Landes weiter zu belasten. Am frühen Montagmorgen ging eine Meldung über die Nachrichtenticker, die in der allgemeinen Euphorie unbeachtet blieb: Der amerikanische Haushalt hat demnach in den ersten elf Monaten des laufenden Fiskaljahrs ein Defizit von 486 Milliarden Dollar verzeichnet. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte sich der Fehlbetrag noch auf 212 Milliarden Dollar belaufen. Für das Fiskaljahr 2007/2008 erwartet das Congressional Budget Office (CBO) mit einem Haushaltsdefizit von 400 Milliarden Dollar.
Offenbar nur ein vorübergehendes Strohfeuer
Insofern stellt sich die Frage, wie nachhaltig die Kursgewinne der Banken und am deutschen Aktienmarkt sein können. Händler bezeichnen diese schon als „Strohfeuer“ von möglicherweise ein bis zwei Tagen. „Eigentlich hat sich an der Grundsituation nichts geändert. Es ist ein bisschen so, als wolle man versuchen ein Feuer mit Öl zu löschen“, sagte ein Börsianer.
„Die Maßnahme der amerikanischen Regierung musste erwartet werden, an dem Status Quo ändert sich allerdings nicht viel - schließlich soll die Kreditvergabe nicht massiv ausgeweitet werden“, sagt Analyst Christian Hamann von der Hamburger Sparkasse. Die starke Gegenbewegung der zuletzt deutlich unter Druck geratenen Bankaktien zeige, dass es große Ängste vor weiteren Problemen im Sektor gegeben habe, so der Experte. Die Kursreaktion dürfte aber keine Trendwende markieren, sondern sei nur ein kurzfristiger Effekt.
Ähnlich sieht dies Heino Ruland von Frankfurt Finanz Partner. Anleger setzten nun auf eine Erholung der gebeutelten Wirtschaft - dürften damit aber die Rohstoffpreise und den Dollar nach oben treiben. „Das wird die amerikanischen Notenbank Fed früher als erwartet zu einer strafferen Geldpolitik zwingen und damit den positiven Effekt wieder zunichte machen“, so Ruland. „Die amerikanischen Regierung und die Fed verschaffen sich lediglich ein bisschen Zeit, denn die grundlegenden strukturellen Probleme werden damit nicht gelöst.“
Staatsglaube ist Geld wert
Stefan Sedlaczek (sedlaczek1)
- 08.09.2008, 13:18 Uhr
Lernprozess?
heinz Kaiserbubu (Kaiserbubu)
- 08.09.2008, 13:48 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |