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FAZ-Index Die Euro-Aktienindizes der F.A.Z.

Die F.A.Z. hat nicht nur den tradierten FAZ-Index für Deutschland, sondern auch 11 Aktienindizes auf den Euroraum im Angebot. Sie haben ein hohes Maß an Eigenständigkeit.

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Aktienindizes auf das gesamte Europa oder auf den Euroraum gibt es seit vielen Jahren von mehreren Anbietern. Auch die F.A.Z. hat vor knapp zehn Jahren einen eigenen Euro-Aktienindex vorgestellt. Die Frage liegt also nahe, welchen Grund es geben mag, nunmehr 11 weitere  Aktienindizes auf den Euroraum vorzustellen. Die Palette der neuen Indizes besteht aus einem Euro-Index mit 100 Werten und zehn Euro-Branchenindizes mit bis zu 25 Werten je Index (siehe Infografiken). Sie erscheinen sowohl als Kurs- wie als Performanceindex.

Der Grund für den Markteintritt liegt in der innovativen Konstruktion der neuen Indizes, die ihnen ein hohes Maß an Eigenständigkeit verleiht. Dafür sorgt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der einzelnen Mitgliedsländer der Währungsunion als wesentliches Kriterium für die Aktienauswahl. In vielen anderen Indizes bildet die Marktkapitalisierung (Börsenwert) der Unternehmen das wichtigste Kriterium für die Aufnahme von Aktien.

Gewichtung nach BIP

Stattdessen wird für den 100 Werte umfassenden Euro-Index der F.A.Z. zunächst der Anteil des BIP der 17 Mitgliedsländer am gesamten BIP des Euroraums herangezogen. Danach bestimmt sich die Zahl der Aktien eines Landes, die in dem Index vertreten sind. Da das deutsche BIP rund 28 Prozent des BIP des Euroraums ausmacht, enthält der Index 28 deutsche Aktien. Entsprechend wird auch bei den anderen Ländern vorgegangen, wobei allerdings Länder, deren Anteil am Euroraum-BIP weniger als ein Prozent beträgt, nicht berücksichtigt werden. Daher finden sich zum Beispiel keine Werte aus Slowenien oder der Slowakei im Index.

Innerhalb der einzelnen Länder dient die Marktkapitalisierung der Unternehmen als Auswahlkriterium, sofern die Kapitalisierung 2 Milliarden Euro und der durchschnittliche tägliche Börsenumsatz 5 Millionen Euro erreichen. Die Marktkapitalisierung spielt für die Gewichtung der einzelnen Aktie im Index aber keinerlei Rolle. Jede Aktie erhält ein Gewicht von einem Prozent. Eine historische Betrachtung zeigt, dass dieser FAZ-Euro-Index in der vergangenen Dekade besser abgeschnitten hätte als der marktführende, 50 Werte umfassende Euro Stoxx. Hierzu dürften in erster Linie die gleichmäßigere geographische Verbreitung und die geringere Gewichtung von Bankaktien beigetragen haben.

Einblicke in die wirtschaftliche Struktur

Die Gewichtung nach dem BIP findet auch in den zehn selbständigen Euro-Branchenindizes Anwendung, wenn auch wegen der geringen Zahl von Werten in leicht abgewandelter Form. In jeder Branche wird zunächst aus jedem der 17 Mitgliedsländer der Währungsunion jeweils ein Unternehmen – sofern vorhanden – in den Branchenindex aufgenommen. Die verbleibenden Werte werden nach der Marktkapitalisierung ausgewählt, wobei ein Mindestwert von 500 Millionen Euro und ein durchschnittlicher täglicher Börsenumsatz von einer Million Euro nicht unterschritten werden sollen. In einzelnen Branchen wie der Telekommunikation oder dem Transportgewerbe sind nicht genügend Unternehmen vorhanden, um die Zahl von 25 Werten für einen Branchenindex zu erreichen. Innerhalb eines Branchenindex sind alle Werte wiederum unabhängig von der Marktkapitalisierung gleich gewichtet.

Die Analyse der Indizes gestattet interessante Einblicke in die wirtschaftliche Struktur in der Währungsunion und in die Bewertung von Unternehmen. Die Mitte der neunziger Jahre eingeleitete Konsolidierung der großen französischen Unternehmen schlägt sich in einer Reihe bedeutender Kapitalisierungen etwa für Total, Sanofi oder GDF Suez nieder. Bemerkenswert erscheint auch die Bewertung von Herstellern hochwertiger Konsumgüter im Vergleich zu Unternehmen aus anderen Branchen. So ist LVMH an der Börse fast so viel wert wie der deutsche Spitzenreiter Siemens. L’Oréal ist an der Börse teurer als BASF oder Daimler, während Hermès auf einen vergleichbaren Wert kommt wie Eon oder Allianz. Im Gegenzug sind bekannte französische Industrieunternehmen – und wichtige Arbeitgeber – wie Michelin und Renault an der Börse zu klein, um in den Index aufgenommen zu werden.

Führende spanische Unternehmen können mehr als mithalten

Weiterhin fällt auf, dass dem Gewicht der italienischen Wirtschaft keine adäquate Präsenz italienischer Unternehmen an der Börse gegenübersteht. Zwar zählt der Erdöl- und Energiekonzern Eni zu den teuersten Unternehmen im Euroraum, und auch der Stromversorger Enel weist noch eine ansehnliche Marktkapitalisierung auf. Der Rest der börsennotierten Unternehmen ist im internationalen Vergleich aber wenig bedeutend, was sich zum Teil mit der Existenz vieler mittelgroßer, nicht selten noch in Familienbesitz befindlicher Unternehmen in den Industriegebieten Norditaliens erklären dürfte.

Im Vergleich zu den Börsenwerten der großen Italiener können die führenden spanischen Unternehmen mehr als nur mithalten. Die Telefónica ist annähernd doppelt so viel wert wie die Konkurrenten Deutsche Telekom und France Télécom. Der Banco Santander bleibt als wertvollste Bank im Euroraum unerreicht, und das Textilunternehmen Inditex ist an der Börse etwa so viel wert wie Daimler. Allerdings verteilen sich die führenden spanischen Unternehmen auf nur wenige Branchen – meist auf Banken (Santander, BBVA und Caixa Bank) oder auf Versorger und Öl- oder Gasförderer (Iberdrola, Repsol, Endesa und Gas Natural). Klassische Industriewerte sind dagegen Mangelware, Technologiekonzerne ebenfalls.

Grundsätzlich ist die Wirtschaft im Euroraum breit diversifiziert

Wertvolle Einblicke gestattet auch eine Analyse der Branchenindizes. Grundsätzlich ist die Wirtschaft im Euroraum breit diversifiziert, aber im Bereich moderner Technologieunternehmen bleibt gegenüber den Vereinigten Staaten ein ernüchternder Rückstand unübersehbar. Hier ist die SAP das einzige Unternehmen von Bedeutung, während schon die Nummer zwei, die finnische Nokia, nach schweren Kursverlusten in den vergangenen Monaten an einen „gefallenen Engel“ erinnert. Wenig beeindruckend wirken auch die Börsenwerte der Pharmaindustrie, wo nur die Sanofi mit den Branchenriesen aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien und der Schweiz mithalten kann.

Dagegen bleiben die Finanzwerte auch nach den jüngsten Kursstürzen eine der wichtigsten Branchen. Dies erklärt sich vermutlich mit der traditionell großen Bedeutung des Einlagen- und Kreditgeschäfts in Kontinentaleuropa, wo Kapitalmarktgeschäfte keine vergleichbare Rolle spielen wie in den Vereinigten Staaten.

Die neuen Europa-Indizes der FAZ werden von dem Frankfurter Indexunternehmen Structured Solutions AG berechnet und verbreitet. Die Berechnung des Euro-Index erfolgt sekündlich, jene der Branchenindizes alle 15 Sekunden. Alle Indizes sind auf den Internetseiten www.faz-index.de und www.faz.net zu finden. Der Euro-Index findet Aufnahme in den Kursteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der bisherige FAZ-Euro-Index wird nicht weiter berechnet.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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