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FAZ-Euro-Index Der weite Blick in die Börse

Der FAZ-Aktienindex begleitet Deutschland seit dem Wiederaufbau. Seit 50 Jahren wird er an jedem Börsentag berechnet. Jüngere ist der FAZ-Euro-Index.

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Der Aktienindex der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bildet seit 50 Jahren das Börsengeschehen in Deutschland besser ab andere Indizes. Er repräsentiert mit seinen 100 Werten die deutsche Wirtschaft in ihrer ganzen Breite. Der älteste deutsche Aktienindex wird seit September 1961 an jedem Börsentag berechnet, inzwischen im Sekundentakt. Er wurde 1961 gegründet und bis zum Jahr 1950 zurückgerechnet. Damit verfügt er über eine einmalige Historie aus gerechneten Kursen.

Wie wenig das damalige Geschehen mit dem heutigen Börsenhandel zu vergleichen ist, offenbart ein Auszug aus einem Börsenbericht der FAZ vom November 1949: „Der Wert der Aktien erschien völlig unklar, solange man noch keinen Begriff davon hatte, wie die Bilanzen der Aktiengesellschaften in dem neuen Gelde aussehen werden, welche Wirkungen außer der Währungsumstellung die Kriegsverluste, die Demontagen und die Dekartellisierung haben würden. Außerdem war der Außenwert der Deutschen Mark noch alles andere als konsolidiert. In allen diesen Fragen hat sich in den letzten Wochen aber einiges geklärt, wozu nicht zuletzt auch die Mitteilungen in den Hauptversammlungen der Vereinigten Stahlwerke und der Mannesmannröhren-Werke beigetragen haben. Mit fortschreitender Klärung wurde die Befestigung der Aktien immer intensiver.“

„Ludwig Erhard hat ein Denkmal verdient“

Das Wirtschaftswunder ist untrennbar mit dem Erfinder der D-Mark verbunden. Es gibt viele Väter der Sozialen Marktwirtschaft, aber nur einen Ludwig Erhard. Er hat die Aufhebung der staatlichen Bewirtschaftung und des Preisstopps verkündet – und das ohne Wissen der Besatzungsmächte. Im Handumdrehen erhielt Westdeutschland eine neue Währung und eine neue Wirtschaftsordnung – noch bevor es eine Verfassung und die Bundesrepublik als Staat gab. Erhards Ziel war eine freiheitliche und sozial verpflichtete Gesellschaftsordnung.

Spezial: Die neuen F.A.Z.-Euro-Indizes

Der zügige Wiederaufbau wäre ohne ihn nicht möglich gewesen. Auch die Börse hat ihm viel zu verdanken. „Eigentlich hätte Ludwig Erhard auf dem Börsenplatz in Frankfurt ein Denkmal verdient“, schloss der legendäre Finanzredakteur Heinz Brestel im Sommer 2008 seinen letzten Bericht für die Frankfurter Allgemeine, für die er seit der Gründung des Blattes geschrieben und für die er auch den FAZ-Index maßgeblich mitentwickelt hatte.

Das „Orakel von Frankfurt“ steht für Stabilität

Die Historie aus gerechneten Kursen ist für die Marktteilnehmer ein Schatz. Der FAZ-Index mit seinen 100 Werten und der Untergliederung in zwölf Branchenindizes erlaubt eine detaillierte Analyse des deutschen Aktienmarkts. Er bildet die deutsche Wirtschaft besser als der Dax ab. Die deutsche Wirtschaft besteht ja nicht nur aus Großkonzernen, sondern auch aus einer Vielzahl von Unternehmen mittlerer Größe, die in den jeweiligen Branchen zu den Weltmarktführern zählen. So ist der Maschinenbau mit MAN im Dax nur einmal vertreten, im FAZ-Index finden sich immerhin 12 Maschinenbauwerte.

Das Grundkonzept des FAZ-Index hat sich bis heute nicht geändert. Es steht vor allem für Stabilität, berücksichtigt aber auch langfristige Veränderungen. Änderungen in den Branchenindizes – im Jahr 1961 gab es einen Branchenindex Bergbau, heute einen Branchenindex Erneuerbare Energie – spiegeln den Wandel in der deutschen Wirtschaftsstruktur. Bis zur Gründung des Dax war der FAZ-Index der bedeutendste deutsche Aktienindex; sein alter Beiname lautet „Orakel von Frankfurt“.

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