Nach vier verlustreichen Handelstagen in Folge, hat der griechische Aktienmarkt wegen der Hoffnung auf ausländische Finanzhilfen am Dienstag sehr fest tendiert. Der Leitindex ASE General (Athex) gewann gut 5 Prozent auf rund 1900 Punkte.
Das Tagesplus ist für langfristig engagierte Anleger aber nur ein schwacher Trost. Denn gemessen an dem Mitte Oktober markierten Zwischenhoch hatte der griechische Leitindex bei dem noch am Montag aufgestellten Jahrestief von 1805 Punkten fast 38 Prozent an Wert verloren.
Marktteilnehmer über die Finanzlage in Griechenland besorgt
Wie dürftig der Leistungsausweis ist, zeigt sich im Vergleich mit dem Euro Stoxx Index. Der tat sich zuletzt zwar auch schwer. Doch immerhin fiel das Minus seit Mitte Oktober hier mit knapp 9 Prozent deutlich geringer aus. An der schwachen Bilanz des ASE General wird deutlich, wie sehr die Marktteilnehmer über die Finanzlage in Griechenland besorgt sind. Die Verunsicherung schlägt sich zudem in deutlich zugenommenen Handelsaktivitäten nieder. Im Januar stieg das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen im Jahresvergleich um 87 Prozent auf 230 Millionen Euro. Und in vergangenen Tagen wurden sogar Aktien im Wert von rund 280 Millionen Euro gehandelt. Das entspricht in etwa dem Tagesumsatz mit Aktien der Deutschen Bank oder der Allianz. Auffällig ist, dass die Ausländer, die knapp die Hälfte der griechischen Aktien besitzen, auf der Verkäuferseite standen, während sich die Griechen selbst überwiegend kauften. Dieses Anlageverhalten könnte ein Indiz dafür sein, dass die Inländer die Probleme gelassener einschätzen als die Ausländer. Wie groß deren Misstrauen ist, zeigt sich auch daran, dass Griechenland bei der Kapitalaufnahme mittlerweile doppelt so hohe Zinsen zahlen muss wie Deutschland. Wenig Vertrauen einflößend ist in diesem Zusammenhang auch, dass das Land seit seiner Unabhängigkeit im 19. Jahrhundert rund die Hälfte der Zeit im Staatsbankrott verbracht hat.
Zu Investitionen laden solche negativen Daten ebenso wenig ein wie die Korruption. In Deutschland interessiert sich kaum ein Anleger für Aktien aus Griechenland. Das Desinteresse führt per 30. März sogar zur Schließung des Berenberg-Hellas-Olympia-Fonds. Auch andere Länderprodukte, wie der Europartners Multi Investment Fund Greece Index Plus führen bei einem Volumen von nur wenigen Millionen Euro ein Schattendasein.
Griechische Aktien sehen zumindest optisch günstig aus
Durch die fehlende Nachfrage nach griechischen Aktien und die jüngsten Kursverluste ist die Börse in Athen inzwischen optisch gesehen aber günstig bewertet. So beziffert der Broker Alpha Finance das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den Markt auf Basis der Gewinne für 2009 auf 9. Mit einem Wert von 0,9 sind griechische Aktien im Schnitt zudem sogar unter Buchwert zu haben. Und auch die durchschnittliche Dividendenrendite von 4,3 Prozent klingt nicht uninteressant.
Allerdings spiegeln sich in diesen Bewertungsniveaus auch die Risiken. Derzeit ist nicht absehbar, wann das Land auf einen nachhaltigen Wachstumskurs einschwenken kann. Fehlende Dynamik ist auch ein Grund, warum Goldman Sachs die Einschätzung für griechische Bankaktien eben erst gesenkt hat, obwohl diese Branche bereits besonders stark unter die Räder gekommen war. "Das schwierige makroökonomische Umfeld zusammen mit höheren Kapitalkosten dürfte es den griechischen Bankaktien schwermachen, besser als die europäischen Konkurrenten abzuschneiden", sagt Analyst Heiner Luz. Ist diese Prognose richtig, wäre das auch eine Bürde für den Gesamtmarkt. Machen die Banktitel doch noch immer rund 40 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung aus.
Auch beim Broker Marfin Securities geht man davon aus, dass die schwierigen volkswirtschaftlichen Rahmendaten die Entwicklung der griechischen Börse noch eine ganze Weile lang bestimmen werden. Wer dennoch investieren will, dem raten sie dazu, sich auf defensive Werte mit einer geringen Abhängigkeit vom Heimatmarkt zu konzentrieren. Gegen ein Engagement spricht derzeit die Charttechnik. Zumindest hält Mary Ann Bartels von der Bank of America ein weiteres Abrutschen nicht für ausgeschlossen. Nach ihrer Einschätzung könnte der ASE General Index angesichts einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation in Verbund mit gebrochenen Unterstützungen sogar bis auf 1200 Punkte fallen.
Quo Vadis Euro
Ursula Renner (URzsh)
- 11.02.2010, 15:48 Uhr