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Europa Portugals Börse zählt zu den Nachzüglern

 ·  Während Portugals Staatsanleihen am Donnerstag weitere Kursverluste verzeichnen, verbucht die Börse des Landes Kursgewinne. Gegenüber kurzfristigen Spekulationen auf europäische Hilfsgelder stehen aber die ungelösten strukturellen Probleme.

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Während Portugals Staatsanleihen am Donnerstag nach dem Rücktritt des Ministerpräsidenten José Sócrates weitere Kursverluste verzeichnen und die Rendite zehnjähriger Papiere einen Rekordwert von 7,58 Prozent erreicht, verbucht die Börse des Landes Kursgewinne. Der Portugal PSI-20 Index liegt am Mittag mit einem Kursgewinn von einem Prozent bei 7.855 Zählern.

Die stärksten Kursgewinne verzeichnen die Papiere von Brisa Auto-Estradas de Portugal, dem private Autobahnunternehmen, mit Kursgewinnen von bis zu drei Prozent. Kursgewinne von mehr als einem Prozent verbuchen auch die Aktien der Bank BANIF, des Bauunternehmens Mota-Engil, der Portugal Telecom, der Sonaecom, der Banco Comercial Portugues, des Einzelhandelsunternehmens Sonae und der Banco BPI.

Kurzfristig führen Spekulationen auf Hilfe zu einem gewissen Auftrieb

Sie profitierten von den Spekulationen über nahende EU-Rettungshilfen für das hochverschuldete südeuropäische Land. Es sei kaum davon auszugehen, dass Portugal bis zu den Neuwahlen ohne fremde Hilfe auskommen werde, heißt es. Ministerpräsident José Sócrates war am Mittwochabend zurückgetreten, nachdem sein vor knapp zwei Wochen präsentiertes Sparpaket im Parlament in Lissabon durchgefallen war. Mit dem Programm sollte die Neuverschuldung in diesem Jahr auf 4,6 Prozent und bis ins Jahr 2013 auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes gedrückt werden.

Portugal hat ein strukturelles Problem. Die Wirtschaft des Landes ist im Verhältnis zum Ausgabeverhalten nicht dynamisch genug. Diese Kombination hat in den vergangenen Jahren zu einer zunehmenden Staatsverschuldung geführt. Sowohl Staatsdefizit als auch die staatliche Schuldenlast sind im Rahmen der Wirtschafts- und Finanzkrise förmlich explodiert und haben zu zunehmendem Misstrauen an den Finanzmärkten geführt.

Letztlich ist nicht unbedingt die Höhe der Staatsverschuldung ein Problem, sondern die Tendenz der Entwicklung, der nur wenig ausgeprägte Wille gegenzusteuern und vor allem auch der stark steigende Zins. Er führt zu einer zunehmenden Belastung des Haushaltes durch den gemeinen Schulddienst. Rasch kann das Verhältnis von Zinsaufwand zu Einnahmen außer Kontrolle geraten und eine Insolvenz unvermeidlich machen.

Langfristig bleiben die ungelösten strukturellen Probleme

Genau aus diesem Grund spekulieren die Märkte auf die Hilfe von der Europäischen Union. Das Scheitern der portugiesischen Regierung in Folge der fehlenden Zustimmung für weitere Sparmaßnahmen habe die Spekulationen angeheizt, dass Portugal eher früher als später Hilfe in Anspruch nehmen müsse. Schon beim Euro-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag stünden sehr wichtige Entscheidungen für die weitere Ausgestaltung der Hilfen an.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Portugal fielen verhalten aus. Im Januar schrumpfte die Industrieproduktion im Vergleich mit dem Vorjahr um 1,7 Prozent und die Einzelhandelsumsätze gingen um 5,3 Prozent zurück, während die Inflationsrate im Februar bei 3,5 Prozent lag und während die Produzentenpreise um 6,4 Prozent stiegen. Zusammen mit dem notwendigen Sparzwang lässt diese Entwicklung erklären, wieso der Index der portugiesischen Börse in den vergangenen Monaten deutlich hinter anderen wie etwa dem Dax zurückgeblieben ist.

Positive Ausnahmen bei der Kursentwicklung sind etwa die Aktien der Nahrungsmittelherstellers Jeronimo Martins, die inzwischen nicht mehr günstig sind. Allerdings kann das Unternehmen schon seit Jahren den Umsatz und neuerdings auch den Gewinn im Trend steigern. Ähnliches gilt für den Papierhersteller Portucel - Empresa Produtora de Pasta e Papel, dessen Papiere sogar noch sehr vernünftig bewertet sind. Die Papiere von Galp Energia profitieren vom Energie- und Rohstoffboom, während die Papiere der Portugal Telecom nur aufgrund einer robusten Ausschüttung bei hoher Dividendenrendite interessant ist.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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