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Widersprüchliche Lage : Das Ende der Euphorie an der Moskauer Börse

  • -Aktualisiert am

Händler an der Moskauer Börse Bild: AFP

Ausgerechnet als das Wirtschaftswachstum zurückkehrt, bricht die Rally am russischen Aktienmarkt ab. Vieles hängt von einem entscheidenden Faktor ab.

          Auch in Russland kann die Lage an der Börse widersprüchlich sein. Das Schwellenland findet allmählich aus der längsten Rezession seit der Wende heraus. Spätestens seit Ende 2016 wächst die Wirtschaft wieder. Doch insgesamt ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) vergangenes Jahr noch gesunken, und dennoch fuhr der Aktienindex MSCI Russia ein Plus von 49 Prozent ein. Der Vergleichsindex des Datenanbieters MSCI für alle Schwellenländer avancierte nur um 9 Prozent. Im neuen Jahr hat sich die Erholung des BIP fortgesetzt, aber dafür fiel der Start der Börse enttäuschend aus.

          Der Micex, Russlands Leitbarometer für die 50 wichtigsten, in Rubel notierten Aktien, hat seit Jahresbeginn knapp 9 Prozent verloren. Der RTS, das Pendant für jene Aktien, die auf Dollar lauten, büßte 4 Prozent ein. Prägend für die unterschiedliche Entwicklung beider Leitindizes ist der Währungsverlauf. Der Rubel, dessen Wert Ende 2014 kollabiert war, zeigt sich seit Anfang 2017 markant stärker. Für den Trend an der Moskauer Börse ist jedoch ein anderer Faktor entscheidend: der Erdölpreis. Seine Erholung im Jahr 2016 stützte die Aktienrallie, seine Stagnation setzte ihm im Januar ein Ende.

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          Abgestürzt sind die Indizes allerdings nicht: Der RTS liegt noch auf dem höchsten Niveau seit Herbst 2014; der Micex markierte kurz nach dem Jahreswechsel sogar ein Allzeithoch. Jedoch ist der russische Aktienmarkt nur zweimal in seiner Geschichte schlechter in ein neues Jahr gestartet, schreiben die Analysten der Bank VTB. In beiden Fällen habe die Börse dann auch im Rest des Jahres signifikant schlechter abgeschnitten als der internationale Durchschnitt. Investoren stehen nun vor der Frage, ob sie sich von der Historie abschrecken lassen oder die gefallenen Kurse zum Einstieg nutzen sollen. Das Verhältnis der Aktienkurse zum erwarteten Gewinn je Aktie ist nur etwa halb so hoch wie beim MSCI-Vergleichsindex für Schwellenländer.

          Russische Aktien sind notorisch unterbewertet

          Allerdings sind russische Aktien notorisch unterbewertet. Das letzte Mal waren sie im Jahr 2007 so teuer wie der internationale Vergleichsindex. Auch wer nicht auf weitere Kursavancen, sondern auf steigende Dividenden vertrauen will, hat Grund zur Vorsicht: Die Dividendenrendite liegt schon deutlich über dem Schwellenländer-Durchschnitt. Die Unternehmensgewinne haben trotz der sinkenden Wirtschaftsleistungen nicht gelitten, weil die russischen Unternehmen die Preise stark erhöhten.

          Die Gewinne kletterten 2016 nominal sogar auf Rekordstand. Ob sich das allerdings in weiterhin steigenden Ausschüttungen niederschlägt, bleibt abzuwarten. Sei es für den Kursverlauf, die relative Bewertung oder die Dividende: Ein entscheidender Faktor bleibt der Erdölpreis.

          Öl ist jedoch nicht gleich Öl. Russlands Referenzsorte heißt Urals, ihr Preis bewegt sich relativ im Einklang mit jenem der Nordseesorte Brent. Allerdings wird Urals in der Regel mit einem Abschlag verkauft, denn qualitativ ist Brent hochwertiger. Physisch gehandelt wurde die russische Sorte lange Zeit nur an ausländischen Börsen. Das änderte sich erst Ende 2016, als die Petersburger Rohstoffbörse Spimex, der größte Handelsplatz dieser Art in Russland, einen entsprechenden Terminkontrakt einführte. Ziel ist, einen „neuen Preismechanismus ohne direkten Bezug zu anderen Ölsorten“ zu etablieren.

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