20.10.2002 · Das irische Ja zum Vertrag von Nizza stößt die Tür für die EU-Osterweiterung weit auf. Den Börsen der Beitrittskandidaten winken dadurch Vorteile.
Der Weg für eine Erweiterung der Europäischen Union (EU) nach Osten ist frei: Die Iren haben in ihrem zweiten Referendum über den Vertrag von Nizza mit deutlicher Mehrheit für das Abkommen gestimmt. Das geht aus den Ergebnissen der Stimmenauszählung hervor.
Eine Zustimmung der Iren zum Nizza-Vertrag war deshalb wichtig, weil die darin enthaltenen Vorschriften dabei helfen sollen, die EU-Institutionen an die vergrößerte Mitgliederzahl anzupassen, damit die EU nicht handlungsunfähig wird. Nachdem diese nun gesichert erscheint, können die Kandidatenländern Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Litauen, Lettland, Estland, Slowenien, Malta und Zypern der EU vermutlich schon im Jahr 2004 beitreten.
Rentenmärkte profitieren vom Konvergenzprozess
Wegen der Annahme, dass die Volkswirtschaften der Beitrittsstaaten von der EU-Aufnahme profitieren werden, rechnen sich Experten positive Impulse für die dortigen Finanzmärkte aus. Die am Freitag den zweiten Tag in Folge gestiegenen Wechselkurse von tschechischer Krone, ungarischen Forint und und slowakischer Krone würden von Händlerseite mit der Hoffnung auf eine Ja der Iren zum Vertrag von Nizza begründet.
Eine Fortsetzung sollte nun auch der seit längerem in Gang befindliche Annäherungsprozess der Renditen an den dortigen Rentenmärkte an das Durchschnittsniveau in der EU erfahren. "Im Falle einer Zustimmung der Iren warten die Leute nur darauf, um investieren zu können," glaubt Jerome Booth, Fondsmanager bei Ashmore Investment Management. Und weiter: "Ein EU-Beitritt wäre für diese Länder eine sehr positive Sache und die Anleihenkurse sollten daher steigen."
Anleihen aus Bulgarien und Rumänien finden Gefallen
Der Renditeaufschlag polnischer Anleihen gegenüber ihren deutschen Pendants hat sich inzwischen auf 95 Basispunkte verringert. Diese geringer werdende Kluft führt dazu, dass sich viele Akteure am Rentenmarkt mittlerweile verstärkt Rumänien und Bulgarien zuwenden. "Ein Ja zu Nizza ist vor allem positiv für die Länder der bevorstehenden zweiten Beitrittswelle", glaubt Brett Diment, Fondsmanager bei der Deutsche Asset Management Group.
Diesen Ländern wirkt zwar frühestens im Jahr 2007 ein EU-Beitritt, doch dafür lassen sich hier deswegen auch noch höhere Renditeaufschläge kassieren. Im Falle Bulgariens beträgt der Risikaufschlag derzeit 330 Prozentpunkte und im Falle Rumäniens 346 Prozentpunkte. Einige renditehungrige Anleger können da natürlich nicht widerstehen.
Zumal sich das Risiko derzeit in der Tat zu verringern scheint. So hat die Ratingagentur Standard & Poor´s erst unlängst die Einstufung bulgarischer Auslandschulden um eine Stufe auf BB erhöht. Damit ist man zwar noch immer zwei Schritte von einem Investmentniveau entfernt. Doch immerhin wähnt Standard & Poor´s das Land mit Blick auf die fallenden Schulden und die wachsenden Exporte auf einem guten Weg.
Aktienmärkte noch mit Bewertungsabschlag
An den Aktienmärkten der Beitrittsländer, die zuletzt schon oft mit relativer Stärke glänzten, sollte sich die näherrückende EU-Aufnahme ebenfalls kurssstützend bemerkbar machen. Derzeit weisen noch immer viele dieser Märkte Bewertungsabschläge gegenüber den westeuropäischen Börsen auf. Mit der im Zuge einer Annäherung an die Standards in der EU abnehmenden Risikoprämie sollte es aber zu einer Annäherung bei den Bewertung kommen.
So sagt Fondsmanager Jürgen Kirsch, dessen Griffin Eastern European Fund seit Auflegung ein Plus von umgerechnet fast 36 Prozent brachte, osteuropäischen Aktien weiteres Kurspotenzial voraus (was er konkret empfiehlt, erfahren Sie am kommenden Dienstag ab 6.00 Uhr in einem von FAZ.NET-Investor geführten Interview mit Kirsch).
Interessante Depotbeimischung
Als Fazit bleibt damit festzuhalten, dass sich die osteuropäischen Finanzmärkte zur Depotbeimischung eignen. Den Märkten ist Dank der EU-Perspektive eine vergleichsweise gute Wertentwicklung zuzutrauen. Ob daraus aber auch unter dem Strich positive Ergebnisse herausspringen, hängt davon ab, ob die etablierten Märkte den Bärenmarkt, in dem sie stecken, beenden können. Im Falle eines Engagements im Osten ist außerdem zu beachten, dass auf dem Weg zur EU-Aufnahme noch immer viele Fallstricke lauern. Die Anlagen müssen deshalb bei neuen Entwicklungen immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |