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Escada Ein Ladenhüter

04.05.2009 ·  Der Modekonzern Escada kämpft ums Überleben. Gelingt die geplante Sanierung nicht, droht die Insolvenz. Auf dem Laufsteg Börse hat dies die Aktie längst ins Straucheln gebracht.

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Die vom neuen Escada-Chef Bruno Sälzer am vergangenen Dienstag an die Teilnehmer der Hauptversammlung gerichteten Warnungen waren unmissverständlich. Sollten die eingeleiteten Schritte zur Sanierung nicht bis Juli abgeschlossen sein, drohe dem Hersteller von Luxusdamenmode die Insolvenz. Dabei seien sowohl Aktionäre, Gläubiger und Bank gefordert ihren Beitrag zu leisten. Schon wenn eine Gruppe nicht mitmache, werde Escada nicht überleben.

Wie ernst die Lage ist, zeigt sich deutlich an dem im Vorjahr eingefahrenen Verlust von 70 Millionen Euro sowie dem gleichzeitig um 15 Prozent auf 582 Millionen Euro gefallenen Umsatz. Und natürlich an der Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor´s, die Kreditwürdigkeitsnote von „CCC+“ auf „CC“ zu senken.

Kollektionen kommen nicht mehr an

Ein Bild des Grauens liefert auch der Aktienkurs des SDax-Vertreters ab. Dieser ist ausgehend von einem am 1. Juni 2007 markierten Hoch von 38 Euro bis zum 24. März 2009 auf ein Rekordtief von 1,70 Euro gefallen. Trotz der schwierigen Lage hat sich die Notiz zuletzt wieder etwas erholt. Bei aktuell 2,58 Euro beträgt die Marktkapitalisierung aber weiterhin mickrige 54 Millionen Euro.

Angesichts der erlittenen Verluste ist eine Verärgerung der Aktionäre leicht nachvollziehbar. Zum Ausdruck kam deren Wut auf der Hauptversammlung in der Entscheidung, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern, da sie die Misere des Unternehmens nicht zuletzt auf Managementfehler zurückführen. Die bisherigen Restrukturierungsmaßnahmen haben jedenfalls nicht gegriffen. Die Kollektionen, denen ein eher altmodisches Image anhaftet, haben sich vielmehr zu regelrechten Ladenhütern entwickelt.

Nun versucht der seit Juli 2008 amtierende ehemalige Hugo Boss-Vorstand Sälzer mit einem weiteren Sanierungskonzept das Ruder herumzureißen. Sein Rettungsplan sieht eine Barkapitalerhöhung von rund 30 Millionen Euro vor. Zudem soll durch eine Umstrukturierung der 2010 fälligen Anleihe im Volumen von 200 Millionen Euro die Schuldenlast reduziert werden. Ferner verhandelt Escada mit den Banken über bestehende und neue Kredite.

Umsatz dürfte auch 2009 schrumpfen

Die Großaktionäre Wolfgang und Michael Herz wollen zwar unter bestimmten Bedingungen 20 Millionen Euro aus der angedachten Kapitalerhöhung übernehmen, der Plan steht aber trotzdem vermutlich auf des Messers Schneide. Denn viele Beteiligten werden sich fragen, ob bei Escada nach einem mehrjährigen Missmanagement überhaupt noch die Wende gelingen kann, zumal die Umbaumaßnahmen ausgerechnet auch noch in einer wirtschaftlich schwierigen Phase stattfinden, in der Luxusmarken ohnehin nicht den einfachsten Stand haben.

In den ersten drei Monate des laufenden Kalenderjahres (Stichtag Ende Oktober 2009) entwickelten sich die Geschäfte jedenfalls weiter negativ. Für das Gesamtjahr wird ein Rückgang der Konzernerlöse im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich prognostiziert.

Wetten auf Escada sehr spekulativ

Prekäre Konstellationen wie diese, die volatile Ausschläge versprechen, locken natürlich auch immer Spekulanten an. Es gibt etliche Derivate-Produkte, mit denen sich beide Kursrichtungen spielen lassen. Wer etwa an ein Gelingen der Sanierung glaubt, kann darauf beispielsweise mit einem von HSBC Trinkaus & Burkhardt emittierten Hebel-Bull-Open-End-Zertifikat (ISIN: DE000TB2YM98, 1,19 Euro, Knock-Out: 1,7527 Euro, Hebel: 2,62) auf eine Kurserholung wetten.

Für Pessimisten hat HSBC Trinkaus ein Hebel-Bear-Open-End-Zertifikat (Isin DE000TB2DTG2, 3,77 Euro, Knock-Out: 5,8096 Euro, Hebel: 0,81) im Bestand. Wegen dem derzeit noch völlig unsicher erscheinenden Ausgang der Sanierungsbemühungen gleichen Kursprognosen aber einem Roulettespiel. Folglich eignen sich beide Zertifikate nur für sehr risikobereite Investoren. Konservative Anleger lassen dagegen besser die Finger von Escada-Papieren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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