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Erwartungshausse Die Flut trägt auch die schwachen Boote nach oben

04.06.2009 ·  Nach dem Ausverkauf in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 setzte in den etablierten Märkten im März eine rasante Erholungsrally ein. Sie lässt sich einfach charakterisieren: „Die Flut trägt auch Boote mit den größten Lecks nach oben“.

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Nach dem Ausverkauf in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres setzte in den etablierten Märkten im März eine rasante Erholungsrally ein. Schaut man sich an, welche Werte in den vergangenen drei Monaten die größten Kursgewinne verzeichnet haben, so lässt sich diese mit einer alten Börsenweisheit charakterisieren: „Die Flut trägt auch Boote mit den größten Lecks nach oben“.

Die größten Kursgewinne verzeichnete mit einem Plus von etwas mehr als 400 Prozent die Aktie von Infineon. Von einer soliden Entwicklung kann hier wohl keine Rede seine.

Infineon konnte operativ noch nie überzeugen

Das Unternehmen steht operativ schon seit Jahren mit dem Rücken zur Wand. In den vergangenen Quartalen sind die Umsätze kräftig geschrumpft, während die Ertragslage bei angespannter Finanzlage weiter schwach blieb. Das Erreichen der Gewinnschwelle ist nicht absehbar. Die Aktie zählte lange zu den schwächsten im Dax, bevor sie sogar hinausfiel.

Auch der Branchenausblick ist nicht gerade ermutigend. Denn eine Prognose des WSTS (World Semiconductor Trade Statistics) geht davon aus, dass die Umsätze mit Halbleitern im laufenden Jahr voraussichtlich aufgrund einer schwachen Weltkonjunktur gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent auf 195 Milliarden Dollar fallen werden. Im kommenden Jahr 2010 könnten sie ausgehend von der tiefen Basis um etwa 7 Prozent auf 209 Milliarden Dollar zunehmen.

Beim zweitbesten Wert der vergangenen Monate, der Aktie der Francotyp-Postalia Holding - sie legte knapp 300 Prozent zu - sieht die Lage nicht besser aus. Die operative Entwicklung ist schwach, die Ertragslage aussichtslos und das Unternehmen ist stark verschuldet. Ähnliches gilt für die ProSiebenSat.1 Media AG, die SAF-Holland SA, die massiv verschuldet ist, und nicht zuletzt auch für die Plasma-Select AG, C.A.T. Oil, Go Yellow Media oder Valor Computerized Systems. Das hinderte Anleger jedoch nicht daran, die Kurse der Anteilsscheine deutlich nach oben zu treiben.

Der Aktienkurs der Deutschen Bank entwickelt sich gut, aber wie sieht es mit der „Bilanzwahrheit“ aus?

Auf Rang zwölf der besten Aktien liegen die Papiere der Deutschen Bank mit einem Kursgewinn von 134 Prozent. Hier ist die Unternehmenssubstanz mit Sicherheit deutlich größer als bei den übrigen Werten. Allerdings stellt sich bei Finanzwerten die Frage, wie stark die Ertragszahlen durch Bilanzierungswahlrechte und - freiheiten geschönt werden können und welche Restrisiken angesichts der andauernden Immobilienkrise weltweit und des zunehmenden Abschreibungsbedarfs angesichts der Wirtschaftskrise noch in der Bilanz schlummern.

Das optimistische Umfeld lässt harte Fakten zwar phasenweise in den Hintergrund treten und möglicherweise die Kurse vieler Aktien weiter nach oben laufen. Sollten sich die Erwartungen jedoch normalisieren, sind deutliche Rückschläge bei solchen Papieren aber um so wahrscheinlicher. Absicherungsstrategien drängen sich bei solchen Werten förmlich auf.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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