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Ernährung Aktie von Nestlé erreicht neues Allzeithoch

15.08.2007 ·  Nestlé hat sehr gute Zahlen vorgelegt und will Aktien zurückkaufen. Die Anleger freute es. Am Mittwoch kletterte der Aktienkurs um elf Prozent und erreichte ein neues Allzeithoch. Besser noch: Die Party könnte weitergehen.

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An den europäischen Aktienmärkten dominierten am Mittwoch die Minuszeichen. Ob der britische Index FTSE 100, der französische CAC 40, der italienische MIB 30, überall tendierten die Kurse nach unten. Nur in der Schweiz war alles anders. Dort legte der SMI-Index zu. Schuld daran war - 20 von 25 Werten gingen auch in Zürich auf Talfahrt - vor allem eine Aktie: die von Nestlé.

Der Kurs des weltweit größten Nahrungsmittelkonzerns (Nescafé, Maggi, Buitoni, After Eight, Vittel, Alete) kletterte um knapp elf Prozent. Das ist schon eine kleine Sensation, bildet Nestlé mit einer Marktkapitalisierung von 194,37 Milliarden Franken und einem Anteil von 18,5 Prozent doch das absolute Aktien-Schwergewicht im Schweizer Index. Um die Notierung eines solchen Papiers um mehr als ein Zehntel nach oben zu bewegen, müssen die Käufer quasi Schlange stehen.

Good Food, good life, good share

Das taten sie. „Good Food, Good Life“, lautet der Werbeslogan von Nestlé; jetzt könnte das Unternehmen noch hinzufügen: good share. Die Aktie erreichte mit gut 500 Franken im Tagesverlauf ein neues Allzeithoch. Damit hat sich der Kurs seit Anfang 2005, mit zwei kleinen Ausrutschern, praktisch beständig nach oben gearbeitet.

Ein Teil des Aufschwungs gehe auf das Konto technischer Käufer, mutmaßten Beobachter. Professionelle Investoren drückten Nestlé als schweren Wert nach oben, um mit Blick auf auslaufende Terminhandelsgeschäfte auf der richtigen Seite zu stehen, hieß es. Doch unabhängig davon versetzten sehr gute Geschäftszahlen, ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm und euphorische Analysten die Börsianer in Kauflaune.

Die Preismacht des Weltmarktführers

Ein boomendes Geschäft in Asien und Amerika führte im ersten Halbjahr zu einem Gewinnsprung. Nestlé gelang es, steigende Preise für wichtige Rohstoffe wie Kaffee oder Getreide gut wegzustecken. So stieg der Reingewinn im ersten Halbjahr 2007 um 18,4 Prozent auf 4,92 Milliarden Franken. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 4,59 Milliarden Franken gerechnet. Der Umsatz kletterte um 8,4 Prozent auf 51,1 Milliarden Franken. Damit könnte der Nahrungsmittelkonzern 2007 zum ersten Mal in seiner 140-jährigen Geschichte die Umsatzmarke von 100 Milliarden Franken knacken.

Den steigenden Weltmarktpreisen für landwirtschaftliche Erzeugnisse konnte sich auch Nestle nicht entziehen, doch wurden sie mit Kostensenkungen und Preiserhöhungen bisher mehr als wettgemacht. Dank seiner starken Marken verfügt der Weltmarktführer über eine enorme Preismacht. Er setzte Verkaufspreise schon hoch, bevor Milch, Zucker und Weizen teurer wurden. Dies ließ die Betriebsgewinn-Marge (Ebit) um 0,6 Prozent auf 13,5 Prozent anschwellen.

Für das Gesamtjahr rechnet das Veveyer Unternehmen nun mit noch besseren Geschäftszahlen als bisher angekündigt. Zuletzt hatte Nestlé ein Wachstum über das Jahr von fünf bis sechs Prozent prognostiziert.

„Kein Grund, Nestlé zu verschmähen“

Sehr gut kam bei den Anlegern auch an, dass Nestlé eigene Aktien im Wert von 25 Milliarden Franken über einen Zeitraum von drei Jahren zurückkaufen will. Eine solche Maßnahme unterstützt üblicherweise den Kurs der betroffenen Unternehmen. Das Volumen entspricht etwa 14 Prozent der Marktkapitalisierung des Konzerns. Das Vorhaben spiegele die starke finanzielle Position und den günstigen Ausblick für das eigene Lebensmittelgeschäft wider, erklärte Nestle. Auch Konkurrent Procter & Gamble hatte einen Aktienrückkauf im Wert von 20 bis 30 Milliarden Dollar angekündigt.

Analysten lobten das Halbjahresergebnis überschwenglich. „Das Resultat fiel deutlich über unseren Erwartungen aus“, schrieb die Bank Vontobel. „Nestle so gut wie noch nie“, hieß es in einem anderem Bankenkommentar. „Es gibt keinen einleuchtenden Grund, Nestlé zu verschmähen“, fand die Bank Wegelin.

Besser als die Konkurrenz

Wirklich? Fakt ist: Die Nestlé-Aktie hat im laufenden Jahr eine deutlich bessere Entwicklung hingelegt als die Konkurrenz. Der niederländische Rivale Unilever (Magnum Eis) beschied sich mit einem Plus von rund vier Prozent. Die Titel von Kraft Foods (Philadelphia-Käse) gaben sogar neun Prozent nach.

Jetzt, mit einem Kurs bei 500 Franken und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 17, scheint Nestlé kein echtes Schnäppchen mehr zu sein. Doch Börsianer verweisen darauf, dass das verbesserte Wachstumsprofil und die zunehmende Aktionärsfreundlichkeit im Aktienkurs zu wenig berücksichtigt seien. Zudem zählt Nestlé zu den Werten, die von der gegenwärtigen unsicheren Börsenlage besonders profitieren. Getreu dem Motto „Gegessen und getrunken wird immer“ zählen Nahrungsmitteltitel zu den weniger konjunkturabhängigen defensiven Werten, und die sind an den Börsen derzeit gesucht.

So sehen Analysten Kurse von 550 bis 600 Franken durchaus im Bereich des Möglichen. Das entspräche einem Zuwachs von weiteren zehn bis 20 Prozent.

Die Nachfolge bleibt ungeklärt

Börsianer sehen die gute Entwicklung maßgeblich als Verdienst von Vorstandschef Peter Brabeck-Letmathe, der sich voraussichtlich 2008 auf seine Funktion als Chairman konzentrieren will. Keine Hinweise gab es am Mittwoch darauf, wer nach ihm den Konzern führen wird. Der derzeitige Finanzvorstand Paul Polman wird in der Branche als Favorit für Brabecks Nachfolge gesehen. Auf jeden Fall finde der Nachfolger ein Schiff vor, das sich auf dem richtigen Kurs befinde, formulierte ein Analyst.

Brabeck wird es gefreut haben. Er ist keiner, der es allen recht machen will. „An Genprodukten ist noch keiner gestorben, an Bioprodukten schon“, polterte er jüngst in einem Interview, um die Gentechnologie zu verteidigen. Und setzte gleich noch einen drauf: „Wenn wir alles der Natur überlassen, sind wir bald nicht mehr hier.“ Der Mann ist nicht dafür bekannt, die Bio-Anhänger zu erfreuen. Die Börsianer schon eher.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @tih
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