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Erfolgreiche zweite Reihe : Der M-Dax lässt den Dax weit hinter sich

Auch der kleine Bulle spielt an der Börse groß auf. Bild: dpa

Deutsche Nebenwerte haben sich in den vergangenen 30 Jahren doppelt so gut entwickelt wie der Dax. Kleinanleger haben hier sogar bessere Chancen als die Großen.

          Der vielbeachtete Leitindex in Deutschland ist der Dax. Die eigentliche Musik aber spielt schon lange im M-Dax. Rückgerechnet auf Ende 1987, sind beide Indizes mit 1000 Punkten gestartet. Der Dax hat es seither immerhin auf stolze 12.615 Punkte gebracht und damit auf eine jährliche Rendite von 9 Prozent – inklusive Dividenden und vor Steuern.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Die schöne Bilanz verblasst jedoch, wenn der M-Dax zum Vergleich herangezogen wird. Jener Index mit den 50 größten Industriewerten unterhalb des Dax ist seither auf den doppelten Wert gestiegen und hat diese Woche mit knapp 25.300 Punkten anders als der Dax auch wieder einen neuen Rekord aufgestellt. 11,6 Prozent ergeben sich hier als durchschnittliche jährliche Rendite. Den M-Dax selbst gibt es erst seit 1996. Zunächst mit 70 Werten und in seiner heutigen Form mit 50 Werten seit 2003. Er lässt sich aber zurückrechnen. Seinen Vorsprung hat der M-Dax aber vor allem seit 2003 herausgearbeitet. Vorher lag der Dax sogar vorne.

          Doch wie kommt es seither zu dieser weitaus besseren Entwicklung als in der Königsklasse der Deutschen Börse, dem Dax? „Die M-Dax-Unternehmen haben eine sehr hohe Gewinndynamik, die seit vielen Jahren viel besser ist als im Dax“, sagt Uwe Streich, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

          „Die Unternehmen sind kleiner, haben aber spezifischere Geschäftsfelder und können dort als Weltmarktführer oft höhere Margen erwirtschaften als die breit aufgestellten Großkonzerne im Dax.“ Zudem gibt es im M-Dax eine größere Übernahmephantasie. „Die großen Dax-Unternehmen sind oft zu groß, um übernommen zu werden, im M-Dax sehen wir aber viele Übernahmen, die meist mit Kursaufschlägen von 20 oder 30 Prozent verbunden sind“, sagt Streich.

          Stabilisierung durch Abstieg in den M-Dax

          Petra von Kerssenbrock, Index- und technische Analystin der Commerzbank, verweist zudem auf die Branchenzusammensetzung. „Der Dax wird seit Jahren von Banken, Versicherern und Versorgern belastet, zuletzt auch von den Autoaktien“, sagt von Kerssenbrock. „Diese Branchen spielen im M-Dax keine so große Rolle. Hier sind eher für Deutschland so wichtige Branchen wie der Maschinenbau stark vertreten.“ Dies sieht auch Björn Glück so, Fondsmanager für deutsche Nebenwerte von Lupus alpha: „Der M-Dax spiegelt die mittelständisch geprägte deutsche Wirtschaft besser wider als der Dax.“

          Auch in der Indexsystematik werden Vorteile für den M-Dax gesehen. „Um in den Dax zu kommen, durchläuft eine Aktie oft eine jahrelange überdurchschnittlich gute Entwicklung im M-Dax“, sagt von Kerssenbrock. Zudem muss die Aktie nicht nur einen ausreichend hohen Börsenwert aufweisen. Ginge es danach, wäre Airbus längst im Dax. Als zweite Bedingung muss aber auch noch der über ein Jahr kumulierte Handelsumsatz der Aktien sehr rege sein.

          Selbst große M-Dax-Werte wie Deutsche Wohnen, die längst einen höheren Börsenwert haben als Lufthansa oder RWE, verbleiben daher mit ihrer teils starken Kursentwicklung oft lange im M-Dax und verhelfen ihm zu Kursgewinnen, bevor ein Dax-Aufstieg gelingt. „Ist dann der Aufstieg geschafft, ist die Luft oft erst einmal raus, und im Dax spielt die Aktie dann im hinteren Drittel des Index“, hat von Kerssenbrock beobachtet. Umgekehrt haben die Absteiger aus dem Dax oft eine jahrelange Schwächephase der Aktie hinter sich, die den Dax-Verlauf belastet. Nach dem Abstieg in den M-Dax kommt es dann oft zu einer Stabilisierung.

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