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Energiewerte Eher auf Öl- als auf Gasunternehmen setzen

23.03.2010 ·  Anleger sollten sich beim Kauf von Aktien eher an die Unternehmen halten, die mit Rohöl als mit Erdgas zu tun haben, erklären Experten. Sie würden sich vor allem auch vom Raffineriegeschäft fernhalten, denn die Raffinationsmargen sind sehr gering.

Von David Bogoslaw
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Die Diskrepanz zwischen niedrigen - oder sogar fallenden - Erdgaspreisen in Nordamerika und stabilen Ölpreisen wird größer. Einige Energieanalysten sind davon überzeugt, dass die Ölpreise erheblich aufgeblasen sind und trotz der derzeitigen bescheidenen wirtschaftlichen Erholung mehr durch Spekulationen als tatsächliche Nachfrage in die Höhe getrieben werden.

Der generische Terminkontrakt für Rohöl der Sorte West Texas Intermediate an der New York Mercantile Exchange (NYMEX) sank nach dem Hoch von 83 Dollar am 12. März zwischenzeitlich auf bis zu 78,60 Dollar, erholte sich aber rasch und liegt am Dienstag bei 81,68 Dollar je Barrel. Einige Analysten halten einen Preis zwischen 50 und 55 Dollar je Barrel eher für gerechtfertigt. Der amerikanische Referenzpreis für Erdgas, der so genannte Henry Hub, lag am Dienstag bei 4,12 Dollar pro Million British Thermal Units (Btu), und lag damit unter dem Preis von 4,75 Dollar vor drei Wochen. Die Analysten glauben, dass der amerikanische Erdgaspreis aufgrund eines Überangebots für mindestens zwei Jahre nicht in die Gleichgewichtsspanne von 5 bis 7 Dollar zurückkehren wird.

Nicht jeder ist der Meinung, dass die Ölpreise überzogen sind. Tim Parker, Energieanalyst bei T. Rowe Price, räumt ein, dass die Spekulation zwar den Ölpreis beeinflusst. Er meint jedoch, dass Spekulation mehr mit der Geschwindigkeit der Preisbewegungen zu tun hat als mit ihrer Höhe: Sie bringt die Preise dazu, sich schneller in die Richtung nach oben oder unten zu bewegen, in die sie ohnehin schon gingen. Parker prophezeit, dass die Ölpreise im Laufe des Jahres 2011 für mehr als einen Tag gut über 100 Dollar pro Barrel liegen werden, sobald klar wird, dass es nicht so viele freie Produktionskapazitäten gibt wie derzeit angenommen.

Vorstoß in Richtung Energieeffizienz

Rehan Rashid, Top-Analyst für Energie- und Rohstoffquellen bei FBR Capital Markets, hält die derzeitige Preisspanne der Terminkontrakte über 12 Monate an der NYMEX von 75 bis 80 Dollar je Barrel für völlig in Ordnung. Aber sogar Rashid meint, dass die wirtschaftliche Erholung, weniger energieintensiv sein wird als vorherige, wenn sie so eintritt wie erwartet. Baugewerbe und Produktionswirtschaft, zwei sehr energieintensive Branchen, werden in Amerika nicht der Motor des Aufschwungs sein, da beide unter Überkapazitäten leiden, sagt Rashid. Die wachsende Nachfrage nach Energie wird auch durch Energieeffizienzanstrengungen von Regierungen und Privatwirtschaft gedrosselt, fügt er hinzu.

Zwar fing der jährliche Ölverbrauch in den entwickelten Ländern 2005 an zu sinken, als der Umweltschutz ein größeres Thema wurde, sagt Parker von T. Rowe Price. Aber ungefähr die Hälfte des weltweiten Ölverbrauchs machen Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien aus, wo die Nachfrage auch weiterhin steigen wird, meint er. Auch wenn die weltweite Nachfrage nach Öl nicht so stark steigen wird wie von der Mitte der 70er bis 2005, gibt es immer noch kein ausreichendes Angebot, um ein weiteres Steigen der Preise von 2011 bis 2013 zu verhindern. Denn für diesen Zeitraum sind nur wenige neue Erkundungsprojekte geplant. Bei großen Projekten wie einigen in Brasilien ist ein Beginn der Produktion erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts vorgesehen.

Anleger auf der Jagd nach Unternehmen mit mehr Ertragspotential sollten besser Aktien öl-orientierter als erdgasorientierter Produzenten kaufen. Firmen, die in beiden Bereichen aktiv sind, wie Exxon Mobil und Chevron sind genau das Richtige. Man sollte aber vorsichtig sein, wenn Raffinerien und Vertrieb eine zu große Rolle spielen. Die wirtschaftliche Situation im Raffineriegeschäft ist laut Pavel Molchanov, Experte für integrierte Öl- und Gasproduzenten Raymond James, „einfach entsetzlich“. Die Raffinationsmargen sind aufgrund niedriger Nachfrage für Treibstoffe in der Industrie und im Transportwesen und weltweit überschüssiger Raffinationskapazitäten auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren gefallen. Molchanov erwartet einen durchschnittlichen Ölpreis von 80 Dollar je Barrel in 2010 und 95 Dollar in 2011.

Veräußerung von Raffinerien

Integrierte Unternehmen versuchen mehr in die Erkundung und Entwicklung zu investieren und schließen oder veräußern gleichzeitig Raffinerien und Tankstellen, oft mit drastischen Preisnachlässen. Valero Energy und Royal Dutch Shell schließen beide derzeit eine Produktionsanlage, während Chevron versucht, seine Raffinerie in Pembroke, Großbritannien, zu verkaufen.

Molchanovs derzeitige Favoriten sind Chevron und Hess, die beide wenig Raffineriekapazität haben. Ein Wert, den er für aufschlussreich hält, ist das Verhältnis verfügbarer Reserven zur Raffinationskapazität eines Unternehmens. „Je höher die Zahl, desto besser“, sagt er. „Chevron liegt bei 5,2 Prozent und Hess bei 4,5 Prozent. Im Vergleich dazu liegt Marathon Oil, die sehr auf Raffination ausgerichtet ist, bei 1,4 Prozent.“

Ein weiterer nützlicher Wert ist der Anteil der gesamten verfügbaren Reserven eines Unternehmens, der aus dessen nordamerikanischen Erdgasvorräten stammt. Denn dieser Wert besagt, welche Unternehmen am wenigsten auf Gas ausgerichtet sind. Amerikanisches Erdgas macht derzeit etwa 4 Prozent der weltweit verfügbaren Reserven von Chevron und Hess aus. Das andere Extrem ist ConocoPhillips mit 21 Prozent der verfügbaren Reserven aus nordamerikanischem Erdgas. Die übermäßige Verschuldung, die sich Conoco mit dem Kauf von Burlington Resources 2006 aufgeladen hat, macht diese Aktie in Molchanovs Augen zu einer schlechten Wahl.

Erschließung von Ölfeldern

Bei unabhängigen Unternehmen für Erschließung und Produktion hat Nicholas Pope, Analyst bei Dahlman Rose, Denbury Resources in seinem Bericht vom 9. März von „Halten“ auf „Kaufen“ heraufgesetzt. Als Grund führt er die größere Klarheit durch die günstigen Auswirkungen des voraussichtlich Anfang April abgeschlossenen 3,25 Milliarden Dollar Kaufs der Encore Acquisition an. Dieses Unternehmen erschließt Öl- und Gasfelder in den Rockies, Texas und Oklahoma. Ein weiterer Grund ist laut Pope das verbesserte Produktionswachstum des durch den Zusammenschluss entstehenden Unternehmens. Mit 76 Prozent seiner Produktion im Bereich Öl wird das durch den Zusammenschluss entstehende Unternehmen eines der „öligsten“ amerikanischen Erkundungs- und Produktionsunternehmen sein, so der Bericht.

Unter den unabhängigen mit Öl handelnden amerikanischen Produzenten zieht Parker Concho Resources Denbury vor, und nennt Conchos „reproduzierbares“ Produktionswachstum als Grund. Während Denbury seine Felder zwar mit CO2 fluten kann, um so den letzten Tropfen Öl herauszupressen, könnten seine Ölfelder langfristig doch zu unregelmäßigem Wachstums führen. Anleger sollten auch gegenüber möglichen Eingliederungsproblemen nach der Übernahme von Encore wachsam sein, warnt er.

„Ich bevorzuge derzeit Concho, weil ich für mindestens die nächsten paar Jahre ein 20-prozentiges oder höheres [Produktions-] Wachstum sehe“, sagt er. „Und das sind schlaue Anleger da unten im Permbecken“, einem Gebiet mit hohem Ölaufkommen, das den Westen Texas und den Südosten New Mexicos umfasst.

Spielereien mit Oilfield Services

Parker betrachtet Hess und Nexen als satte Value-Plays. Keines der beiden Unternehmen erhöht jedes Jahr seine Produktion stark und jedes von ihnen kann zu einer recht niedrigen Bewertung gekauft werden, die bei steigenden Ölpreisen attraktiver wird.

Das Spiel mit Erdgas sollte den Experten überlassen werden, die Unternehmen mit den kostengünstigsten, effizientesten Produktionsverfahren identifizieren können, sagt Parker. Das sind diejenigen, die im langfristig niedrigpreisigen Umfeld am besten abschneiden werden.

Große Unternehmen für Oilfield Services wie Schlumberger, Halliburton und Baker Hughes sind jetzt sinnvoll, denn die Erschließungen vom desaströsen Stand Ende 2008 und Anfang 2009 erholen sich wieder, sagt Parker. Eine große Anzahl neuer Projekte bis Ende 2010 wird auch Chancen bieten für McDermott International, die Plattformen zur Offshore-Förderung bauen, da Vorkommen in Tiefen von 3000 Metern und mehr weiterhin die besten Ölquellen darstellen werden. Tiefwasserfunde werden auch für FMC Technologies und Cameron International von Nutzen sein, sagt er. Beide sind Hersteller von Subsea-Ausrüstungen, die die Beförderung von Öl an die Meeresoberfläche effizienter mache.

David Bogoslaw ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: BusinessWeek Online
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