28.08.2007 · Die Energie der Meereswellen ist berechenbarer als Wind- oder Sonnenenergie; ihre Nutzbarmachung wird unter Einsatz verschiedener Techniken international getestet.
Von Vaughan ScullyDie Kraft von Meereswellen ist gewaltig: große Boote können sie selbst bei mildem Wetter zum Kentern bringen, als seien sie bloßes Badewannenspielzeug, während sie bei Stürmen küstennahe Gebäude zerschmettern. Vor dem Hintergrund steigender Ölpreise und zunehmender Sorgen über die Auswirkungen der Verbrennung fossiler Brennstoffe auf die Umwelt wächst das Interesse von Unternehmen an der Energie dieser massiven Wasserwälle, um damit einen Teil des stetig ansteigenden Strombedarfs zu decken.
Zwar arbeiten Unternehmen bereits an der Nutzbarmachung der Wellenenergie, ihre Technologien bleiben bislang allerdings hinter jenen der Anlagen für die Gewinnung von Wind- und Sonnenenergie zurück. Sie ziehen nach und nach das Interesse großer Stromversorger und Industrieanlagenhersteller auf sich, die darauf spekulieren, von der Wellenenergie zu profitieren, sobald sie kommerziell verwertbar geworden ist.
Bojen, Seeschlangen und oszillierende Wassersäulen
Im Februar kündigte der amerikanische Versorger Pacific Gas & Electric die Prüfung der kommerziellen Durchführbarkeit von zwei Wellenenergieanlagen an der Nordküste Kaliforniens an. Nach Angaben von PG&E werde die Technik von mindestens drei renommierten Wellenenergieanlagenherstellern - Ocean Power Technologies, Finavera Renewables und Ocean Power Delivery - ausgewertet. Daneben sind auch die Unternehmen Oceanlinx und Wavegen aktiv in Wellenenergieprojekten involviert.
Wellenenergie ist deutlich berechenbarer als Wind- oder Sonnenenergie: Wellenmuster lassen sich drei Tage im Voraus präzise bestimmen. Aufgrund der hohen Konzentration der Wellenenergie sind darüber hinaus das Landschaftsbild beeinträchtigende Großanlagen nicht erforderlich. Ein Nachteil der Wellenenergie besteht in der Tatsache, dass bislang noch nicht bekannt ist, ob die Anlagen zu deren Nutzbarmachung den rauen Bedingungen jener Orte standhalten können, an denen die Wellenenergie am stärksten ist.
Ocean Power Technologies hat eine Anlage namens Power-Buoy entwickelt und patentiert. Hierbei handelt es sich um eine am Meeresboden verankerte Boje, die sich gemeinsam mit den Wellen auf und ab bewegt und dabei einen Zylinder antreibt, der mit einem Generator verbunden ist. Der Versorger Iberdrola beauftragte das Unternehmen mit dem Bau eines kleinen Wellenenergiekraftwerks in der Nähe des spanischen Küstenorts Santoña und führt Gespräche mit dem Mineralölunternehmen Total über ein weiteres Wellenenergieprojekt vor der französischen Küste. Ocean Power Technologies arbeitet ferner an Projekten in England, Schottland, Hawaii und im amerikanischen Bundesstaat Oregon.
Geldgeber mit tiefen Taschen
Ocean Power Delivery befindet sich in Privathand, wird jedoch von Geldgebern mit tiefen Taschen unterstützt, wozu auch General Electric und der norwegische Ölriese Norsk Hydro zählen. Das Unternehmen stellt eine Offshore-Anlage mit dem Namen „Pelamis“ (griechisch für „Seeschlange“) her. Diese Anlage windet sich schlangenähnlich auf der Meeresoberfläche, was durch Scharniergelenke zwischen einzelnen Stahlrohrsegmenten ermöglicht wird.
Der Wellengang führt zu Ausweichbewegungen der Gelenke, an denen Pumpen angebracht sind, die Hydrauliköl unter Druck setzen und einen Generator antreiben. Das Flaggschiffprojekt des Unternehmens ist ein Park von Wellenenergieanlagen in der Nähe der portugiesischen Küstenstadt Aguçadoura. In Kooperation mit einer Unternehmenseinheit des spanischen Versorgers Endesa soll dieser Anlagenpark bis Ende 2007 in ein vollwertig kommerziell nutzbares Elektrizitätskraftwerk ausgebaut werden. Die Nutzungsmöglichkeiten der „Seeschlange“ werden auch vom Ölkonzern Chevron untersucht, der den Bau eines Wellenenergiekraftwerks vor der nordkalifornischen Küste beabsichtigt.
Zahlreiche Pilotprojekte
Wavegen ist eine Geschäftseinheit von Voith Siemens Hydro Power Generation, einem Gemeinschaftsunternehmen von Voith und Siemens. Der üblicherweise an der Küste und nicht auf hoher See installierte Anlagentyp von Wavegen nutzt die Technik der oszillierenden Wassersäule zur Umwandlung von Wellenenergie in Strom. Meereswellen heben und senken den Wasserspiegel in einer Kammer, wodurch Luftströmungen erzeugt werden, die eine Turbine in der oberen Öffnung der Kammer antreiben. Während eine kleine Anlage bereits mit dem schottischen Stromnetz verbunden ist, arbeitet das Unternehmen an einem weiteren Projekt in Nordspanien.
Finavera Renewables betreibt Projekte unter Einsatz von Bojentechnologie in den amerikanischen Bundesstaaten Oregon und Washington, in Portugal, Kanada und Südafrika. Vorbeiziehende Wellen erzeugen eine Auf- und Abwärtsbewegung einer Boje, durch die ein Kolben in einem Beschleunigungsrohr unterhalb der Boje Meerwasser unter Druck setzt und eine Turbine antreibt.
Das australische Untenehmen Oceanlinx bedient sich der Technik der oszillierenden Wassersäule und wird vom größten deutschen Energieversorger RWE als Investor unterstützt. Das Unternehmen unterhält mehrere Projekte in Australien und den Vereinigten Staaten, aber auch in Südafrika, Mexiko und Großbritannien.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |