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Energieaktien Exxon sorgt für Phantasie im Gasmarkt

14.12.2009 ·  Mit dem Angebot von Exxon, den kleineren Erdgaskonzern XTO für insgesamt 41 Milliarden Dollar in Aktien kaufen zu wollen, erhalten die Werte der Branche Übernahmephantasie. Öl- und Gaspreis konvergieren an den amerikanischen Terminbörsen.

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Mit dem Angebot des Energieriesen Exxon, den kleineren Erdgaskonzern XTO für insgesamt 41 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen, kommt Bewegung in den Energiemarkt. Der Kaufpreis werde in Aktien gezahlt und beinhalte XTO-Schulden über zehn Milliarden Dollar, erklärte Exxon am Montag. Der Zusammenschluss solle im zweiten Quartal 2010 abgeschlossen werden.

Die Exxon-Aktien verlieren daraufhin im amerikanischen Handel etwas mehr als vier Prozent auf zuletzt 69,80 Dollar, während die Papiere von XTO Energy mit einem Plus von etwas mehr als 15 Prozent bei 47,84 Dollar liegen. Der Markt scheint also die Transaktion nicht sonderlich positiv zu sehen.

Exxon wettet mit der Übernahme auf steigende Gaspreise

Tatsächlich gibt es verschiedene skeptische Stimmen. Tom Schrader von Stifel Nicolaus Capital Markets zum Beispiel nannte die Übernahme eine mutige Wette von Exxon auf die Zukunft von Erdgas, das derzeit so wenig koste wie selten zuvor. Fadel Gheit von Oppenheimer & Co fügte hinzu, dass Exxon noch nie zu viel für eine Übernahme gezahlt habe. Für jede XTO-Aktie zahlt Exxon 0,7098 eigene Aktien. Dies entspricht einem Aufschlag von rund 25 Prozent auf den XTO-Schlusskurs vom Freitag. XTO ist einer der führenden Entwickler von unkonventionellen Erdgasen, die bei der Energieversorgung der Vereinigten Staaten möglicherweise eine wachsende Rolle spielen werden.

Gemäß einer Analyse von Radios aus London kann Exxon die Akquisition vollständig aus dem Bestand eigener Treasury-Aktien darstellen, die das Ergebnis der großen Rückkaufprogramme der vergangenen Jahre sind. Es wird kein Cash eingesetzt und es werden keine neuen Schulden gemacht. Exxon bleibt also voraussichtlich nettoschuldenfrei. Von mehr als 3.000 Millionen Treasury-Aktien im Gegenwert von über 200 Milliarden Dollar - das entspricht fast 60 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung von Exxon - benötigt Exxon lediglich 437 Millionen Aktien. Daher bleiben 2.563 Millionen Treasury Aktien für weiter Zukäufe zur Verfügung. Synergien können jedoch nicht unmittelbar angenommen werden. Die Transaktion sei mehr oder weniger neutral für die Entwicklung des Gewinns je Aktie, so Franz Isselstein von Radios.

Die Nachricht heizte die Fusionsfantasie in dem gesamten Sektor an und gab den entsprechenden Aktien einen gehörigen Schub. Die Aktien von Cabot Oil & Gas legen um neun Prozent zu, die Papiere von Range Resources um 8,4 Prozent, die Aktien der Southwestern Energy Company um 7,2 Prozent, die von Chesapeake Energy um 6,5 Prozent, die von EOG Resources um 6,3 Prozent, die von Pioneer Natural Resources um 5,7 Prozent und jene der Devon Energy um 5,3 Prozent.

Diese Kursentwicklung deutet darauf hin, dass der Markt nun mit weiteren Aktivitäten in diesem Bereich rechnet. Dafür gibt es verschiedene Begründungen. Erstens ist es angesichts der Schwierigkeiten, neue Öl- und Gasvorkommen und angesichts steigender Kosten sicherer und möglicherweise günstiger, Unternehmen mit bestehenden und bewiesenen Vorkommen zu übernehmen. Zweitens spielen auch Preis- und Klimapolitiken ihre Rollen.

Öl- und Gaspreis konvergiert an den amerikanischen Terminbörsen

Schon in den vergangenen Tagen waren die Marktpreise von Öl und Gas innerhalb kurzer Zeit konvergiert, nachdem sie zuvor deutlich auseinandergelaufen waren. Zusammen mit Argumenten, nach welchen die Gasnachfrage aufgrund der „saubereren“ Verbrennungsweise als Öl in den kommenden Jahren zunehmen werde, war es im Rahmen immer wahrscheinlicher werdender Substitutionsprozesse nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer Preiskonvergenz oder gar einer umgekehrten Divergenz kommen würde.

Exxon hat diese Marktlage und die mögliche Entwicklung in der Zukunft geschickt genutzt, weil sie vom Markt bisher nicht so gesehen und die XTO-Papiere entsprechend gering bewertet hatte. Die Transaktion scheint für beide Unternehmen Vorteile zu bieten. Denn auf diese Weise verbessern sie sowohl ihre Marktmacht als auch ihren politischen Einfluss und können nach Ansicht von Experten dafür sorgen, dass Gas in den Vereinigten Staaten künftig als bevorzugte Energiequelle betrachtet wird. Exxon müsse von steigenden Gaspreisen ausgehen, um die Transaktion glaubwürdig erscheinen zu lassen, erklärte beispielsweise Neil McMahon vom Vermögensverwalter Sanford Bernstein in London.

Zumindest aus Bewertungssicht scheinen die Papiere von Chesapeake und Devon Energy sowie von Talisman Energy ähnlich wie jene von XTO Energy einzustufen zu sein. Auf dieser Basis können sie eine gewisse Übernahmephantasie entwickeln. Der Gaspreis dagegen sollte gegen den Ölpreis weiter aufholen können. Das heißt, Wetten auf eine Spreadkonvergenz können interessant werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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