18.01.2008 · Mit Verlusten zwischen 20 und 34 Prozent sind Solaraktien in das noch junge Börsenjahr gestartet. Vor allem Ausländer nehmen Gewinne mit. Fundamental geht es der Branche gut, obwohl die Debatte um Förderkürzungen verunsichert.
Mit Kursverlusten zwischen 20 und 34 Prozent sind die Solaraktien im Tec-Dax in das noch junge Börsenjahr gestartet. Mit ihrem Gewicht sorgen sie dafür, dass der Technologieindex mit einem Abschlag von 16 Prozent auch schwächer dasteht als M-Dax (13 Prozent) und Dax (7 Prozent). Händler berichten vor allem von größeren Aktienverkäufen ausländischer Anleger. Diese hätten speziell mit Solaraktien hohe Gewinne erzielt und wollten diese nun offenkundig sichern.
So kam es in den wenigen Handelstagen in diesem Jahr immer wieder zu deutlichen Kursrückgängen bei den Solaraktien. An vier der zwölf Handelstage gab es Kursverluste von rund 4 Prozent im Tec-Dax - allein in dieser Woche wieder 2 Prozent. An der Spitze der Verlierer standen jeweils die Solaraktien. Am Donnerstag erholten sich die Kurse jedoch wieder etwas.
Börsenneuling Centrotherm gerät unter die Räder
Börsenneuling Centrotherm Photovoltaics - erst seit Dezember im Tec-Dax - musste seit Jahresanfang einen Kursverlust von 34 Prozent hinnehmen. Aber auch Branchengrößen wie Q-Cells und Solarworld verloren mehr als 20 Prozent an Wert. "Der Kursrückgang ist nicht fundamental zu begründen, sondern der hohen Unsicherheit am Aktienmarkt geschuldet", sagt Peter Wirtz, Analyst der West LB. Die meisten Solaraktien hatten sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt und daher vergleichsweise hohe Bewertungen erreicht. Nun sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse aber bereits ein deutliches Stück zurückgekommen und liegen auf Basis der Gewinnschätzungen für 2009 fast durchweg unter 20.
Wirtz rät mittelfristig dennoch zur Vorsicht. "Es herrscht eine große Unsicherheit, wie sich die geringere Förderung der Solarenergie in Deutschland und Spanien und der künftige Überschuss an Silizium auf die Gewinnmargen der Unternehmen auswirken werden." Derzeit kommt der Löwenanteil der weltweiten Nachfrage nach Solaranlagen aus Deutschland und Spanien. Die Vergütung des Solarstroms sinkt in Deutschland jedoch im Jahr 2009 um gut 9 Prozent - statt wie bisher geplant um 5 Prozent -, im Jahr 2010 um 7 Prozent und dann jedes Jahr um 8 Prozent. Auch in Spanien wird die Förderung wohl deutlich zurückgefahren.
Hohe Gewinnmargen könnten bald sinken
Wie schnell neue Märkte in Südeuropa, Nordafrika, in den Vereinigten Staaten und Asien in beträchtlicher Größe erschlossen werden können, um mögliche Nachfragerückgänge in den beiden großen Märkten kompensieren zu können, ist fraglich. Zudem werden die Hersteller von Solaranlagen mit Preisreduzierungen auf die geringere Förderung reagieren müssen, damit die Anlagen für die Käufer noch rentabel sind.
Dies wird nach Ansicht der meisten Marktbeobachter die Gewinnmargen von derzeit teilweise mehr als 25 Prozent ins Rutschen bringen. Die spannende Frage, die derzeit niemand so recht zu beantworten weiß, ist, wer aus diesem Anpassungsprozess als Gewinner hervorgeht und wer möglicherweise erhebliche Blessuren davonträgt. Die besten Perspektiven sieht Wirtz für die Aktien von Q-Cells und Solarworld: "Was künftig zählt, sind Größe und Kostenvorteile, da sehen wir diese beiden Unternehmen besonders gut aufgestellt."
Q-Cells und Solarworld gehören weiter zu den Favoriten
Diese Einschätzung teilen die meisten Analysten. Bei Q-Cells stehen 19 Kaufempfehlungen nur zwei Verkaufempfehlungen gegenüber. Bei Solarworld steht es elf zu drei. Und auch bei den anderen Solaraktien außer Conergy rät die Mehrheit der Analysten zum Kauf. Dennoch ist zu beobachten, dass die Prognosen zurückhaltender werden, die Kursziele eher gesenkt als erhöht werden und generell von der Euphorie, die die Branche bisher am Aktienmarkt trug, nur noch wenig zu spüren ist.
Gleichwohl zeigt die Spannweite der Kursziele, wie unsicher sich auch die Analysten sind. So riet die Société Générale am Mittwoch zum Verkauf der Q-Cells-Aktien und nannte ein Kursziel von 66 Euro, was damit noch rund 7 Euro unter dem ohnehin zuletzt deutlich gefallenen Aktienkurs liegt. Lehman Brothers hingegen empfahl genau eine Woche vorher, die Positionen in der Aktie auszubauen, und setzte ein Kursziel von 122 Euro.
Staatliche Förderung soll gekürzt werden
Zu der Unsicherheit trägt neben der Ungewissheit über die künftige staatliche Förderung, von der die Branche noch einige Jahre abhängen wird, auch die Versorgungslage mit Silizium bei. Während bislang die Knappheit das große Thema war und die Hersteller begeistert berichteten, wie viel Rohstoff sie sich sichern konnten, beherrschen nun die von etwa 2009 an zu erwartenden Überkapazitäten die Diskussion. Nun könnten sich langfristige Lieferverträge zu festen Preisen als Eigentor erweisen - oder die Eigenproduktion unrentabel werden.
Die jüngsten Meldungen über das geplante Zertifikatesystem für Ökostrom durch die Europäische Kommission (F.A.Z. vom 17. Januar) belasten die Aktienkurse hingegen bisher nicht. Die Umsetzung der nun diskutierten Vorschläge wird für ausgeschlossen gehalten.
Zertifikatesystem wäre schlecht für die Solarenergie
"Ein Zertifikatesystem, wie es Großbritannien schon hat, werden wir hier so nicht bekommen", sagt Wirtz. "Dann wäre die Solarenergie sofort tot." In Großbritannien werden alle regenerative Energien gleich behandelt. Da Wasser und Wind schon viel wettbewerbsfähiger sind als die Solarenergie, wäre ein solches Fördersystem im übrigen Europa voraussichtlich das Ende zumindest der kleineren Anbieter.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |