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Energie Biopetrol-Aktie zeigt Probleme des Biodieselmarktes

22.05.2007 ·  Der Biodiesel-Sektor ist ein schönes Beispiel dafür, wie der Gesetzgeber eine Branche nach oben katapultieren und dann wieder ausbremsen kann. Beispielhaft zeigt sich das an der Biopetrol-Aktie.

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Die Hoffnungen waren groß, die Enttäuschungen auch. Fast alle Biosprit-Aktien notieren inzwischen unter dem Ausgabekurs. Vor allem die Biodieselhersteller sind in den vergangenen Monaten kräftig gebeutelt worden. Auch die inzwischen wieder steigenden Rohölpreise können den Aktienkursen nicht so recht auf die Sprünge helfen.

Der Biodiesel-Sektor ist ein schönes Beispiel dafür, wie der Gesetzgeber eine Branche nach oben katapultieren und dann wieder ausbremsen kann. Bis August vergangenen Jahres war Biodiesel steuerfrei - die Abhängigkeit von Mineralölimporten und der Kohlendioxidausstoß sollten sinken, außerdem durfte sich die Landwirtschaft über neue Absatzmärkte freuen.

Kapazität für 4,8 Millionen Tonnen jährlich...

Der Anreiz hat funktioniert: Deutschland hat in kurzer Zeit eine Produktionskapazität für jährlich 4,8 Millionen Tonnen Biodiesel aufgebaut. „Damit ist Deutschland europa- und weltweit Spitzenreiter“, schreibt der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) stolz.

Seit August aber wird Biodiesel mit neun Cent je Liter besteuert, was dem Treibstoff seinen wohl wichtigsten Vorteil gegenüber herkömmlichem Diesel nimmt. Der Steuersatz für reines Biodiesel steigt zudem ab 2008 um jährlich sechs Cent - unabhängig von den Entwicklungen am Mineralölmarkt.

... Absatzgarantie nur für 1,5 Millionen Tonnen

Im Gegenzug müssen die Lieferanten seit Jahresbeginn ihrem Treibstoff 4,4 Prozent Biodiesel beimischen. „Jedoch garantiert diese Quote lediglich einen Biodieselabsatz von 1,5 Millionen Tonnen“, empört sich der VDB. „Das entspricht nicht einmal einem Drittel der bereits heute vorhandenen, unter den bis 2006 geltenden Rahmenbedingungen aufgebauten Kapazitäten.“

Die Biodieselhersteller haben also - zumindest in Deutschland - mit massiven Überkapazitäten zu kämpfen. Zu viel Angebot drückt bekanntlich den Preis, was die Marge schmälert. Und das kommt an der Börse gar nicht gut an.

Berg- und Talfahrt der Biopetrol-Aktie

Das Auf und Ab zeigt sich sehr deutlich am Beispiel Biopetrol Industries. Die Aktie des Unternehmens aus Zug in der Schweiz notiert seit November 2005 im Entry Standard (Isin CH0023225938). Die Titel kamen zu 8,20 Euro auf den Markt und stiegen in den ersten Wochen auf zeitweise mehr als 30 Euro.

Die Aktie korrigierte schon, als das Unternehmen im Juni eine Gewinnwarnung bringen musste, verbunden mit einem Wechsel im Management. Die Notiz stürzte förmlich ab. Nur kurz rettete sich der Kurs im Herbst vergangenen Jahres noch einmal über zehn Euro, seither läuft er volatil seit- bis abwärts. Im März fand die Aktie erst bei 5,76 Euro einen Halt. Am Montag gingen die Titel bei 6,15 Euro aus dem Handel, am Dienstag verloren sie im frühen Handel 2,3 Prozent auf 6,01 Euro.

Sinkendes Ergebnis im ersten Quartal

Die Ende März vorgelegten Geschäftszahlen für das vergangene Jahr lesen sich vor dem Hintergrund des überhaupt nicht einfachen Geschäftsumfeldes gar nicht schlecht: Der Konzernumsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 46 Prozent auf 127,6 Millionen Euro, das Betriebsergebnis (Ebit) um 24 Prozent auf 7,2 Millionen Euro und der Reingewinn um 78 Prozent auf 5,7 Millionen Euro.

Das am Dienstagmorgen verbuchte Kursminus ist allerdings mit Blick auf die Zahlen vom ersten Quartal zu sehen: In den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres sank das Betriebsergebnis (Ebit) auf 0,5 (Vorjahreszeitraum: 1,6) Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Marge unter dem Vorjahreswert

Neben sinkenden Preisen für Biodiesel hätten auch Anlaufkosten für neue Werke den Gewinn belastet. „Damit lag auch die Bruttomarge mit 9,2 Prozent unter dem Vorjahreswert von 14 Prozent“, heißt es in der Unternehmensmeldung.

Der Überschuss ging um ein Drittel auf 650.000 Euro zurück. Den Umsatz steigerte Biopetrol hingegen um gut ein Drittel auf 42 Millionen Euro, was mit einer um knapp zwei Fünftel höheren Produktion zusammenhängt. Ende 2006 hatte die Firma eine neue Biodieselanlage in Rostock in Betrieb genommen.

„Im Rahmen unserer Erwartungen“

„Das erste Quartal lag trotz der schwierigen Marktlage im Rahmen unserer Erwartungen, die für die ersten drei Monate stets niedriger sind als für die Folgequartale“, sagte Vorstandschef Klaus-Ulrich Henschel. „Wir haben erfolgreich begonnen, die Abhängigkeit vom deutschen Markt mit seinen Überkapazitäten und Steuerbelastungen zu reduzieren. Über 30 Prozent unserer Umsätze erwirtschaften wir mittlerweile mit Kunden außerhalb Deutschlands.“

Zur Finanzierung der geplanten Kapazitätserweiterungen hat Biopetrol im Februar eine Wandelanleihe in Höhe von 75 Millionen Euro begeben. „Dementsprechend sank die Eigenkapitalquote zum Ende des ersten Quartals auf 45,2 Prozent“, teilte das Unternehmen mit. Den mit minus 8,4 Millionen Euro negativen operativen Cashflow erklärt Biopetrol mit erhöhten Vorräte, um in der Anfahrphase des Werkes Rostock die Liefersicherheit zu gewährleisten.

Abhängigkeit vom deutschen Markt soll abnehmen

„Die Biopetrol Industries hält an ihrem Wachstumskurs fest und wird 2008 als dann einer der größten Produzenten für Biodiesel in Europa über eine Kapazität von 750.000 Tonnen pro Jahr verfügen“, heißt es im Ausblick.

Der Umsatzanteil und damit die Abhängigkeit vom deutschen Markt solle bis 2008 auf 40 Prozent reduziert werden. Derzeit hat Biopetrol in Schwarzheide und Rostock Produktionskapazitäten von rund 350.000 Tonnen Biodiesel sowie 30.000 Tonnen Pharmaglycerin im Jahr.

Kurzfristig nicht zu viel von der Aktie erwarten

Die Biopetrol-Aktie ist trotz der deutlichen Kursverluste keinesfalls billig geworden. Das Kurs-Verhältnis (KGV) auf Basis der Analystenschätzung für das laufende Geschäftsjahr beträgt immer noch 19,7. Erst wenn das Unternehmen die Erwartungen für das kommende Jahr erfüllen kann, ist die Aktie günstig: Mit Blick auf 2008 beträgt das KGV nur 7,3.

Ob das dem Unternehmen gelingen wird, weiß heute natürlich niemand. Der Markt dürfte mittel- bis langfristig wachsen, darum sollten die Chancen gut stehen, dass dies auch Biopetrol gelingt. Kurzfristig spricht allerdings allein schon die Charttechnik gegen ein Engagement. Anleger sollten frühestens über einen Einstieg nachdenken, wenn sich das März-Tief bei 5,76 Euro als solide Unterstützung erwiesen hat.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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