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Endzeitstimmung forciert? Propheten der Finanzkrise geraten unter Druck

03.04.2009 ·  Einige kritische Bank-Analysten wie der Branchen-Star Meredith Whitney oder Michael Mayo von der Deutschen Bank haben in jüngster Zeit den Arbeitgeber gewechselt. Denn trotz korrekter Prognosen scheint eine zu negative Einschätzung der eigenen Branche nicht immer opportun.

Von Norbert Kuls, New York
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An der Wall Street haben in den vergangenen Wochen einige als besonders kritisch geltende Bank-Analysten ihren Arbeitgeber gewechselt oder sich selbständig gemacht. Das könnte ein Indiz für einen zunehmenden Druck auf Analysten sein - selbst wenn die betroffenen Personen wie Michael Mayo von der Deutschen Bank zu den wenigen Auguren gehören, die die prekäre Lage amerikanischer Banken früh richtig eingeschätzt haben. Mayo wechselte in der vergangenen Woche nach zwei Jahren bei der Deutschen Bank zur kleinen Investmentbank Calyon, einer Tochtergesellschaft der französischen Crédit Agricole. An der Wall Street heißt es, Mayo sei unzufrieden gewesen, weil die Deutsche Bank ihm nicht genügend Freiheiten ließ, öffentlich über die von ihm bewerteten Banken zu sprechen. Mayo hatte zuletzt keine einzige Bankaktie zum Kauf empfohlen.

Sein neuer Arbeitgeber will sich mit unabhängigen Analysen profilieren. Mayos Nachfolger Glenn Schorr kommt von der Schweizer Bank UBS, wo er für die Analyse von Investmentbanken und Vermögensverwaltern zuständig war. Schorr ist in der Branche angesehen.

Wer den Mund aufmacht, wird geschasst

Mayo war trotz seiner kritischen Haltung während der Finanzkrise in der Öffentlichkeit nicht so präsent wie die Analystin Meredith Whitney vom Wertpapierhaus Oppenheimer. Whitney, die mit richtigen Vorhersagen zur Lage der Citigroup zum Superstar wurde, hat sich im Februar selbständig gemacht. Ende Oktober 2007, als die globale Kreditkrise in ihren Anfängen war, hatte Whitney prognostiziert, dass die Citigroup die Dividende kürzen wird und wegen erwarteter Verluste mindestens 30 Milliarden Dollar neues Kapital brauche. Nachdem diese kühnen Vorhersagen innerhalb von drei Monaten eingetreten waren, war Whitney Fachfrau für alles, was mit der Citigroup zu tun hatte. Der Nachfolger Whitneys bei Oppenheimer, Chris Kotowski, hat die Bewertungen für Banken wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und die Citigroup wieder angehoben. „Die Firma lässt jeden einzelnen Analysten seine eigenen Schlüsse ziehen“, sagte John Parks, Chef der Aktienanalyse bei Oppenheimer.

Whitneys Kollege Mayo hatte bereits mit früheren Arbeitgebern Schwierigkeiten, weil er die Entwicklung der Bankenbranche seit Jahren kritisch sieht. Vor zehn Jahren war er bei der amerikanischen Tochtergesellschaft der Schweizer Credit Suisse geschasst worden, nachdem er in einem vielbeachteten 1000-Seiten-Bericht zahlreiche Bankaktien zum Verkauf empfohlen hatte. Mayo fand danach mehrere Monate keinen Job mehr an der Wall Street. Er wurde schließlich vom Wertpapierhaus Prudential angeheuert, das damals ebenfalls mit unabhängiger Analyse glänzen wollte.

Interessenkonflikte sollten vermieden werden

Dieses Vorkommnis trug mit zur Reform der Aktienanalyse bei Wall-Street-Banken bei, die 2003 mit einem außergerichtlichen Milliardenvergleich zwischen führenden Instituten, darunter der Deutschen Bank, und den Aufsichtsbehörden vereinbart wurde. Interessenkonflikte von Analysten, die mit Kaufempfehlungen für Aktiengesellschaften als Türöffner für die Investmentbanker ihres Arbeitgebers agiert hatten, sollten zukünftig vermieden und die Unabhängigkeit der Bewertungen wiederhergestellt werden.

Mayo ist als unbequemer Analyst bekannt, der häufig die härtesten Fragen bei Telefonkonferenzen mit Bankmanagern stellt. Er scheute sich nicht, den später zurückgetretenen Citigroup-Vorstandschef Charles Prince im Oktober 2007 bei einer Konferenzschaltung zu den Folgen schlechter Quartalsergebnisse für dessen Job zu fragen. „Wenn man mich jemals bei einer Telefonkonferenz sagen hört: ,Gutes Quartal, Jungs', bin ich am Ende“, sagte Mayo einmal und kritisierte damit anbiedernde Floskeln seiner Kollegen.

Der Experte geht, das Geschäft schrumpft

Ein anderer kritischer und vielzitierter Bankenanalyst, Richard Bove, ist vom kleinen Wertpapierhaus Ladenburg Thalmann zum noch kleineren Konkurrenten Rochedale Securities gewechselt. Bove und Ladenburg wurden im vergangenen Jahr von der Regionalbank Bank Atlantic verklagt, nachdem Bove nach dem Zusammenbruch der kalifornischen Bank Indymac die in Florida beheimatete Bank auf einer Liste gefährdeter Institute geführt hatte.

Im vergangenen Jahr verließ auch die renommierte Analystin Laurie Goodman die Schweizer UBS. Goodman war auf die Bewertung von Hypothekenpapieren spezialisiert und hatte als eine der ersten Fachleute wegen der zunehmenden Gefahren im Markt für zweitklassige Hypotheken (Subprime) Alarm geschlagen. Sie soll allerdings die Kritik von UBS-Managern auf sich gezogen haben, weil ihre Einschätzungen es für ihren Arbeitgeber schwieriger machten, mit Subprime-Hypotheken besicherte Anleihen zu veräußern. Diese Engagements im amerikanischen Hypothekenmarkt, der im Zentrum der Finanzkrise steht, hatten für hohe Verluste bei UBS gesorgt. Goodman stellte ihren seit mehr als 15 Jahre publizierten Wochenbericht zum Hypothekenmarkt im Oktober 2008 ein. Einen Monat später wechselte sie als Leiterin der Analyseabteilung zum kleinen texanischen Wertpapierhaus Amherst Holdings. UBS hat den Handel mit Hypothekenanleihen seither drastisch zurückgefahren.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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