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Emerging Markets Im Zweifel das Schwellenland-Original

02.09.2010 ·  Wer auf das Wachstum der Schwellenländer setzen möchte, hat grundsätzlich zwei Optionen: Er kann vor Ort investieren oder in hiesige Unternehmen, deren Umsätze dort wachsen. Die Bereiche Infrastruktur und Konsum gelten dank stetig wachsendem Wohlstand als besonders vielversprechend.

Von Kerstin Papon
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Schwellenländer gelten als besonders wachstumsstark. An ihren Börsen schafft dies seit Jahren Kursphantasien. Doch solche Anlagen sind riskant. Dies zeigt sich auch in diesem Jahr. Denn Konjunktursorgen haben die Kurse vieler Aktien und insbesondere die der Schwellenländer gedrückt. So hat Chinas CSI 300 Index seit Jahresbeginn fast 20 Prozent verloren.

Schwellenländer werden gerne als Wachstumsmotor der Weltwirtschaft bezeichnet. Wer direkte Anlagen scheut, kann auch indirekt an ihrem Potential teilhaben. Denn für viele europäische Unternehmen werden die Umsätze in den Emerging Markets immer wichtiger. Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé ist klassischerweise ein solcher Wert. „Hier kommen 42 Prozent aller Umsätze aus Schwellenländern, in drei bis fünf Jahren dürften es 46 Prozent sein“, sagt Thomas Gerhardt, Fondsexperte für Schwellenländer der DWS. Ähnlich sieht es bei den Konsumgüterkonzernen Henkel und Unilever aus.

Investments in Schwellenländer gelten als riskant

„In Europa ansässige große Unternehmen haben den Vorteil, dass sie hierzulande etabliert und die Marken weltweit bekannt sind“, sagt Matthias Born, Fondsmanager für europäische Aktien von Allianz Global Investors: „Ihre Geschäftsmodelle haben sich schon bewährt. Zudem kommt man leichter an Informationen.“ Von Nachteil ist, dass die Umsätze multinationaler Unternehmen nicht zu 100 Prozent aus Schwellenländern stammen, sondern auch aus den Industrienationen. Deswegen kommt ihnen nur ein Teil des dortigen Wachstums zugute.

Bei den vor Ort ansässigen Gesellschaften ist dies anders. Sie sind vielfach ausschließlich in Emerging Markets tätig. Investments in Schwellenländer gelten jedoch als riskanter. „Hier mangelt es häufig an Transparenz, auch gibt es andere Bilanz- und Aufsichtsregeln“, sagt Born. Zudem unterscheide sich die Kommunikation. Auch schwanken die Kurse an den Börsen der Schwellenländer in der Regel stärker. Der Aktienhandel ist zudem häufig illiquide. All dies sind Pluspunkte für die Aktien aus Industriestaaten.

Porsche erzielt 20 Prozent seines Umsatzes in Schwellenländern

Die Bereiche Infrastruktur und Konsum gelten als besonders viel versprechend. Denn der Wohlstand in Schwellenländern wächst stetig, allen voran in China. Deswegen zählen hierzulande auch besonders die Unternehmen zu den Nutznießern, welche die dortigen Konsumwünsche bedienen. „Vor allem Markenartikler und Hersteller von Luxusgütern wie Uhren oder Autos profitieren stark von dem riesigen Wachstumspotential der Schwellenländer“, sagt Gerhardt. Denn sie seien dort bislang weitgehend konkurrenzlos. Er nennt beispielhaft die Luxuswerte Richemont, Swatch, LVMH sowie die Autohersteller BMW, Daimler und Porsche. Letzterer erziele 20 Prozent seiner Umsätze in diesen Staaten, in einigen Jahren könnten es 30 Prozent sein. Auch andere Unternehmen wie der Kosmetikkonzern L'Oréal, Siemens, der Industriegasehersteller Linde oder der Chemieproduzent Lanxess erzielen bedeutende Umsätze in Schwellenländern. Der Umsatzanteil liegt häufig bei einem Drittel und mehr.

Die Umsatzschwerpunkte der einzelnen Unternehmen in den Schwellenländern unterscheiden sich sehr. Eine herausragende Rolle spielt natürlich China. „Das bevölkerungsreichste Land der Erde hat einen enormen Nachholbedarf, was westliche Standards anbelangt“, sagt Eberhard Weinberger, Stratege des Münchener Vermögensverwalters DJE Kapital, und vergleicht die Rahmenbedingungen mit dem deutschen Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg. „Unternehmen wie Volkswagen oder Swatch erzielen in China schon jetzt etwa ein Fünftel ihrer Umsätze, Tendenz steigend“, erläutert Gerhardt. Für den Schweizer Zementhersteller Holcim falle Indien mit einem Umsatzanteil von 20 Prozent besonders stark ins Gewicht.

Von Währungsaufwertungen profitieren

„Wer jedoch zu 100 Prozent an dem wachsenden Konsum in den Schwellenländern teilhaben möchte, der muss vor Ort investieren“, sagt Gerhardt. Auch Energieversorger seien immer ein lokales Investment. Viele Themen wie das der Infrastruktur oder des Rohstoffreichtums könne man zudem mit international tätigen Unternehmen kaum spielen. Überdies hätten Schwellenländeranlagen den Vorteil, dass die Aktien in der Regel in der lokalen Währung gehandelt würden, sagt Gerhardt. Dadurch gebe es nicht nur Chancen auf Aktienkursgewinne, sondern auch die Möglichkeit, von einer Aufwertung der Währungen zu profitieren. Gleichwohl birgt das natürlich auch entsprechende Gefahren.

Gerade in den Schwellenländern lohne es sich aber auf kleinere und mittlere Unternehmen zu setzen, da sie höhere Ertragschancen böten, heißt es aus dem Hause J.P. Morgan Asset Management. Anders als in den Industriestaaten würden ihre Aktienkurse überdies nicht stärker schwanken als die der höher kapitalisierten Gesellschaften. Während viele Werte in einem klassischen Schwellenländerportfolio inzwischen multinationale Unternehmen wie große Energie- oder Rohstoffkonzerne seien, böten „Small Caps“ ein echtes Schwellenländerwachstum. Kleinere Unternehmen seien im Wesentlichen auf den Binnenkonsum ausgerichtet und stark in den Bereichen Konsum, Industriegüter und Gesundheit vertreten, sagt Christian Preussner, Fachmann für Schwellenländer-Aktien von J.P. Morgan Asset Management.

Zwei Drittel direkt und ein Drittel indirekt investieren

Auch Weinberger setzt auf kleinere Unternehmen, da es immer interessant sei, möglichst frühzeitig an Bewegungen teilzuhaben. Sie hätten einfach bessere Perspektiven und Wachstumschancen als große Gesellschaften. Wie auch andere Experten empfiehlt er vor allem den Kauf von Fonds, um die Risiken besser zu streuen. Auch die Expertise der Gesellschaften kann man so nutzen.

Welchen Weg sollten Anleger also wählen? „Einen Königsweg gibt es nicht“, sagt Gerhardt. Er rät, das Geld, das man auf Schwellenländer setzen möchte, zu zwei Dritteln direkt und zu einem indirekt zu investieren, um die Risiken zu begrenzen, aber dennoch bestmöglich von dem höheren Wachstum profitieren zu können: „Sonst verpasst man zu viel.“

Die Schwellenländer

Die wohl bekanntesten und wichtigsten Schwellenländer sind die sogenannten BRIC-Staaten: Brasilien, Russland, Indien und China. Aber auch andere aufstrebende Länder haben die Anlageklasse insgesamt wachsen lassen. In den letzten fünf Jahren hat es nach Berechnungen von J.P. Morgan in den „Emerging Markets“ jährlich rund 600 Börsengänge gegeben. Rund 750 großen Aktienwerten stünden aktuell 1800 kleinere gegenüber, zusätzlich gebe es 3500 weitere Titel mit einem Handelsvolumen von 200 Millionen Dollar, die nicht einem Index vertreten seien. Rund ein Drittel der Unternehmen würde jedoch gar nicht durch Analysten abgedeckt.

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