16.04.2007 · Eine hohe Gewinnsteigerung im ersten Quartal verzeichnet der niederländische Elektronikkonzern Philips. Doch hat er dies einem Sondereffekt zu verdanken. Ansonsten ist die Gewinnentwicklung eher moderat und Umsatzrückgänge enttäuschen.
Manchmal sehen Unternehmenszahlen besser aus, als sie eigentlich sind. Dies sind dann in der Regel die häufig auftretenden Sonderfaktoren, wie sie auch die Gewinn- und Verlustrechnung des niederländischen Elektronikkonzerns Royal Philips Electronics in den in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres verbesserten.
Vor allem dank eines Buchgewinns von 725 Millionen Euro aus dem Verkauf von 887 Millionen Aktien an der Taiwan Semiconductor Manufacturing Co Ltd (TSMC) stieg das Nettoergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum um das Fünfeinhalbfache auf 875 Millionen Euro.
Deutlicher Umsatzrückgang
Analysten hatten mit einem Nettoergebnis von 804 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz sank dagegen um knapp drei Prozent auf 5,99 Milliarden Euro. Beobachter hatten mit einem nahezu stagnierenden Erlös von 6,13 Milliarden Euro gerechnet.
Mitte März hatte Philips seine Beteiligung an dem taiwanschen Halbleiterhersteller TSMC von 16,2 auf 12,8 Prozent gesenkt. Unter dem Strich brachte dieser Verkauf 697 Millionen Euro in die Kassen des Unternehmens. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte sich von 246 auf 292 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 27 Prozent auf 353 Millionen Euro.
Rechnet man den Sondereffekt heraus, so liegt das Konzernergebnis in etwa dort, wo es auch im vergangenen Jahr gelegen hat. Philips-Chef Gerard Kleisterlee hat den Elektronikkonzern auf die Beleuchtungssparte und die Medizintechniksparte fokussiert. Auch aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit der koreanischen LG Electronics zur Herstellung von Flachbildschirmen, das immer wieder mit Verlusten zu kämpfen hat, will man sich stärker zurückziehen.
Weiter Belastungen bei Flachbildschirmen
Bereits im Januar prognostizierte der Konzern in diesem Bereich „Herausforderungen“ im ersten Quartal. Diese zeigten sich dann im vierten Quartalsverlust in Folge. Operativ betrug das Minus 208 Milliarden Won (168 Millionen Euro) und lag noch unter den Markterwartungen. Unter dem Strich ergab sich für die Monate Januar bis März ein Fehlbetrag von 169 Milliarden Won im Vergleich zu einem Überschuss von 48 Milliarden Won im Vorjahreszeitraum. Verantwortlich dafür ist der anhaltende Preisverfall. Die Umsätze gingen nach dem Sondereffekt durch die Fußballweltmeisterschaft im Vorjahr um knapp neun Prozent zurück.
Positiv habe sich dagegen das Beleuchtungsgeschäft entwickelt, teilte das Unternehmen weiter mit. Die Sparte steigerte ihren Umsatz im ersten Quartal um acht Prozent auf 1,474 Milliarden Euro. Philips begründete dies vor allem mit der weltweit stärkeren Nachfrage nach Energiesparlampen. Das Ebit der Sparte gab aufgrund von Restrukturierungskosten und eines Sondereffektes im Vorjahresquartal leicht von 181 auf 177 Millionen Euro nach.
Analysten verhalten positiv
Dagegen ging der Umsatz auch der anderen großen Sparte, der Medizintechnik, leicht zurück. Vor allem aber sank dort das Ebit relativ deutlich um 30 Prozent auf 56 Millionen Euro.
Philips bekräftigte seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr. So soll der Umsatz um fünf bis sechs Prozent steigen. Die Ebita-Marge soll über 7,5 Prozent liegen. Alle Geschäftsbereiche entwickelten sich nach Plan, hieß es.
Analysten zeigten sich im ganzen zufrieden. Auf operativer Basis seien die Zahlen für Rabobank-Analyst Niels de Zwart positiv ausgefallen. Als „gute Nachricht“ bezeichnet er, dass Philips in den Bereichen Elektrogeräte und Beleuchtung seine Ziele übertreffen werde. Die wichtige Medizintechnik-Sparte habe „in line“ abgeschnitten. Scott Geels, Analyst bei Sanford C. Bernstein, nannte die Umsatzentwicklung definitiv negativ. Doch die Rentabilität sei nicht so schlecht. Nach der Umstrukturierung müsse das Unternehmen nun wachsen. Davon sei allerdings derzeit nichts zu sehen.
Indes hoffen Analysten auch auf weitere Akquisitionen. Kleisterlee hatte im März für die kommenden drei Jahre ein Volumen von 20 Milliarden Euro für Zukäufe, Dividenden und Aktienrückkäufe in Aussicht gestellt.
Schwerer Weg nach oben
Der Kurs des Firmenchefs hat die Anleger in den vergangenen Jahren in der Tendenz überzeugen können. Von einem 44-Monats-Tief bei 17,93 Euro im Herbst 2004 stieg der Kurs bis Februar dieses Jahres auf 30,17 Euro, konsolidierte dann Anfang März relativ stark und konnte sich bis auf 29,74 Euro zur Mitte der vergangenen Woche erholen.
Indes konnte die Gewinnentwicklung nicht Schritt halten, und so ist die Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 20 für das laufende und 16,6 für das kommende Geschäftsjahr nicht sonderlich preiswert.
Charttechnisch steht das Papier vor einem im Februar aufgebauten Widerstand zwischen 29,50 und 30 Euro, eine vormalige Unterstützung, die die Notierung im Zuge der Konsolidierung Anfang März glatt durchschlagen hatte und an der sie in der vergangenen Woche gescheitert war.
Die Qualität der vorgelegten Ergebnisse lässt nicht darauf hoffen, dass die Notiz diese Marke schnell wird überwinden können, zumal das Unternehmen für das laufende zweite Quartal „mit kaum veränderten Handelsbedingungen“ rechnet.
Zwar starte die Aktie mit einem Plus von 0,6 Prozent bei 29,55 Euro in den Handel, bleibt damit aber deutlich unter dem Hoch der vergangene Woche und unter der Widerstandslinie. Für den Angriff auf neue Hochs scheinen daher stärkere Impulse von Nöten zu sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |