02.10.2006 · Aktienkurs auf Rekordtief - das ist die traurige Folge einer neuerlichen Gewinnwarnung des Elektronikgroßhändlers Medion. Schwarze Zahlen sind in diesem Jahr nicht zu erwarten. Die Aktie beschleunigt ihren Abwärtstrend.
„Ein erfolgreiches Geschäftsmodell setzt sich durch“, heißt es auf der Homepage des Elektronikgroßhändlers Medion. „Nachdem wir in Deutschland zu einem der führenden Anbieter für Konsumelektronik geworden sind, haben wir unser Geschäftsmodell erfolgreich auf Westeuropa ausgedehnt.“ Die Erschließung weiterer Regionen wie Osteuropa, die Vereinigten Staaten und Asien sei die logische Folge. Die Medion-Grundsätze blieben die gleichen, heißt es weiter: „Neueste Technologie bei hoher Funktionalität und ansprechendem Design in bester Qualität zu einem günstigen Preis sowie erstklassiger Service nach dem Kauf.“
Wer dagegen den Aktienkurs betrachtet, muß Zweifel haben, ob das Geschäftsmodell wirklich so erfolgreich ist: Am Montag stürzte die im SDax gelistete Aktie anfangs 18,4 Prozent nach unten, erholte sich dann wieder etwas und notierte am späten Vormittag 11,64 Prozent niedriger bei 7,74 Euro (Isin DE0006605009). Medion mußte nämlich einmal mehr seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr nach unten schrauben und erwartet jetzt einen Verlust.
Geschäft durch Fußball-WM enttäuschte
Nach Ertragssteuern werde der Medion-Konzern das Geschäftsjahr voraussichtlich mit einem Jahresfehlbetrag von 45 bis 60 Millionen Euro abschließen, kündigte das Essener Unternehmen am Montag an. Im vergangenen Jahr hatte Medion noch einen Überschuß von 9,2 Millionen Euro erzielt. Der Umsatz werde nun bei 1,5 bis 1,7 (Vorjahr: 2,5) Milliarden Euro erwartet. Bislang war der Konzern von zwei Milliarden Euro ausgegangen.
Medion teilte mit, die Auftragseingänge gegen Ende des dritten Quartals sowie im entscheidenden vierten Quartal hätten die Erwartungen nicht erfüllt. Der Umsatz im vierten Quartal werde um 20 bis 30 Prozent hinter den Planungen zurückbleiben, die der Konzern noch Anfang des Jahres angestellt habe. So seien etwa die Impulse durch die Fußball-WM unter den Erwartungen geblieben. Medion verwies zudem auf einen hohen Preisdruck und ein Überangebot im Markt.
Mustergültiger charttechnischer Abwärtstrend
In den ersten Monaten an der Börse war die Medion-Aktie steil nach oben geschnellt - bis auf 64 Euro im Jahr 2000. Danach ging es in einem mustergültigen charttechnischen Abwärtstrend in die entgegengesetzte Richtung. 2004 stürzte die Aktie dann mit einem Schlag von mehr als 30 auf weniger als 20 Euro.
Seither setzt sich der gemächliche, aber stete Abwärtstrend fort. Vor zwölf Monaten kostete die Aktie noch 12,95 Euro. Am Freitag war das Papier bei 8,76 Euro aus dem Handel gegangen. Das Niveau vom Montag entspricht einem neuen Rekordtief.
0,36 Prozent Umsatzrendite
Wenn der Umsatz 2006 tatsächlich nur 1,5 bis 1,7 Millionen Euro beträgt, rutscht er das erste Mal seit Jahren unter die Marke von zwei Milliarden Euro. 2003 wurden fast drei Milliarden Euro erreicht, seither schrumpft der Umsatz.
Auch ansonsten kann die mittelfristige Entwicklung wichtiger Kennzahlen nicht überzeugen: 2003 betrug der Jahresüberschuß noch 103,1 Millionen Euro, im vergangenen Jahr nur noch 9,2 Millionen Euro. Das entspricht einer Umsatzrendite von 0,36 Prozent. Das ist selbst im nicht gerade margenstarken Handel wenig, aber immer noch mehr als die negative Rendite, die in diesem Jahr droht.
Eines Tages eine Turnaround-Story?
Bisher hatten die Analysten für dieses Geschäftsjahr im Schnitt ein Ergebnis je Aktie von 30 Cent erwartet. Für das kommende Jahr rechnen sie bisher mit 50 Cent, was einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15,3 entsprechen würde. Auf Basis dieser Schätzung sieht die Aktie gar nicht so teuer aus. Doch es bleibt abzuwarten, wie viele Analysten ihre Gewinnprognose nicht nur für dieses, sondern auch für das kommende Jahr revidieren.
„Ein erfolgreiches Geschäftsmodell setzt sich durch“ - dieser Satz auf der Medion-Homepage scheint angesichts der Kurs- und Geschäftsentwicklung nicht angebracht zu sein. Vielleicht bietet die Aktie eines Tages eine Turnaround-Story. Doch dafür ist es jetzt sicherlich noch zu früh.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |