31.01.2008 · Gut ist der Bauelemente-Hersteller Epcos in das neue Geschäftsjahr gestartet. Das gibt dem Aktienkurs Auftrieb. Längerfristig aber sollten die Hoffnungen für den Kurs nicht ins Kraut schießen.
Wenn ein Großkonzern Teile des Unternehmens als eigenständige Töchter an die Börse bringt, ist meist Vorsicht geboten. In den seltensten Fällen machen die neuen Unternehmen den Anlegern auf Dauer Freude. Das jüngste Beispiel ist Qimonda, freigelassene Tochter von Infineon, seines Zeichens selbst ein früherer teil des Siemens-Konzerns.
Beide Unternehmen kämpfen beständig darum, nachhaltig Gewinne zu erwirtschaften. Vom Höchstkurs des Jahres 2000 ist die Infineon-Aktie 93 Prozent entfernt, das Fünf-Jahres-Hoch aus dem Jahr 2003 liegt 85 Prozent darunter. Qimonda gelang die Wertvernichtung noch schneller. Noch zu Beginn des Jahres 2007 lag der Aktienkurs noch dreimal so hoch wie derzeit. Und dabei hat sich die Notierung während des Crashs sogar noch erholt.
Vom Kometen zur Sternschnuppe
Auch der Bauelemente-Spezialist Epcos ist ein ehemaliger Teil des Siemens-Konzerns, für den der Beginn seiner Börsenlaufbahn noch recht erfolgreich verlief. Nach dem Börsengang 1999 erlebte der Aktienkurs bis zum Beginn des Jahres 2000 einen kometenhaften Aufstieg von unter 50 auf 173 Euro. Etwa zum selben Zeitpunkt wurde das Papier sogar in den Leitindex Dax aufgenommen.
Dann aber verlosch die Karriere wie eine Sternschnuppe. Mitte 2002 betrug der Kursverlust rund 97 Prozent, am Ende des Jahres war auch die Dax-Mitgliedschaft beendet. Seither durchlebt die Notierung ein Auf und Ab, das sich großteils an der Entwicklung des Gesamtmarktes orientiert. Im Zuge des Crashs fiel der Kurs dann sogar auf ein neues Fünf-Jahres-Tief bei 8,58 Euro, von dem er sich aber etwas erholen konnte.
Dabei hat sich das Unternehmen in den vergangene Geschäftsjahren recht positiv entwickelt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/2007 stieg der Umsatz um zehn Prozent auf etwa 1,44 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis kletterte um 75 Prozent auf eine Rekordhöhe von 82,6 Millionen Euro.
Auf schwierigem Weg
Dies veranlasste den Konzern sogar, die Dividende von 0,20 Euro auf 0,30 Euro zu erhöhen. Analysten sahen richtige Weichenstellungen als Ursache. Man habe sich von Produkten getrennt, die wegen einer starken Konkurrenz aus Asien nur über den Preis zu verkaufen waren und so frühere Fehler ausgebügelt. Auch die problematische Keramik-Sparte, in der Epcos Bauelemente nicht zuletzt für Automobilelektronik produziert und so in der Zuliefererrolle steckt, habe sich zuletzt besser entwickelt.
Zuletzt wurden die Analysten indes wieder zurückhaltender. Möglicherweise sei man zu pessimistisch, schrieben Goldman Sachs, doch der Markt verzeichne eine wachsende Volatilität und man erwarte zudem ein wirtschaftliches Umfeld, das kein Wachstum zeige. Allerdings würden die Bewertungsniveaus über den vergangenen Tiefstständen liegen.
Bestätigt wurde eine pessimistische Grundhaltung durch die Ergebnisse, die der Bauelemente-Hersteller für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres vorlegte, indes nicht.
Auf gutem Weg
Vielmehr steigerte Epcos das Betriebsergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 20,9 auf 28,4 Millionen Euro und übertraf dabei die Erwartungen der von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragten Analysten. Diese hatten mit 25,2 Millionen Euro gerechnet.
Unter dem Strich verbesserte Epcos den Gewinn von 5,9 auf 19,0 Millionen Euro, was leicht über den Prognosen lag. Der Umsatz stieg um ein Zehntel auf 367 Millionen Euro, was indes unter den Erwartungen von 376 Millionen Euro lag. Die Vergleichszahlen wies Epcos neu aus, da das Unternehmen zum Anfang des Geschäftsjahres im Oktober seine Rechnungslegung von amerikanischen GAAP auf IFRS umgestellt hat.
In Anbetracht des guten Starts hob das Unternehmen seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2007/2008 an. Statt eines Betriebsergebnisses von 100 Millionen Euro erwarten die Münchener nun 110 Millionen Euro. Den Umsatz will Epcos ungeachtet der in letzter Zeit etwas eingetrübten konjunkturellen Rahmenbedingungen unverändert im „mittleren einstelligen Prozentbereich“ steigern.
Vorsichtige Erwartungen
Für das laufende zweite Quartal per Ende März rechnet der TecDax-Konzern mit einer gegenüber dem Vorquartal insgesamt stabilen Umsatzentwicklung. Saisonal bedingt dürften die Umsätze vor allem mit Produkten für Mobilfunkgeräte und Verbraucher-Elektronik geringer ausfallen. Diese Rückgänge sollten durch Zuwächse insbesondere im Geschäft mit Herstellern von Automobil- und Industrie-Elektronik sowie mit Distributoren ausgeglichen werden. Das Betriebsergebnis dürfte in etwa auf dem operativen Niveau des Vorquartals liegen.
Allzu überrascht zeigt man sich indes am Markt nicht, wurden bessere Zahlen schon ebenso erwartet wie eine Anhebung der Prognosen. Dennoch schlagen sich die Zahlen positiv nieder. Gegen einen zurückhaltenden Markttrend notieren die Titel zu Handelsbeginn 4,4 Prozent bei 10,15 Euro höher.
Analysten sind für Epcos im Schnitt recht vorsichtig. Sie erwarten für das laufende und kommende Jahr nur moderate Gewinnsteigerungen. Auf dieser Basis stellt sich die Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 9,6 bzw. 9,0 nicht allzu teuer dar.
Dollar und Rezessionsgefahr
Indes gibt es dahinter mehrere Fragezeichen. Das Geschäft ist grundsätzlich anfällig für Konjunkturzyklen. Die vergangenen Jahre waren gut und begünstigten die Restrukturierung. Dadurch ist das Unternehmen gestärkt, nichtsdestotrotz würden sich eine Rezession in den vereinigten Staaten und damit einhergehend eine geringere Nachfrage wohl bemerkbar machen.
Zudem ist Epcos wie alle Elektronikunternehmen für einen schwachen Dollar anfällig.Auf der positiven Seite könnte die erfolgreiche Gewinnung des gesuchten asiatischen Partners positive Wirkung entfalten, ebenso wie der Aktienrückkauf, den die Hauptversammlung am 13. Februar genehmigen soll. Dieser ist im Zusammenhang mit der Partnerschaft zu sehen, da die erworbenen Aktien für Zusammenschlüsse oder den Erwerb von Unternehmen, Unternehmensteilen oder Beteiligungen an Unternehmen verwendet werden sollen.
Hoffen auf den Partner
Im November hatte der Vorstandsvorsitzende Gerhard Pegam einen Zeitrahmen von zwölf Monaten für die Partnersuche genannt. Dies soll die ungünstige Position des Konzerns im Bereich Haushaltselektronik in Asien verbessern.
Charttechnisch können die aktuellen Kursverbesserungen indes recht wenig bewegen. Positiv ist, dass sich der Kurs nun wieder oberhalb der zuvor durchbrochenen Unterstützung bei 10 Euro bewegt. Indes ist noch nicht ausgemacht, dass sich das Niveau halten lässt. Erst oberhalb von 11,25 Euro wird das Bild hoffnungsvoller.
Indes beginnt hier aus Bewertungssicht die Luft wieder dünner zu werden. Das gilt umso mehr für die als schwierig einzuschätzende Marke von 12 Euro. Daher sollte man angesichts des eher ungünstigen Umfelds und angesichts der vielen Widerstände im Kursbild dien Erwartungen an die Aktie nicht allzu hoch hängen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |