20.11.2008 · Das für den Einzelhandel so wichtige Weihnachtsgeschäft ist schon im Gange. Doch ob es auch gut laufen wird, erscheint angesichts der drohenden Rezession fraglich. Die Unsicherheit spricht gegen ein Engagement in deutschen Einzelhandelsaktien.
Weihnachten steht vor der Tür, und man darf gespannt sein, was für eine Art von Bescherung das Christkind für den deutschen Einzelhandel parat haben wird. Die Vorzeichen für eine positive Überraschung stehen nicht gerade gut.
Die Kreditkrise und die sich eintrübende Konjunktur wird voraussichtlich unter dem Weihnachtsbaum Folgen haben. Laut einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young dürften die Ausgaben für Weihnachtsgeschenke um zehn Prozent sinken. Nicht gerade erfreulich, wenn man bedenkt, dass schon im Vorlauf das Weihnachtsgeschäft relativ enttäuschend verlaufen war.
Kreditkrise dürfte Konsumlust bremsen
Das GfK-Konsumbarometer hat sich zuletzt zwar auf tiefem Niveau stabilisiert, aber auch hier muss in den kommenden Monaten mit einem nochmaligen Absacken gerechnet werden. Vielleicht hofft der Präsident des Hauptverbands des deutschen Einzelhandels Josef Sanktjohanser auch deshalb noch im November und Dezember mit einem ähnlichen Umsatz wie 2007. Allerdings bezeichnet auch er die Aussichten für das nächste Jahr als trübe.
Diese Perspektive spricht aktuell nicht gerade für den Kauf von Einzelhandelsaktien. Das sehen auch die beiden Anaylsten Marco Haeckermann and Christian Packebusch von HSBC Trinkaus so. In einer ausführlichen Branchenstudie kommen sie zu dem Fazit, dass die Lage für die kommenden beiden Quartale für deutsche Einzelhandelsaktien sehr herausfordernd bleiben dürfte.
Die bereits eingetretenen Kurskorrekturen mögen nach ihrer Lesart zwar eher auf externe Faktoren außerhalb der Branche zurückzuführen gewesen sein. Aber zumindest teilweise bezeichnen die HSBC-Analysten die Abschläge wegen dem nachlassenden Wachstum und der verschlechterten Gewinnaussichten als berechtigt.
Nachdem viele Aktien aus anderen Branchen inzwischen mit einer auch historisch betrachtet niedrigen Bewertung aufwarten können, sprechen auch Bewertungsüberlegungen dafür, dass mit Einzelhandelsaktien zunächst kein großer Staat zu machen sein wird.
Zumindest weisen Werte wie der Arzneimittel-Händler Celesio, die Parfümerie-Kette Douglas und der Augenoptiker Fielmann mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen zwischen 12 und 15 vergleichsweise hohe Bewertungskennziffern auf. Das gilt auch für das Verhältnis von Unternehmenswert zum Gewinn vor Steuern und Zinsen, das mit Werten von neun bis rund zehn ebenfalls recht anspruchsvoll ist.
Auf Verschuldungsgrad und Cash-Flow achten
Wer sich dennoch für ein Investment in dem Sektor interessiert, der sollte bei der Titelauswahl darauf achten, dass der Kandidat über eine gewisse Preismacht verfügt. Vorteilhaft ist es laut Haeckermann und Packebusch auch, wenn die Gesellschaft vertikal integriert ist. Denn so könnten die Gewinnspannen am besten verteidigt werden. Ein wichtiges Auswahlkriterium ist es demnach auch, auf Teilbereiche mit einem überproportionalen Wachstum zu setzen oder auf Unternehmen, die sich aktiv am Konsolidierungsprozess beteiligen und über Zukäufe wachsen.
Honoriert werden dürften von den Börsianern auch jene Unternehmen, die Planungssicherheit bieten und sich mit konkreten Geschäftsausblicken vorwagen. Von enormer Bedeutung sind wegen der vorherrschenden Finanzierungslücke natürlich auch der Verschuldungsgrad und die Fähigkeit, möglichst hohe Cash Flows zu erwirtschaften (siehe Grafik).
Aber selbst wer diese Auswählkriterien einhält, der ist momentan wegen der allgemein schwierigen Börsenlage nicht vor Kursverlusten gefeit. Wer deshalb lieber auf Nummer sicher gehen will, der wartet erst einmal ab, wie sehr die Kreditkrise letztlich auf die Konsumlust der Deutschen durchschlagen wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |