Der amerikanische Konsum brummt - aus welchen Gründen auch immer. Davon profitieren Kaufhäuser wie etwa die Kette Kohl's, die im Billigpreissegment agiert und Bekleidung, Schmuck, Kosmetika, Möbel und Haushaltswaren anbietet.
In den vergangenen Jahren hat Kohl's die Umsätze immer wieder deutlich steigern können mit immer wieder erhöhten Wachstumsraten. Im vergangenen Geschäftsjahr, das im Januar zu Ende ging, setzte der Einzelhändler mit 13,4 Milliarden Dollar 14,5 Prozent mehr um als im Jahr davor. Das Betriebsergebnis, das im Jahr 2004 leicht eingeknickt war, stieg proportional auf 1,4 Milliarden Dollar, der Reingewinn etwas stärker auf 842 Millionen Dollar.
Kohl's wächst stärker
Im ersten Quartal des laufenden Jahres konnte Kohl's die Analystenerwartungen noch einmal übertreffen. Der Nettogewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 34 Prozent auf 0,48 Dollar je Aktie; erwartet worden war ein Gewinn von 0,46 Dollar. Der Umsatz lag mit 3,2 Milliarden Dollar knapp über dem Konsens von 3,14 Milliarden Dollar.
Verantwortlich für den Umsatzanstieg war vor allem eine erhöhte Nachfrage nach Haushaltswaren und der hauseigenen Bekleidungsmarke. Auf vergleichbarer Basis wuchs der Umsatz um 6,9 Prozent, was dem höchsten Zuwachs in den vergangenen vier Jahren entspricht. Damit wuchs Kohl's deutlich schneller als der drittgrößte Wettbewerber J.C. Penney, bei dem der Zuwachs lediglich 1,3 Prozent betrug. Im vergangenen Jahr stiegen die Umsätze auf vergleichbarere Basis bei Kohl's um 3,4 und bei J.C. Penney um 2,9 Prozent.
Der Ausbau der eigenen Bekleidungsmarke war eine strategische Maßnahme des Unternehmens, dem auf diese Weise gelang, Käufer mit mittlerem Einkommen von den Wettbewerbern Federated Department Stores und J.C. Penney zu Kohl's zu locken.
Skateboarder-Marke zieht bei jüngeren Konsumenten
„Sie haben eine gute Dynamik mit den neuen Marken, die sie herausgebracht haben“, sagt David Keuler von Mason Street Advisors. „Mein Gefühl für Kohl's ist besser als es ziemlich lange Zeit war.“ Die Bruttomarge verbesserte sich auf 36,1 von zuvor 35,8 Prozent.
Zudem erhöhte das Einzelhandelsunternehmen seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr auf 2,91 bis 3,02 statt zuvor 2,74 bis 2,87 Dollar. Analysten gingen bislang von 2,91 Dollar aus. Kohl's setzt derzeit erfolgreich auf junge Käuferschichten und arbeitet daran, sein Image zu verbessern. Bislang galt Mode von Kohl's als Billigware.
„Besonderen Mut machen uns unsere Marken Hawk and Candie's, die Kohl's in die Lage versetzen, sich einen größeren Anteil an dem 21 Milliarden Dollar großen Markt für Teenager-Bekleidung zu sichern“, meint Piper-Jeffrey's-Analyst Jeffrey Klinefelter. Candie's steht für dekorative Haushaltsartikel wie Sofakissen, während die Kleidermarke „Hawk“ mit dem Skateboarder Tony Hawk auf junge Männer zielt.
Analysten sehen Strategie mit gemischten Gefühlen
Kohl's hat in diesem Quartal sein Kreditkartengeschäft an die Investmentbank JP Morgan Chase für 1,6 Milliarden Dollar verkauft und will dafür eigene Aktien zurückkaufen. Das Unternehmen will dafür insgesamt zwei Milliarden Dollar in den kommenden drei Jahren ausgeben. Der Verkauf des Kreditkartengeschäftes könnte im zweiten Quartal einen außergewöhnlichen Ertrag von 25 Cents je Aktie bringen, sagte Jeff Stinson, Analyst bei FTN Midwest Research Securities im April.
Dennoch: So ganz zufrieden sind die Analysten nicht. Adrianne Shapira von
Goldman Sachs ist besorgt, daß eine Konjunkturabschwächung die Umsätze im Modebereich treffen könnte. Kohl's müsse verstärkt höhere Einkommensschichten ansprechen.
Robert Buchanan, Analyst bei A.G. Edwards, kritisiert, daß Kohl's Anstrengungen von einem Mangel an Kundenservice und Kundenidentifikation geprägt seien und gibt J.C. Penney den Vorzug. Und selbst David Keuler sorgt sich, daß die Umsatzzuwächse zulasten der Margen gehen könnte.
Aktie von J.C. Penney macht den besten Eindruck
Das macht auch etwas Kummer bei der ansonsten guten charttechnischen Entwicklung der Aktie. Die Papiere von haben sich nach einem sehr volatilen Verlauf und einem Absturz in der zweiten Jahreshälfte 2005 in diesem Jahr wieder deutlich erholt. Nachbörslich legten sie am Donnerstag 1,8 Prozent auf 57,91 Dollar zu und notieren somit knapp unter dem Zwölf-Monats-Hoch von 58,64 Dollar aus dem vergangenen Juli.
Der Freitag ist für Kohl's daher recht kritisch. Gelingt es der Aktie, das Zwölf-Monats-Hoch zu knacken, hat sie auch ein neues Drei-Jahres-Hoch in Sichtweite, das bei 64,49 Euro liegt. Gelingt ihr der Sprung jedoch nicht, droht ihr angesichts der volatilen Historie ein erneuter Abschwung.
Von der Bewertungsseite kommt auch eher Störfeuer. Mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 19,6 für das laufende und 16,3 für das kommende Jahr ist die Aktie nicht eben günstig. J.C. Penney ist da mit 15,4 und 13,4 deutlich günstiger, und auch Federated Department Stores geben mit 19,7 und 12,6 ein etwas besseres Bild ab.
Auch charttechnisch weist J.C.Penney den besseren Trend aus, wohingegen Federated Department Stores in den vergangenen Tagen um den Aufwärtstrend zu kämpfen begonnen hat. Solange das amerikanische Konsummärchen weitergeht, haben die Kaufhausketten derzeit nicht viel zu befürchten. Sollte dieser jedoch nachlassen, dürfte der Traum zu Ende gehen.