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Einzelhandel Amazon-Aktie dürfte sich dem Abwärtstrend nicht entziehen können

02.02.2007 ·  Weniger stark als befürchtet fiel der Gewinn des Internet-Einzelhändlers Amazon im vergangenen Jahr. Doch zeigen die Ergebnisse deutliche Spuren des harten Wettbewerbs. Daher dürfte die Aktie angesichts ihre hohen Bewertung langfristig im Abwärtstrend bleiben.

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Im Grunde scheint die Aktienanlage derzeit recht einfach zu sein. Übertrifft ein Unternehmen die Erwartungen, steigt die Aktie. Bleibt es darunter, fällt sie. Dabei scheint das Niveau oft genug unerheblich zu sein - Hauptsache, es kommt weniger schlimm als erwartet.

Dahinter mag sogar eine rationale Überlegung stecken, namentlich dass sich ein Unternehmen auf dem Weg der Besserung findet, wenn die Ergebnisse weniger schlimm ausfallen als befürchtet oder dass es sich momentan einer robusten Konjunktur erfreut und diese noch eine Weile länger anhält als erhofft. Nichtsdestoweniger scheint dieses Anlageverhalten bisweilen in das reflexartige Befolgen eines Schemas auszuarten - wobei dagegen nichts zu sagen ist, solange es funktioniert.

Steuereffekte drücken den Gewinn...

Auch die Aktie des Internet-Händlers Amazon.com konnte am Donnerstagabend im nachbörslichen amerikanischen Handel leicht zulegen, nachdem das Unternehmen mit dem Ergebnis für das angelaufene vierte Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen hatte. Das Unternehmen meldete einen Gewinn je Aktie von 0,23 Dollar. Analysten hatten mit 0,21 Dollar gerechnet. Der Umsatz im zurückliegenden Quartal lag mit einem Plus von 34 Prozent bei 3,99 Milliarden Dollar ebenfalls über der Analystenprognose von 3,77 Milliarden Dollar. Der Kurs stieg um 0,5 Prozent auf 38,90 Dollar.

Indes hat Amazon aufgrund größerer Investitionen und höherer Steuern im Weihnachtsgeschäft deutlich weniger verdient als im Jahr zuvor. Der Reingewinn fiel im vierten Quartal nämlich um 51 Prozent auf 98 Millionen Dollar. Indes hatte das Unternehmen Amazon.com den hohen Gewinn im Vorjahresquartal auch einem Sondereffekt zu verdanken.

Wie der Konzern erklärte, habe man im vierten Quartal 91 Millionen Dollar Einkommenssteuer bezahlen müssen, während man im gleichen Zeitraum 2005 sogar eine Rückerstattung von 38 Millionen Dollar erhalten habe.

... aber auch Preissenkungen

Im Gesamtjahr erhöhte das in Seattle ansässige Unternehmen den Umsatz um 26 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg in Nordamerika um 25 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar. Die Gesellschaft legte mit ihren ausländischen Websites in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Japan und China um 28 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar zu. Der Jahresgewinn fiel indes auf 190 (Vorjahr: 359) Millionen Dollar oder 45 (84) Cent je Aktie.

Das Unternehmen erwartet für das laufende erste Quartal 2007 einen Umsatz von 2,85 bis drei Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn von 82 bis 122 Millionen Dollar. Im Gesamtjahr dürfte der Umsatz 13,0 bis 13,7 Milliarden Dollar und der operative Gewinn 355 bis 505 Millionen Dollar erreichen.

So fiel 2006 nicht nur der Reingewinn, sondern auch der Betriebsgewinn, und zwar um immerhin rund zwölf Prozent auf 500 Millionen Dollar. In Nordamerika betrug das Minus 23 Prozent, während das operative Ergebnis im internationalen Geschäft stagnierte. Damit lag der Gewinn aus dem internationalen Geschäft auch deutlich höher als auf dem Heimatmarkt. Bereits im Vorjahr war der Betriebsgewinn in Nordamerika um acht Prozent gefallen, während er international noch um 59 Prozent zugelegt hatte.

Bemerkenswert ist auch, dass im vierten Quartal die Bruttomarge mit 21,3 Prozent die deutlich schwächste der vergangenen fünf Quartale war. Vor allem im internationalen Geschäft kann sie mit 17,9 Prozent kaum als befriedigend gelten. Schuld daran war nach Auskunft von Finanzchef Thomas Szkutak in erster Linie die Tatsache, dass man vor allem weniger profitables Spielzeug verkauft und Preise gesenkt habe.

Stark gehebelter Versandhändler

Ob man solche Zahlen von einem Offline-Handelskonzern ohne weiteres akzeptieren würde, ist durchaus eine legitime Frage. Allem Anschein nach genießt das Unternehmen immer noch das Image eines Technologie- und Wachstums-Unternehmens, auch wenn es sich lediglich um einen Versandhändler mit elektronischem Vertriebskanal handelt.

Da das Geschäftsmodell recht einfach kopierbar ist, steht Amazon in einem harten Wettbewerb, wie schon die unter Druck stehenden Bruttomargen belegen. Vor allem aber Ebay macht dem Unternehmen zu schaffen. Zuletzt hatte sich Amazon auf Umsatzsteigerungen konzentriert, die allerdings auf Kosten des Gewinns gingen.

Der Internet-Händler investierte dabei in den Ausbau der technischen Rahmenbedingungen, senkte aber auch die Versandkostenpauschalen und Preise, vor allem für Digitalkameras und Barbie-Puppen. „Sie verteidigen ganz klar ihren Marktanteil“, sagt Colin Sebastian, Analyst bei Lazard Capital Markets.

Das drückt sich auch in der Bilanz aus. Die Eigenkapitalquote liegt gerade einmal bei zehn Prozent, rund die Hälfte der Schulden bestehen in Lieferantenkrediten, die nicht nur die Forderungen um rund das Viereinhalbfache übersteigen, sondern im vergangenen Jahr auch noch um 32 Prozent anstiegen.

Hoch bewertete Aktie im langfristigen Abwärtstrend

Im harten Geschäft schlägt sich der Konzern insgesamt gesehen allerdings recht gut. Und auch die Hebelung der Bilanz war vor einem Jahr bei einer Fremdkapitalquote von 93,4 Prozent noch stärker.

Andererseits ist die Frage, wie sich dies alles mit der sehr hohen Bewertung der Aktie bei geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von rund 50 für das laufende und immer noch 38 für das kommende Jahr verträgt. Selbst wenn der Online-Handel die höheren Wachstumsraten erzielen kann, so ist doch nicht zu beantworten, woher in naher Zukunft die höheren Margen kommen sollen, die eine solche Bewertung vielleicht noch rechtfertigen könnten.

Auch die charttechnische Entwicklung der vergangenen Jahre sieht nicht sonderlich attraktiv aus. Seit Ende 2003 befindet sich die Aktie in einem deutlichen langfristigen Abwärtstrend. Auch die Erholung nach dem Drei-Jahres-Tief im Juli fand im November unverkennbar ein Ende, nachdem die Notiz im Januar den kurzfristigen Aufwärtstrend durchbrach.

Eine Chance, die weitere Abwärtsentwicklung zu stoppen, gäbe es, wenn sich der Kurs über 40 Dollar behaupten könnte. Indes spricht die nachbörsliche Kursentwicklung eine andere Sprache. Ursprünglich auf 40,80 Dollar gesprungen, gab der Kurs postwendend nach und konnte weder die Marke von 40, noch von 39 Dollar behaupten.

Längerfristig ist daher davon auszugehen, dass der Kurs wieder auf den mittelfristigen Abwärtstrend einschwenkt und die alten Tiefstände knapp oberhalb von 31,50 Dollar testet. Kurzfristig könnte er sich zwar noch eine Weile behaupten, doch ist die Unterstützung nur schwach ausgeprägt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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