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Einzelhandel Ahold-Aktie dürfte weiter in der Handelsspanne bleiben

21.06.2006 ·  Langsam kann der niederländische Einzelhandelskonzern den Bilanzskandal des Jahres 2003 zu den Akten legen. Doch die Perspektiven für das hauptsächlich in Amerika tätige Unternehmen sind eher verhalten.

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Der niederländische Einzelhandelskonzern Ahold ist den europäischen Anlegern nicht unbedingt in guter Erinnerung. Der vom Familienunternehmen zu einem der weltgrößten Einzelhändler aufgestiegene Konzern hatte im Jahr 2003 eingestanden, seine Gewinne um fast eine Milliarde Euro geschönt zu haben.

Dieser Bilanzierungsskandal, einer der größten Europas, hatte Ahold an den Rande des Ruins getrieben. Mittlerweile ist die Angelegenheit für die Niederländer ausgestanden. Im Mai verurteilte ein Gericht des Landes drei frühere Spitzenmanager wegen Betruges zu Gefängnisstrafen auf Bewährung und Geldbußen in sechsstelliger Höhe. Die Manager wurden für schuldig befunden, die Geschäfte mehrerer Gemeinschaftsunternehmen zusätzlich in der Jahresbilanz des Konzerns aufgenommen und so die Bilanzen geschönt zu haben.

Vergleich gerichtlich abgesegnet

Auch die Aktionärsklagen in Amerika wurden vor wenigen Tagen beigelegt. Der Vergleich, der von einem Bundesgericht in Baltimore für ausreichend befunden wurde, ist der sechstgrößte in der Geschichte der Vereinigten Staaten. 59.000 Aktionäre sollen mit rund 1,1 Milliarden Dollar entschädigt werden. Eine niederländische Anteilseignergruppe hatte bereits 7,5 Millionen Euro erhalten.

Im vergangenen Jahr verbuchte der Konzern bei einem leicht rückläufigem Umsatz von 44,5 Milliarden Euro einen Verlust von 38 Millionen Euro, nachdem 2004 noch ein Gewinn von 633 Millionen zu Buche stand. Grund waren Kosten in Höhe von 803 Millionen Euro, die durch die Beilegung von Aktionärsklagen verursacht wurden, wohingegen der Bruttogewinn praktisch konstant blieb.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hat Ahold das operative Ergebnis gegenüber dem Vorjahresquartal um 31,5 Prozent auf 455 Millionen Euro gesteigert. Darin sind allerdings unter anderem Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien, Fabriken und Ausrüstung in Höhe von 66 Millionen Euro enthalten.

„Durchwachsene Leistung“ im ersten Quartal

Das Nettoergebnis nach Minderheitenanteilen kletterte um 76,1 Prozent auf 236 Millionen Euro. Analysten hatten lediglich mit einem Nettoergebnis von 195,6 Millionen Euro gerechnet. Grund für die Ergebnissteigerung seien der um 8,6 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro gewachsene Umsatz sowie niedrigere Zinsaufwendungen.

„Im ersten Quartal war unsere Leistung im Einzelhandel durchwachsen“, sagte Firmenchef Anders Moberg. Gut seien die Geschäfte der Handelsketten Albert Heijn, Giant- Carlisle und ICA gelaufen. Für Stop & Shop / Giant-Landover sowie den mitteleuropäischen Markt und den U.S. Foodservice sei das Umfeld von starkem Wettbewerb geprägt gewesen.

Dennoch vervierfachte sich der Gewinn bei der amerikanischen Tochter auf 80 Millionen Dollar. Moberg hat im vergangenen Jahr U.S. Foodservice aufgespalten und unprofitable Verträge gekündigt. Auf diese Weise konnte Ahold das unter den Erwartungen liegende Wachstum der Ahold's-Supermärkte kompensieren. Allerdings hatte Ahold die Prognosen für das laufende Jahr für Amerika im März halbiert.

Restrukturierung in Amerika geht weiter

Die Restrukturierungsmaßnahmen sollen indes weitergehen. Im Mai kündigte der Konzern an, unprofitable Einheiten zu überprüfen, Preise zu senken, mehr Handelsmarkenprodukte einzuführen und die Läden umzugestalten, um in Amerika mit Wal-Mart besser konkurrieren zu können. Ahold hat bereits die Ketten Bi-Lo and Bruno's Grocery verkauft und Läger abgebaut. Ahold macht drei Viertel seines Umsatzes in den Vereinigten Staaten.

Analysten rechnen für das laufende Jahr im Schnitt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 und für das kommende Jahr von 12 und damit einer deutlichen Verbesserung der Gewinnsituation. Unter diesen Aspekten ist die Aktie sicherlich nicht unvernünftig bewertet. Die finanziellen Effekte des Bilanzskandals sind weitgehend ausgestanden und so befindet sich Ahold auf dem Weg der Normalisierung.

Im Aktienkurs hat sich das noch nicht wirklich niedergeschlagen. Dieser war bereits in der baisse Anfang des Jahrhunderts von rund 37 Euro auf rund elf Euro abgerutscht, bevor ihn der Skandal ihn auf ein Allzeittief von 2,52 Euro drückte. Seit etwa anderthalb Jahren bewegt sich die Notierung mittlerweile seitwärts in einer Handelsspanne zwischen 5,70 und 7,45 Euro. Da das Unternehmen nicht viel Phantasie zu bieten hat und die Bewertung im Rahmen des Üblichen liegt, dürfte sich daran auch nicht viel ändern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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