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Aktienfonds : Eine neue Zukunft für Norwegens Staatsfonds

Apple ist einer der größten Einzelpositionen des Staatsfonds von Norwegen. Bild: Reuters

Der größte Staatsfonds der Welt will sich verändern. In Norwegen wird über eine Abtrennung von der Zentralbank diskutiert. Aber nicht nur darüber.

          Er ist 8127 Milliarden norwegische Kronen, umgerechnet gut 800 Milliarden Euro schwer. Damit ist er nicht der größte Staatsfonds der Welt, aber da er mehr als 60 Prozent seiner Mittel in Aktien anlegt, gilt er als der größte Aktionär der Welt. Wie andere große Anleger leidet er unter den niedrigen Renditen für Anleihen. Der norwegische Staatsfonds, gespeist mit Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen, steht seit langem in der Diskussion.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Manche Norweger wollen ihn zerschlagen, weil er für eine flexible Anlagestrategie angeblich zu groß geworden ist. Die neueste Idee sieht vor, ihn anders zu überwachen und seine Anlagestrategie anzupassen.

          Der wichtigste Vorschlag einer von der Regierung in Oslo eingesetzten Kommission sieht vor, nicht länger die Norges Bank, die Zentralbank des Landes, mit der Aufsicht des Fonds zu betrauen. Der Fonds ist seit seiner Gründung im Jahre 1996 der Zentralbank angegliedert. Damit wird der Fonds von der Geldpolitik überwacht, die aber nicht in die Anlagepolitik eingreift.

          Die Kommission sähe es lieber, wenn der Fonds künftig von einer staatlichen Investmentgesellschaft verwaltet und von einem von der Regierung eingesetzten Gremium überwacht würde. Geldpolitik und Vermögensverwaltung seien sehr unterschiedliche Tätigkeiten und sollten daher nicht länger unter einem Dach ausgeübt werden, heißt es. Der Bericht der Kommission wurde auch von der Norges Bank begrüßt.

          Die Politik in Oslo will sich zunächst mit dem Vorschlag der Kommission befassen und anschließend die Frage angehen, ob der Fonds eine andere Anlagestrategie benötigt. Der Fonds hatte zunächst ein seit Jahrzehnten aus den Vereinigten Staaten bekanntes Modell übernommen und seine Gelder zu 60 Prozent in Aktien und zu 40 Prozent in Anleihen angelegt. Derzeit hält der Fonds Anteile an fast 9000 Unternehmen aus aller Welt.

          Er hält damit 1,3 Prozent des gesamten Aktienvermögens in der Welt. Seine größten Einzelpositionen befinden sich in Apple, Nestlé und Royal Dutch Shell. Als Folge der niedrigen Anleiherenditen darf der Fonds seit ein paar Jahren maximal 5 Prozent seines Geldes in Immobilien investieren. Seitdem kauft der Fonds Objekte in guten Lagen rund um den Globus. Ende März waren 64,4 Prozent des Fondsvermögens in Aktien angelegt, 32,9 Prozent in Zinspapieren und 2,7 Prozent in Immobilien.

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          Gleichwohl gibt es seit Jahren Diskussionen, ob der Fonds auch Geld in Beteiligungskapital (Private Equity) und Hedge-Fonds anlegen soll, um seine Mittel breiter zu streuen. Bisher stand die Politik, die über Grundsätze der Anlagestrategie entscheidet, diesem Ansinnen ablehnend gegenüber. Da die Niedrigzinsphase auch den norwegischen Fonds trotz seines hohen Aktienanteils nicht verschont, andererseits aber langfristig eine Mindestrendite von 4 Prozent im Jahr erwartet wird, sind Diskussionen über eine Änderung der Anlagestrategie nicht zu vermeiden. Seit seiner Gründung kommt der Fonds auf eine jährliche Durchschnittsrendite von 5,7 Prozent, aber es erscheint nicht sicher, dass er diese Leistung im gegenwärtigen Umfeld fortsetzen kann.

          Der Fonds versteht sich als ein aktiver Aktionär, der sich zu Fragen nachhaltigen Wirtschaftens und der Vergütung von Managern äußert. Aktuell wendet sich der Fonds gegen die Berücksichtigung von stimmrechtslosen Vorzugsaktien in Aktienindizes. Das Stimmrecht des Aktionärs in der Hauptversammlung sei ein wesentliches Instrument, um ein Unternehmen zu kontrollieren, heißt es in Oslo. Daher hat der Fonds beim Börsengang von Snap im März keine Aktien gezeichnet, da sie kein Stimmrecht besitzen.

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