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Ein Jahr nach Ende der Krise Der Aktienmarkt hat sich verändert

08.03.2010 ·  Ein Jahr nach der Krise haben sich die Aktienindizes deutlich erholt, doch die Ängste der Anleger sind noch nicht ausgestanden. Sehen Sie selbst, wie sich die Rahmenbedingungen für Anleger in den vergangenen 12 Monaten gewandelt haben.

Von Ben Steverman
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Im vergangenen Jahr hat sich mehr für die Anleger geändert als der Wert ihres Portfolios. Wie etliche Kennzahlen zeigen, herrschen heute ganz andere Bedingungen an den Finanzmärkten als am 9. März 2009, als die 17-monatige Talfahrt des Aktienmarktes, die den Wert des breiten Aktienindexes S&P 500 mehr als zur Hälfte vernichtet hatte, endlich zu Ende ging.

„Die Leute vergessen, in welch desolater Verfassung sich der Aktienmarkt damals befand“, meint Martha K. Pomerantz, Investment-Chefin bei Lowry Hill Investment Advisors. Der S&P 500 brach von Oktober 2007 bis März vergangenen Jahres um 57 Prozent ein. „Nur sehr wenige Anleger wagten damals, ihr Geld weiter arbeiten zu lassen“, sagt sie

Seit dem 9. März vergangenen Jahres ist der S&P 500 wieder um 66 Prozent gestiegen. (Dennoch liegt der Index nach wie vor 28,3 Prozent unter dem Rekordhoch von 1565,15 Punkten, das er am 9. Oktober 2007 erreicht hatte.)

Obgleich sich die Kurse erholt haben, hat die Berg-und Talfahrt des Marktes tiefe Spuren hinterlassen. Auch andere Marktindikatoren führen vor Augen, wie stark sich die Rahmenbedingungen am Aktienmarkt im Laufe des vergangenen Jahres gewandelt haben. Die neuen Gegebenheiten zeigen sich sowohl an der Volatilität der Aktien, als auch an der Anlegerstimmung und der relativen Performance verschiedener Aktientypen.

1. Volatilität

Der SPX-Volatilitätsindex der Chicago Board Options Exchange, auch VIX genannt, misst die implizite Volatilität des S&P 500, also dessen Schwankungsbreite von Tag zu Tag oder von Minute zu Minute.

Der VIX lag in den ruhigen Jahren von 2004 bis 2006 durchschnittlich bei 13,7 Prozentpunkten. Am 20. November 2008 jedoch erreichte er einen Rekordstand von 80,9 und hielt sich im vergangenen März bei über 40. Seither „hat er sich kontinuierlich nach unten bewegt“, meint Todd Colvin, Vice-President von MF Global. Als beruhigender Einfluss erwiesen sich aggressive Maßnahmen der US-Notenbank Federal Reserve und des amerikanischen Finanzministeriums, die Colvin als „staatliches Sicherheitsnetz“ bezeichnet. Der VIX schloss am 4. März bei 18,8.

Vor einem Jahr vollzogen die Aktien als Reaktion auf die täglichen Schlagzeilen ein wildes Auf und Ab. Die jüngsten Nachrichten über finanzwirtschaftliche Probleme in Europa oder schwache amerikanische Wirtschaftsdaten hatten nicht den gleichen Effekt, meint Bruce Bittles, Chef-Investmentstratege bei Robert W. Baird. „Der Markt konnte viele schlechte Nachrichten absorbieren“, sagt er.

2. Amerikanische versus internationale Märkte

Vor einem Jahr nahmen die Ökonomen an, dass wirtschaftliche und finanzielle Probleme die Vereinigten Staaten belasten und den Rest der Welt zu einem fruchtbareren Boden für Anlagen machen würden. Nun „stehen die Vereinigten Staaten im Vergleich zu den internationalen Märkten besser da“, meint Dave Hinnenkamp, Chief Executive bei KDV Wealth Management.

Im Jahr 2009 hinkten amerikanische Aktien dem Rest der Welt hinterher. Der MSCI-EAFE-Index, ein Maß für Aktien in Industrieländern außerhalb der Vereinigten Staaten und Kanada, legte im vergangenen Jahr 27,8 Prozent zu und der MSCI-Emerging-Markets-Index schoss um 74,5 Prozent in die Höhe. Der S&P 500 stieg 2009 um 23,45 Prozent.

Allerdings konnte der S&P 500 im Jahr 2010 bislang 0,7 Prozent zulegen, während die anderen beiden Indizes an Boden verloren haben. Der MSCI EAFE büßte 2,7 Prozent ein und der MSCI-Emerging-Markets-Index gab 2,3 Prozent nach. Teilweise ist dies auf die neuerliche Stärke des amerikanischen Dollars zurückzuführen, stellt Hinnenkamp fest, während auch die Kreditkrise in Griechenland die europäischen Märkte erschüttert hat. Hinnenkamp und Pomerantz empfehlen langfristigen Anlegern dennoch eine solide internationale Portfolioausrichtung, insbesondere im Hinblick auf asiatische Länder, die bessere Wachstumsperspektiven und eine niedrigere Schuldenlast aufweisen als die Vereinigten Staaten oder Europa.

Wachstums- versus „werthaltige“ Papiere

Die Anleger teilen Aktien häufig in zwei Kategorien ein: Wachstumsaktien zeigen schnelleres Wachstum und sind konjunkturempfindlicher, während Wertaktien ein langsameres Wachstum aufweisen, aber stabiler und beständiger sind. Auf Wertaktien wird häufig eine Dividende ausgeschüttet, während Wachstumsunternehmen ihre Gewinne oftmals in weiteres Wachstum investieren.

Im Jahr 2009 kletterten die Wachstumsaktien doppelt so hoch wie die Wertaktien, da die Anleger anfingen, an eine Konjunkturerholung zu glauben. Der Russell-1000-Value-Index stieg 2009 um 16,3 Prozent, während der Russell-1000-Growth-Index um 34,8 Prozent in die Höhe schoss.
In diesem Jahr befinden sich Wachstum und Wert bislang auf Augenhöhe. Der Wachstumsindex ist seit Jahresbeginn um nur 0,5 Prozent gestiegen, während der Wertindex 1,5 Prozent zulegen konnte.

Schwerer zu quantifizieren ist ein Trend hin zu hochwertigeren Aktien -die ertragsstärker und weniger schuldenbelastet sind - und weg von den weniger hochwertigen Aktien, die nach dem Tiefstand vom 9. März große Zugewinne verzeichnet hatten.

Im vergangenen Jahr haben sich „die weniger hochwertigen Aktien, in die die wenigsten Hoffnungen gesteckt wurden, am stärksten und besten behauptet“, sagt John Merrill, Chief Investment Officer bei Tanglewood Wealth Management. Seither „begannen die Anlagedollars, eher in hochwertige Anlagen zu fließen.“

Michael Church, Chief Executive der Addison Capital Group, stellt fest, dass die Perspektiven für finanzstarke Unternehmen nach wie vor rosig sind. „Einige dieser großen internationalen Unternehmen schneiden auf Kreditbasis besser ab als viele Regierungen, meint er.

4. Welcher Sektor ist der beste?

Die Präferenzen an der Wall Street können sich rasch ändern. In einem Monat werden Energieaktien favorisiert, im nächsten sind eher Finanzwerte gefragt. Im Jahr 2009 war der Technologiesektor der Gewinner. Der Informationstechnologie-Index des S&P 500 war 2009 um 59,9 Prozent gestiegen und schnitt somit um 36,5 Prozentpunkte besser ab als der S&P 500 insgesamt und um 14,7 Punkte besser als der Rohstoffsektor, der den zweiten Platz belegte.

Im Jahr 2010 liegen die Industriewerte ganz klar in Führung. Der Industriewerte-Index des S&P 500 legte seit Jahresbeginn 5,2 Prozent zu. An zweiter Stelle folgt der Consumer-Discretionary-Index des S&P 500, der um 4,5 Prozent gestiegen ist. Trotz all dieser Veränderungen sind die Anlegermeinungen in Bezug auf einen Sektor gleich geblieben: Der Telecommunication-Services-Index des S&P 500, der auch AT&T und Verizon beinhaltet, blieb 2009 mit einem Anstieg von nur 2,6 Prozent hinter allen anderen Sektoren zurück. Auch 2010 belegt er mit einem Rückgang um 10 Prozent seit Neujahr den letzten Platz.

5. Die Stimmung

Von allen Kennzahlen für Marktbedingungen dürfte sich die Anlegerstimmung am wenigsten geändert haben. Eine Möglichkeit zur Einschätzung der Anlegerstimmung besteht darin, zu beobachten, wie viel Geld in Aktienfonds hineinfließt bzw. aus diesen abfließt. So wurden laut TrimTabs Investment Research im Januar 6,2 Milliarden Dollar in Equity-Anlagefonds investiert. Hierbei handelte es sich jedoch um den ersten positiven Zufluss seit Juli. (Während des gesamten Jahres 2009 wurden 31,8 Milliarden Dollar aus Equity-Anlagefonds abgezogen.) Im Februar zogen die Anleger schätzungsweise 7,8 Milliarden Dollar aus Aktienfonds ab.

Die Anleger sind noch immer von den Wunden der vergangenen Jahre gezeichnet, meint Hinnenkamp. „Ich denke eher nicht, dass die Psyche der Leute die weitläufigen Bewegungen der Märkte und der Konjunktur nachvollzogen hat“, meint er. Vorsicht und Behutsamkeit sind nach wie vor bei jenen Anlegern zu beobachten, die sichere Staats- und Unternehmensanleihen kaufen, obwohl diese extrem niedrige Zinssätze aufweisen, sagt Bill Larkin, Portfoliomanager für festverzinsliche Wertpapiere bei Cabot Money Management. Am 4. März lag die Rendite einer Staatsanleihe mit zweijähriger Laufzeit bei nur 0,85 Prozent. „Viele Anleger sind nach wie vor nervös“, glaubt Larkin.

Steverman ist Reporter für den Investing Channel der BusinessWeek.

Quelle: Business Week Online
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