22.12.2011 · Die Unternehmen aus der Luxusbranche selbst verbreiten weiterhin Zuversicht. Doch die Aktionäre werden skeptisch. Das kommende Jahr steckt voller Ungewissheiten.
Von Christian Schubert, ParisLuxusgüteraktien sind in einer Schuldenkrise keine guten Weggefährten. Daher starten die Anleger mit solchen Titeln bald in ein Jahr voller Ungewissheit. Die Verkäufe der weltweit aufgestellten Konzerne sind aufgrund der Nachfrage in China und anderen Wachstumsländern zwar robust, doch die Anleger wenden sich ab. Das zu Ende gehende Jahr blieb deshalb weit hinter dem Vorjahr zurück, als die Titel phänomenal aufgeholt hatten.
Die Aktie des Weltmarktführers LVMH, die aufgrund seines breiten Warensortiments ein guter Gradmesser für die Branche ist, verlor seit Jahresbeginn rund 15 Prozent an Wert. 2010 dagegen hatte sie noch um mehr als die Hälfte zugelegt. Auch der Weltluxus-Index der Deutschen Börse, der neben Herstellern edle Einzelhändler, Kreuzfahrtanbieter und Hotelgruppen umfasst, verlor seit Jahresbeginn gut 6 Prozent. „Viele Luxusgüteraktien, darunter auch Richemont und Swatch, hatten in diesem Jahr zweistellige Verluste hinzunehmen. Das zeigt die allgemeine Unsicherheit und die Angst davor, dass die Konsumenten zunehmend zurückhaltend werden“, sagt René Weber von der Schweizer Bank Vontobel.
Dabei sind die Fundamentaldaten gar nicht schlecht. Selbst in Europa und in den Vereinigten Staaten halten sich die Warenverkäufe auf hohem Niveau, wenn dies auch zu einem erheblichen Teil durch asiatische und besonders chinesische Touristen gesichert wird. „Unser Geschäft läuft prima in diesem Jahr“, sagt eine von asiatischen Kunden umgebene Verkäuferin im Flaggschiff-Geschäft von Louis Vuitton an den Champs-Elysées in Paris. Mit 191 Milliarden Euro wird die Luxusgüterbranche in diesem Jahr rund 10 Prozent mehr umsetzen als 2010, schätzte kürzlich die Unternehmensberatung Bain. Bis 2014 erwarten die Experten ein jährliches Wachstum von 6 bis 7 Prozent. Die Gewinne dagegen werden 2012 stagnieren, meint Eva Quiroga, Analystin bei UBS, „denn die Unternehmen investieren in künftiges Wachstum“. Als besonders chancenreich gelten Unternehmen mit einer hohen Expertise im Einzelhandel. Denn der Trend geht zum markeneigenen Geschäft. Die Umsätze sind dort in diesem Jahr um 50 Prozent schneller gewachsen als die Verkäufe von Luxusartikeln im Warenhaus. Fast ein Drittel des Absatzes entfällt inzwischen auf die markeneigenen Läden.
„Die Großen werden immer größer“, meint auch Vontobel-Analyst Weber. LVMH griff sich in diesem Jahr Bulgari aus Italien, PPR schluckte Brioni. So wie in der vergangenen Krise von 2008/2009 könnten unter den Herstellern jetzt als erstes die Anbieter von Schmuck und teuren Uhren leiden, glauben Analysten, denn Ausgaben von etlichen tausend Euro pro Stück kommen in der Krise eben schneller auf den Prüfstand als der Erwerb etwa einer Lederhandtasche.
Die Luxusgüterbranche muss freilich differenziert betrachtet werden, weil sie so vielfältig ist. Mitte Dezember ging der amerikanische Modedesigner Michael Kors an die New Yorker Börse. Seither ist der Aktienkurs um knapp 10 Prozent gestiegen. Die Lage in den Vereinigten Staaten sei gar nicht schlecht, berichtete Francesca Di Pasquantonio, Analystin der Deutschen Bank, nach einer Amerika-Tour Anfang Dezember. Seit dem Sommer hätten die Hersteller zwar Notfallpläne für eine Rezession erarbeitet, doch „wir haben das Gefühl, dass die Unternehmen für 2012 zuversichtlich sind und ihre Verkaufsflächen sowie die Produktpaletten ausweiten wollen. Die Stimmung unter den Investoren dagegen ist auf Europa fokussiert und negativ“, notierte Di Pasquantonio.
Die Analysten wollen dennoch an ihre Hoffnungsträger an der Börse glauben. Vontobel-Experte Weber etwa empfiehlt Swatch, weil der Konzern nach einer Regulierungsreform in der Schweiz jetzt weniger Uhrwerke zu Niedrigpreisen an kleine Konkurrenten liefern muss. Außerdem rät er zur Aktie von Hugo Boss, die in den vergangenen zwölf Monaten immerhin um 8 Prozent zugelegt hat. Denn die Männer seien als Konsumenten von Luxusgütern im Kommen. Besonders der chinesische Markt ist männlich dominiert; rund drei Viertel des Umsatzes oder umgerechnet 23 Milliarden Euro gehen dort auf Männer zurück. Gerade im Modesegment habe die Bekleidungsindustrie für Männer gegenüber dem hoch entwickelten Geschäft für Frauen noch viel Potential zum Aufholen, teilte kürzlich die Boston Consulting Group mit. „Am besten sind in China Unternehmen mit breitem Angebot für Männer positioniert, für mich sind das vor allem Richemont und Swatch“, sagt UBS-Analystin Quiroga, „doch die Frauen werden immer wichtiger, davon profitieren Gucci und LVMH.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |