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EADS Größere Chancen auf Tankflugzeug-Auftrag

12.08.2008 ·  Boeing droht, sich aus der Ausschreibung um den umstrittenen Milliarden-Auftrag der amerikanischen Luftwaffe zurückzuziehen. Diese Aussicht lässt den Aktienkurs des europäischen Konkurrenten kräftig steigen. Nun sollen sich Vertreter der beiden Unternehmen im Pentagon treffen.

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Bekommt EADS doch noch den milliardenschweren Auftrag der amerikanischen Luftwaffe? Jede Menge Anleger wollen zumindest daran glauben, dass der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern doch noch den umstrittenen Tankflugzeug-Auftrag bekommt. Bei diesem Auftrag geht es um 40 Milliarden Dollar und ganz viel Prestige.

Die Aktie der in den Niederlanden registrierten Gesellschaft, die auch im M-Dax notiert ist, tendierte am Dienstag um 3,6 Prozent fester bei 15,66 Euro. Boeing dagegen registrierte im europäischen Aktienhandel leichte Kursverluste.

Angeblich - dies berichtete zumindest das Fachmagazin „Aviation Week“ - hat der Konkurrent Boeing das Interesse an dem Auftrag verloren. Dabei machte das amerikanische Verteidigungsministerium Anfang Juli auf Druck des amerikanischen Flugzeugherstellers einen Rückzieher und beschloss, wegen Mängeln den Auftrag neu auszuschreiben. Boeing hatte die Ausschreibung erfolgreich angefochten. Daraufhin verzeichnete die EADS-Aktie schwere Kursverluste, die den Titel bis auf ein Jahrestief von 10,70 Euro drückte.

Ermittlungen gegen EADS-Manager belasten zusätzlich

Die neue Ausschreibung des Auftrags für 179 Tankflugzeuge, der ursprünglich an EADS und den amerikanischen Partner Northrop Grumman ging, erfolgte in der vergangenen Woche. Der Auftrag hat ein Volumen von rund 40 Milliarden Dollar (27 Milliarden Euro). Interessenten müssen ihre Gebote bis zum 1. Oktober einreichen. Boeing hält diese Frist laut „Aviation Week“ für zu kurz bemessen. Das Unternehmen wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren.

Neben der neuen Ausschreibung dieses Prestigeauftrags wird die EADS-Aktie allerdings zusätzlich dadurch belastet, dass die französische Justiz derzeit gegen verschiedene Manager des Konzerns ermittelt und unklar ist, inwiefern die Ergebnisse auf das Unternehmen zurückfallen könnten.

Noch am heutigen Dienstag sollten die Konkurrenten in Washington Vertreter des amerikanischen Verteidigungsministeriums treffen und zur Neuauflage des Auftrags Stellung beziehen. Boeing sieht sich dem Bericht zufolge, durch die Ausschreibungsbedingungen benachteiligt. Boeing könnte jedoch mit einer solchen Drohung laut Beobachtern auch nur mehr Zeit gewinnen wollen.

Pentagon macht Größe zum Kriterium

In der Neuauflage des Auftrages machte das Pentagon zu einem entscheidenden Kriterium, wie viel Sprit das Flugzeug transportieren kann. Weil das EADS-Flugzeug größer ist, sieht sich Boeing hier im Hintertreffen. Zugleich ist jedoch der Wechsel zu einem größeren Typ für den amerikanischen Hersteller angesichts des straffen Zeitplans schwierig.

Boeing prüft daher der „Aviation Week“ zufolge den kompletten Rückzug aus dem Vergabestreit. Andere Medien spekulieren, der amerikanische Hersteller wolle mehr Zeit für ein komplett neues Angebot gewinnen und die Entscheidung bis ins nächste Jahr verzögern, wenn eine neue amerikanische Regierung im Amt ist. Das Pentagon hatte dagegen eine endgültige Vergabe bis Jahresende angekündigt.

Weniger Aufträge im zivilen Bereich

Sollte EADS den Auftrag tatsächlich erhalten, wäre dies natürlich auch für die weitere Beurteilung der Aktie von großer Bedeutung. Allerdings wird der Tankflugzeug-Auftrag kaum andere Belastungsfaktoren ausgleichen, die derzeit auf der Aktie lasten.

Die Gewinnentwicklung des Konzerns wird entscheidend auch davon abhängen, wie sich das zivile Geschäft entwickelt. So verdichten sich die Hinweise, dass zahlreiche Fluggesellschaften angesichts der schwächeren Konjunktur in der Branche zunächst weniger neue Maschinen ordern werden.

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