29.08.2005 · Die deutsche Ricardo.de ging auf dem Online-Auktionsmarkt in Deutschland unter. Unter dem Dach von QXL bahnt sich jetzt eine Renaissance an - allerdings bestimmt nicht im Ebay-Territorium Deutschland.
Einst war Ricardo.de die deutsche Hoffnung auf dem Markt der Internet-Auktionshäuser. Doch gegen den Erfolg von Ebay war kein Kraut gewachsen. Schließlich endete das Unternehmen zu 90 Prozent im Schoß des britischen Online-Auktionshauses QXL, zu dem es noch den Zweitnamen beisteuern durfte, bevor es sich letztlich in die Schweiz zurückzog.
Die Hoffnungen, die Anleger auf Ricardo.de oder später QXL Ricardo setzten, hat das Unternehmen bislang nicht wirklich einlösen können. Mit einem Umsatz von 7,17 Millionen Pfund (10,5 Millionen Euro) im vergangenen Geschäftsjahr konnte das Unternehmen zwar den Umsatz um immerhin 64 Prozent steigern. Doch zum Vergleich: Ebay hat im vergangenen Quartal (!) einen Nettogewinn (!) von 291,6 Millionen Dollar (236,8 Millionen Euro) erzielt.
Wende erst einmal geschafft
Nichtsdestoweniger die Hoffnungen keimen immer wieder aufs Neue auf - aus welchen Gründen auch immer. Im Januar 2004 kam es beispielsweise zu einer sagenhaften Kursexplosion von 376,2 Prozent. Grund war die Abwendung des Konkurses. Seit Ende des vergangenen Jahres läuft die Aktie mittlerweile wieder nach oben und ist von seinerzeit 4,33 Euro auf sage und schreibe 70,50 Euro geklettert. Das bedeutet ein Kursplus von 1.528 Prozent.
Die Anleger faszinieren derzeit mehrere Dinge. Das eine ist die geschäftliche Entwicklung. Diese geht eindeutig aufwärts. Neben dem deutlichen Umsatzanstieg, nachdem dieser im Jahr davor noch praktisch stagniert hatte, hatte sich im vergangenen Jahr auch die Gewinnsituation deutlich verbessert. Mit einem Verlust nur noch drei Pence je Aktie nach 50 Pence im Jahr davor schlug das Unternehmen endlich den lang ersehnten Weg in Richtung Profitabilität ein.
Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres gelang QXL Ricardo praktisch die Sensation: Mit einem Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 71 Prozent auf 2,52 Millionen Pfund gelang es trotz deutlich höherer Marketingaufwendungen einen Reingewinn von 1,65 Millionen Pfund und damit 84 Pence je Aktie zu verbuchen.
Keine Konkurrenz mit Ebay
Mancher mag das auf eine Ausweitung des Geschäftsmodells zurückführen. Derzeit entwickelt Ricardo.ch, Tochter von Ricardo.de, wiederum eine 90 Prozent-Tochter von QXL Ricardo, für den Versicherer Winterthur ein System zum Online-Verkauf von Kraftfahrzeugen.
Doch die Umsatzentwicklung stammt nicht aus diesem Nebenerwerb. Vielmehr hat sich das Unternehmen mittlerweile darauf konzentriert, Ebay eher aus dem Weg zu gehen und betreibt Websites unter anderem in Großbritannien, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Schweden. In Norwegen, Dänemark und der Schweiz ist man sogar Marktführer. „Man kann auf professioneller Basis eine Auktions-Plattform nur als Markführer gewinnbringend betreiben“, sagen Branchenkenner.
Ärger hat QXL Ricardo dagegen in Polen. Dort kaufte man im Jahr 2000 die größte nationale Auktions-Website. Doch drei Jahre später führte die Tochter im Zuge der Umstellung des Gesellschaftskapitals auf EU-Erfordernisse eine Kapitalerhöhung durch, bei der die Alteigentümer QXL praktisch ausbooteten und 92 Prozent von QXL Ricardo Poland plötzlich anderen Investoren gehörten. Seitdem laufen Prozesse mit insgesamt ungewissem Ausgang.
Mit ungewöhnlich verlaufenden Übernahmen hat man bei QXL Ricardo indes Erfahrung. Denn diese sind der zweite Grund für den Kursanstieg. Gleich zwei Investorengruppen hatten in diesem Jahr versucht, das Unternehmen zu übernehmen und sich gegenseitig hoch getrieben. Am Schluß waren QXL Ricardo - und vor allem die Aktionäre - der lachende Dritte. Eine der Gruppen machte einen kompletten Rückzieher, während der andere, Florissant, weniger als 30 Prozent des Aktienkapitals für sich gewinnen konnte. Die Investoren haben sich jetzt dazu durchgerungen, das Unternehmen gewähren zu lassen.
Das Bietergefecht machte aber auch einen weiteren Investor auf das Unternehmen aufmerksam und so stieg die israelische Izaki Gruppe bei QXL Ricardo ein und hält nun knapp 27 Prozent des Kapitals. Offenbar ist das institutionelle Interesse an QXL Ricardo ohnehin nicht schlecht. Dritt- und viertgrößte Aktionäre sind die Deutsche Bank und die Credit Suisse (Mutter von Winterthur), die 4,7 bzw. 3,8 Prozent am Unternehmen halten.
Bewertung schwer feststellbar
Die Bewertung von QXL Ricardo ist nach dem jüngsten Geschäftsverlauf etwas schwierigen festzustellen. Die letzte Analystenprognose von „Evolution Securities“ rechnete mit einen Gewinn je Aktien von 26,2 Pence. Dieses Ergebnis wurde im ersten Quartal schon weit übertroffen. Unterstellt man, daß es bei den erwirtschafteten 84 Pence bliebe, so ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 57. Indes läuft nach den Worten von QXL-Chef Mark Zaleski das Geschäft in der zweiten Hälfte des Jahres am besten. Rechnet man das Ergebnis des ersten Quartals einfach auf das Jahr hoch, so ergibt sich ein KGV von 14,3. Das klänge schon richtig annehmbar.
Das scheinen auch die Bewertungen zu sein, mit denen der Markt eher rechnet. Denn über die charttechnische Entwicklung der vergangenen zwölf Monate läßt sich nicht meckern. Sicher - vom Allzeithoch von 2,235 Millionen (!) Pence ist der Wert etwas entfernt - aber man will ja das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Durch die zwei Jahre lange, praktisch lineare Entwicklung des Wertes lassen sich auch keine sinnvollen Widerstände aus der Vergangenheit ableiten.
Insofern ist auch die QXL Ricardo-Aktie derzeit eine Spekulation auf eine bessere Zukunft, die sich momentan abzuzeichnen beginnt. Riskant ist das allemal. Auch weiß man nicht, welche strategischen Pläne Finanzinvestoren und Banken haben. Weiteren Aufschluß über den tatsächlichen Weg werden jedenfalls die nächsten Quartalsergebnisse bringen, die für Oktober erwartet werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 9.004,30 | +0,64% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |