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Kohle- und Ölaktien : Was ist dieser Dreck wert?

Ein Kohlekraftwerk in Grevenbroich, Nordrhein-Westfalen. Aus den Kühltürmen kommt Wasserdampf, das austretende Kohlendioxid ist unsichtbar. Bild: Westend61 RM / vario images

Mit Kohle-, Gas- und Ölaktien wollen viele Anleger nichts mehr zu tun haben. Wenn das mal kein Fehler ist. Drei Szenarien für die Zukunft der Rohstoffaktien.

          Es gibt einen neuen Konsens unter Großinvestoren. Er lautet: Finger weg von Aktiengesellschaften, die mit Kohle, Öl oder Gas ihr Geld verdienen. Im Frühsommer war es zunächst der norwegische Staatsfonds, der erklärte, in Zukunft nur noch in Ausnahmefällen in solche Unternehmen zu investieren.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Pünktlich zum Beginn des Pariser Klimagipfels hat auch der Versicherungskonzern Allianz werbewirksam angekündigt, innerhalb der nächsten sechs Monate seine Anteile an allen Firmen zu verkaufen, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle erzielen oder die mehr als 30 Prozent ihrer Energie mit Kohle erzeugen. Das mag im Einzelfall eine knifflige Rechenoperation sein, ändert aber nichts an dem allgemeinen Trend: Investoren mit viel Einfluss und viel Geld (allein die Allianz verwaltet Anlagegelder in Höhe von 630 Milliarden Euro) wollen von Kohle- und Ölfirmen nicht mehr viel wissen.

          Dies freut natürlich viele Umweltaktivisten, die seit Jahren gegen solche Investments wettern. Sind die Großanleger nun also zur grünen Sache übergelaufen? Sicher nicht. Lukrative Investmentchancen, davon darf man getrost ausgehen, lassen Anleger dieses Kalibers nicht einfach so aus moralischen Gründen liegen. Nein, sie handeln in aller Regel nur dann, wenn sie eine große Gefahr heraufziehen sehen: dass sie in Zukunft mit einem Investment viel Geld verlieren könnten.

          Diese Sorge ist gerade mit Blick auf Kohle- und Ölfirmen gestiegen, seit ausgehend von Großbritannien (dem Sitz vieler Ölkonzerne) eine ungewöhnliche These immer mehr an Popularität gewinnt. Im Englischen hat sich dafür der schöne Name „stranded assets“ eingebürgert, was im Deutschen wesentlich weniger elegant mit „gestrandete Vermögenswerte“ übersetzt wird.

          „Stranded assets“

          Der Grundgedanke dahinter ist spektakulär: Kohle, Gas und Öl (auch als fossile Brennstoffe bezeichnet) sind, so das Argument, gar nichts oder zumindest nur noch sehr wenig wert, weil sie sich nicht mehr zu Geld machen lassen. Was zunächst kaum glaubhaft klingt: Schließlich galten Rohstoffkonzerne aller Art an der Börse lange Zeit als sichere Wette. Doch folgt man den Anhängern der „Stranded assets“-These, ist diese Zeit unwiederbringlich vorbei. Klimawandel und Treibhauseffekt, so führen sie ihr Argument weiter, machen es unmöglich, alle Brennstoffe auch wirklich zu fördern, die in der Erde lagern – sonst geht das Weltklima daran zugrunde.

          Bild: F.A.Z.

          Sollten also beispielsweise in Paris wider Erwarten harte Klimaschutzmaßnahmen beschlossen werden, würde dies einen Teil der Öl- und Kohlereserven in den Bilanzen der Rohstoffkonzerne wertlos machen. In die Sprache der Finanzmärkte übersetzt, heißt das: Trotz der teilweise drastischen Kursverluste der jüngeren Vergangenheit sind solche Unternehmen immer noch hoffnungslos überbewertet. Ergo sollte man sie so schnell wie möglich verkaufen.

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