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Dow-Jones-Index fällt um mehr als 500 Punkte Stärkster Kurssturz seit dem 11. September 2001

15.09.2008 ·  Das Drama um die amerikanischen Investmentbanken Lehman Brothers und Merril Lynch hat Schockwellen an den Börsen ausgelöst. Die Wall Street erlebte einen ihrer schlimmsten Tage seit Jahren. In der letzten Handelsstunde weitete der Dow Jones Index seine Verluste noch einmal kräftig aus.

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Das Drama um die großen amerikanischen Investmentbanken Lehman Brothers und Merril Lynch infolge der Finanzmarktkrise hat weltweit Schockwellen an den Börsen ausgelöst. (siehe auch: Große Pleite - neue Ängste: „Schwarzer Montag“ verschärft Finanzkrise)

Nach deutlichen Kursverlusten an den asiatischen und den europäischen Börsen verbuchten auch die amerikanischen Aktienmärkte eindrucksvolle Kursabschläge. Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte ist am Montag an der New Yorker Börse um mehr als 500 Punkte eingebrochen. Die Wall Street erlebte damit einen ihrer schlimmsten Tage seit Jahren. In der letzten Handelsstunde weitete der Dow Jones Index seine Verluste noch einmal kräftig aus und verlor 4,42 Prozent auf 10.917,51 Zähler. Der amerikanische Leitindex schloss damit auf dem tiefsten Stand seit Juli 2006. Es war zudem der höchste Punkte-Verlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Der marktbreite S&P-500-Index fiel um 4,65 Prozent auf 1.193,53 Zähler.

Die Aktien des weltweit zweitgrößten Versicherers American International Group büßten wegen der Sorgen um die Finanzlage um 60,8 Prozent auf 4,76 Dollar ein. Auch viele andere Finanztitel verbuchten prozentual zweistellige Verluste. Die Titel von Washington Mutual fielen um 27 Prozent. Citigroup-Papiere gaben mehr als 30 Prozent nach, obwohl das Institut angesichts der turbulenten Finanzmärkte noch einmal seine gute Ausstattung mit Kernkapital betonte.

Video: Dax auf Zweijahres-Tief

Unsicherheit lastet auf den Finanzwerten

„Innerhalb von zwei Tagen sind zwei der großen Investmentbanken verschwunden“, sagte Analyst Matthias Jörss von Sal. Oppenheim Jr. & Cie. in Frankfurt. „Das ist eine gefährliche Lage und verstärkt die Unsicherheit, was vor allem auf den schwächeren Finanzwerten lasten sollte. Wir beobachten einen letzten Ausverkauf und ich rechne kurzfristig mit einer weiteren Abwärtsbewegung.“

Bei Versicherungsaktien sorgte die Nachricht, dass der amerikanische Branchenprimus American International Group (AIG) bei der amerikanische Notenbank Federal Reserve einen Überbrückungskredit von 40 Milliarden Dollar beantragt habe, für Abgabedruck. Das hatte die New York Times berichtet. AIG hatte zuvor ein Gebot der Buyoutgesellschaft J.C. Flowers zurückgewiesen, das Flowers die Option zum Kauf der gesamten Versicherungsgesellschaft gegeben hätte.

Ebenfalls auf der Verliererseite standen Bergbau- und Energieaktien. Hier machten sich Preisrückgänge bei Industriemetallen sowie bei Öl bemerkbar. Der Ölpreis fiel am Terminmarkt im Tagesverlauf um bis zu knapp sieben Prozent auf 94,13 Dollar je Barrel der Sorte WTI im Tagestief. Am Abend liegt der Preis bei 96,30 Dollar je Barrel.

Dax auf dem tiefsten Stand seit Oktober 2006

In Asien waren die wichtigsten Börsenplätze in Japan, Hongkong und Südkorea wegen eines Feiertags geschlossen. Doch alle Märkte, die geöffnet waren, rutschten tief in die roten Zahlen. In Indien sanken die Kurse um 3,4 Prozent, in Taiwan um 4,1.

Den deutschen Aktienmarkt hat das Drama um die Investmentbanken stark belastet: Der Deutsche Aktienindex Dax schloss auf dem tiefsten Stand seit Oktober 2006. Im Handelsverlauf war er zwischenzeitlich unter die Marke von 6.000 Punkten gesackt und hatte beim Stand von 5.942,14 Punkten den schwächsten Stand seit September 2006 markiert. Bis Handelsende erholte er sich allerdings und schloss mit minus 2,74 Prozent bei 6.064,16 Punkten. Der MDax mittelgroßer Werte verlor 4,31 Prozent auf 7762,97 Zähler. Der TecDax stand 3,32 Prozent tiefer bei 738,51 Punkten.

Die Papier der Allianz verbilligten sich um 6,11 Prozent auf 103,89 Euro. Neben den negativen Nachrichten um die Investmentbanken Merrill Lynch und Lehman Brothers verwies ein Börsianer auf eine drohende Abstufung der Kreditwürdigkeit für American International Group (AIG) durch die Ratingagentur S&P. Einem Pressebericht zufolge drohten in diesem Fall Mittelabflüsse, die den Versicherer binnen 48 bis 72 Stunden vor dem Aus stehen lassen würden. Die Münchener Rück und Swiss Re wollten zu Gerüchten über eine mögliche Übernsahme des AIG-Rückversicherungsgeschäfts nicht Stellung nehmen. Die Allianz hatte den amerikanische Versicherer am Freitag nach Marktkapitalisierung als weltgrößten Branchenvertreter abgelöst. Die Aktien der Münchener Rück fielen um 5,49 Prozent auf 99,40 Euro. Die im MDax notierten Papiere der Hannover Rück verloren 3,41 Prozent auf 26,37 Euro.

Jenseits der Finanztitel sorgten BASF für Aufsehen. Der Chemiekonzern will seinen Schweizer Konkurrenten Ciba für 50 Franken je Aktie schlucken. Die Offerte bewertet das Chemieunternehmen mit 3,8 Milliarden Euro. Marktteilnehmer äußerten sich in ersten Reaktionen negativ und monierten dabei vor allem den hohen Übernahmepreis. BASF-Aktien verloren 4,15 Prozent auf 36,24 Euro.

Die Aktien der Tui rutschten um 3,71 Prozent auf 11,94 Euro ab. Die Tui-Tochter Tuifly spricht nun offenbar auch mit ihrem früheren Kooperationspartner Air Berlin über einen möglichen Zusammenschluss, da sich ihre Verhandlungen über ein Dreierbündnis mit dem Lufthansa-Ableger Germanwings und der Thomas-Cook-Tochter Condor weiter in die Länge ziehen. Tui, Air Berlin und Lufthansa wollen einen entsprechenden Bericht eines Wochenmagazins zwar nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. „In dieser Branche redet jeder mit jedem“, sagte ein Air-Berlin-Sprecher lediglich.

Lufthansa-Aktien hielten sich mit minus 1,36 Prozent auf 14,84 Euro indes überdurchschnittlich gut. Die britische Fluggesellschaft British Airways ist Kreisen zufolge nicht mehr unter den Bietern für den ÖIAG-Anteil an dem österreichischen Branchenkollegen Austrian Airlines (AUA). Damit befinden sich Lufthansa, Air France-KLM und die russische S7-Airlines auf der Liste der Bieter, die in den Datenraum der AUA gelassen werden.

Continental-Aktien büßten trotz einer Gewinnwarnung lediglich 0,58 Prozent auf 73,50 Euro ein und hielten sich damit überdurchschnittlich gut. Continental wird seine Gewinnziele für das laufende Jahr wegen der nochmals deutlich verschlechterten Rahmenbedingungen in Nordamerika und Europa sowie der unverändert hohen Belastungen durch die gestiegenen Rohstoffkosten verfehlen. Laut Händlern kommt die Nachricht aber nicht überraschend. Wegen des laufenden Übernahmeprozesses durch Schaeffler bewege dies die Aktie nur bedingt.

Im TecDax litten Solon unter einem negativen Analystenkommentar und verloren 7,28 Prozent auf 36,29 Punkte. Goldman Sachs hatte die Aktien von „Neutral“ auf „Sell“ abgestuft. Analyst Mariano Alarco setzte das Papier zudem auf die „Conviction Sell List“ und senkte das Kursziel für die Anteile an dem Solaranlagenhersteller von 46 auf 36 Euro. Alarco begründete die Abstufung mit Sorgen um die Nachfrageentwicklung.

Die Europäische Zentralbank hat angekündigt, den Geldmarkt genau zu beobachten und wieder mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die EZB pumpte am Montag 30 Milliarden Euro zusätzlich in den Markt.

Erhebliche Auswirkungen auf die Realwirtschaft erwartet

„Mit der Insolvenz von Lehman Brothers ist ein Horrorszenario Wirklichkeit geworden“, erklärte ein Kreditanalyst. Trotz der Hinweise in der vergangenen Woche hätten die meisten Investoren nicht wahrhaben wollen, dass die Federal Reserve respektive das amerikanische Finanzministerium das Institut tatsächlich in die Pleite gehen lassen würden.

Darüber hinaus erwartet er erhebliche Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Abzusehen sei ein signifikanter Anstieg der Ausfallraten im Corporate-Bond-Bereich. Aufgrund der Krise werde sich die Liquiditätsversorgung der Unternehmen in Zukunft deutlich einschränken. Der Kreditanalyst rechnet zudem mit einer signifikanten Korrektur der weltweiten Wachstumsraten in den kommenden Quartalen. Eine tiefe Rezession in den Vereinigten Staaten sei dabei nicht mehr auszuschließen.

Darauf deuten die am Nachmittag veröffentlichten amerikanischen Konjunkturdaten hin. Die Industrieproduktion ist im August um 1,1 Prozent gefallen, die Kapazitätsauslastung lag mit 78,7 Prozent unter den Erwartungen und der Empire Manufacturing Bericht enttäuschte mit einem Minus von 7,4 ebenfalls deutlich.

Euro tritt auf der Stelle

Am Montag haben sich im späten Handel die Kursausschläge an den Devisenmärkten in Grenzen gehalten. Nachdem der Euro im frühen Geschäft gegenüber der amerikanische Währung an Boden gewonnen hatte, erreichte er anschließend wieder das Niveau vom Freitag. „Die Wechselkursgewinne des Euro nach dem Antrag auf Chapter 11 von Lehman Brothers sind angesichts der dünnen Volumina im asiatischen Handel zu heftig ausgefallen“, sagte ein Devisenhändler. Unter anderem in Japan hat das Geschäft wegen eines
Feiertags geruht.

Darüber hinaus sei nach dem ersten Reflex auf die Insolvenz der amerikanische Investmentbank wieder der gegenwärtig zu Grunde liegende Trend an den Devisenmärkten in den Vordergrund getreten. „Und der lautet Repatriierung von Vermögenswerten in den Greenback, wodurch der Dollar gestützt wird“, sagte der Marktteilnehmer. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung waren auch die Wirtschaftsdaten am Berichtstag in den Hintergrund getreten.

„Die Schwäche in der Industrie hält schon seit einigen Monaten an und der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe signalisiert, dass dieser Zustand noch eine Weile anhalten könnte“, kommentierten Volkswirte die Daten. Aus charttechnischer Perspektive ist die Gemeinschaftswährung nunmehr im Bereich von 1,4018 Dollar unterstützt. Auf Widerstand trifft sie auf dem Niveau von 1,4220 Dollar. Die Feinunze Gold kostete zum Londoner Vormittag-Fixing 779,25 Dollar, zum Nachmittag-Fixing wurde sie mit 775 Dollar festgestellt.

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25.05.2012 17:45 Uhr
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MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%