Home
http://www.faz.net/-gv7-py7c
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Dividenden-Werte Ohne Kursdynamik ist eine hohe Rendite wenig wert

06.01.2005 ·  Im Zuge der Baisse ist die Dividende wieder verschärft in Mode gekommen, nachdem sie zuvor angesichts enormer Kursgewinne aus dem Blick geraten waren. Eine hohe Dividendenrendite ist aber nur dann gut, wenn auch der Trend stimmt.

Artikel Bilder (6) Lesermeinungen (0)

Von 1998 bis ins Jahr 2000 kümmerte sich kaum ein Anleger um die Höhe der Dividende. Die Ausschüttung war für sie nicht interessant angesichts des Höhenflugs vieler Aktien in Zuge der kräftigen Hausse. Doch nach dem Rausch kommt häufig ein heftiger Kater: Gerade Besitzer von Technologieaktien wissen ein garstig Lied davon zu singen. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung ist in den vergangenen drei Jahren die Dividende wieder verschärft in Mode gekommen - nach dem Motto: Nur Bares ist Wahres. Davon zeugt der binnen kurzer Zeit stark angeschwollene Mittelzufluß zu und der Erfolg von Aktienfonds, die auf Titel mit einer gemessen am Kurs hohen Ausschüttungsquote setzen und vermehrt angehoben werden (Erfolg der Dividenden-Fonds zieht Nachahmer an).

Und dieser Trend dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen. Denn Aktienstrategen rechnen nicht mit großen Kurszuwächsen an der Wall Street oder an den klassischen europäischen Börsen. Vielmehr wird mit einem Jahresplus von im Schnitt rund zehn Prozent gerechnet. Wenn eine Aktie eine Dividendenrendite von vier oder fünf Prozent abwirft, gleicht sie schon der halben Miete - oder anders gesagt: bringt einen namhaften zusätzlichen Ertrag. Deshalb rechnen Aktienstrategen mit einer Renaissance von Dividendenwerten (Wie der Dow auf den Hund kommt).

Allerdings ist Vorsicht geboten. Denn manche Aktien weisen eine hohe Dividendenrendite nicht deshalb auf, weil die Ausschüttung so atmenberaubend ist. Der Grund ist vielmehr ein deutlicher Kursverlust.

Schlechte Beispiele für hohe Dividendenrenditen: GM und Medion

Beispiel: General Motors hat im vergangenen Jahr 25 Prozent an Wert eingebüßt. So kommt der Titel bei einem Kurs von gut 39 Dollar nun auf eine Dividendenrendite von 5,1 Prozent. Gemessen am Zwölfmonatshoch von gut 55 Dollar errechnen sich bei einer Ausschüttung von zwei Dollar lediglich 3,6 Prozent. Angesichts der Talfahrt des Kurses sind die zwei Dollar je Anteilsschein ein schwacher Trost.

In deutschen Landen fällt der Computeranbieter Medion im MDax mit einer Dividendenrendite von 4,4 Prozent auf. Das Dumme ist nur: Der aktuelle Kurs von 15,60 Euro liegt Lichtjahre vom 52-Wochenhoch von 37,60 Euro entfernt. Auf diesen Wert bezogen, ergibt sich aus einer Ausschüttung von 70 Cent je Anteilsschein eine Dividendenrendite von nur 1,86 Prozent. Eine Größe, die im MDax nicht weiter auffällt.

Eine beachtliche Ausschüttung an sich ist auch dann kein Kaufgrund, wenn daraus eine atmenberaubende Quote folgt, wie bei Atoss Software. Das Unternehmen hat für 2003 je Aktie 1,50 Euro ausgeschüttet. Gemessen am derzeitigen Kurs von 10,05 Euro ergibt dies eine Dividendenrendite von fast 15 Prozent. Der Haken: Atoss zahlte zuletzt eine Sonderleistung. 1,50 Euro als Dividende wird es für 2004 nicht geben, wie ein Unternehmenssprecher zu FAZ.NET sagte. Wäre auch merkwürdig: Analysten rechnen mit einem Gewinn je Aktie von etwa 24 Cent.

Gute Beispiele für nachhaltig hohe Dividenden: Euroshop, MPC...

Folglich ist darauf zu achten, ob eine Dividende nachhaltig gezahlt wird und keine Eintagsfliege darstellt. Und in dieser Hinsicht finden sich unter deutschen und europäischen Aktien einige gute Beispiele. Unter den Dax-Unternehmen stechen die Versorger Eon und RWE hervor, die auf Dividendenrenditen von rund drei Prozent kommen und steigende Ausschüttungen aufweisen. Gleiches gilt im MDax für MPC Capital: Für 2003 wurden drei Euro gezahlt, woraus eine Rendite von gut 5,5 Prozent folgt, für 2004 sind vier Euro versprochen, woraus 7,2 Prozent folgen.

Auch im MDax findet sich mit der Deutschen Euroshop der deutsche Dividendenkönig. Die von Anfang an geleistete Ausschüttung von 1,92 Euro, die auch das nächste Mal fließen wird, läuft auf eine Rendite von fünf Prozent heraus - und die ist steuerfrei: „Dividenden, die an in Deutschland ansässige Aktionäre gezahlt werden, unterliegen bei diesen normalerweise der Einkommen- oder Körperschaftsteuer. Ausnahmen gelten unter bestimmten Voraussetzungen für Dividendenzahlungen, die steuerlich als Eigenkapitalrückzahlung gelten. Die Dividende der Deutsche Euroshop erfüllt diese Voraussetzung“, heißt es auch der Homepage der Firma.

...sowie Enel und Lloyds TSB

Stake Dividendenzahler sind auch der italienische Versorger Enel und der britische Finanzdienstleister Lloyds TSB. Enel hat zuletzt regulär 33 Cent je Aktie gezahlt und bietet damit eine Rendite von aktuell 4,6 Prozent. Dazu zahlte Enel eine Sonderleistung von 25 Cent aus dem Gewinn, der aus dem Verkauf der Netztochter Terna folgte. In der Summe ergibt das eine Dividendenrendite von 8,2 Prozent. Auch für die Zukunft hat Enel hohe Ausschüttungen versprochen.

Gleiches ist von Lloyds TSB zu erwarten, die eine Dividendenrendite von 7,25 Prozent bei einem Kurs von 6,80 Euro und eine Ausschüttung von 34,2 Pence (rund 48 Cent) bietet. Seit 1998 ist die Dividende schrittweise von 22,2 Pence gestiegen. Analysten wie jene von Helaba Trust rechnen angesichts der guten Ertragslage von Lloyds TSB mit Dividenden in mindestens gleicher Höhe.

Hohe Rendite bei steigenden Kursen

Dividendentitel sind besonders dann attraktiv, wenn zu einer nachhaltig hohen Ausschüttung auch ein steigender Kurs kommt. Dies ist in den vergangenen Monaten bei der Deutschen Euroshop und Enel, die beide in Rekordhochnähe rangieren, der Fall gewesen sowie bei den Banken ABN Amro, Fortis und ING. Diese Titel kommen auf Dividendenrenditen von 4,8, 4,4 und 4,3 Prozent, und angesichts der guten Geschäfte erwarten Analysten weiter attraktive Ausschüttungen. Enel und Fortis erfreuten im vergangenen Jahr mit einer herausragenden Kursentwicklung im EuroStoxx50. Bei ihnen stimmt also auch der Trend, ebenso bei ING und seit neuerem auch bei ABN Amro, sie bleiben mithin attraktiv.

Dagegen ist der Kurs von Lloyds TSB nach einer Talfahrt erst im Dezember angesprungen, und MPC läuft seitwärts bei leicht fallender Tendenz; allerdings dürften Anleger bei diesem Finanzdienstleister nach der tollen Rally im Jahr 2004 nun Gewinne mitnehmen und auf die Prognose für dieses Jahr warten. Wenn die Vorhersage gut ausfällt, dürfte wieder frisches Kapital in den Titel fließen und von neuem anschieben. Grundsätzlich gilt eine hohe und nachhaltige Dividende als Ausweis eines recht geringen Kursverlustrisikos.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%