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Dividenden Vorsicht Falle!

Deutschlands Unternehmen schütten Milliarden an die Anleger aus. In unsicheren Börsenzeiten ist das verlockend. Doch der Geldregen hat seine Tücken.

© dapd Vergrößern BASF: Substantielle Rendite ohne Substanzverzehr

Es klingt nach einer wirklich guten Nachricht: Rund 27 Milliarden Euro werden die 30 Dax-Unternehmen bis Ende Mai an ihre Aktionäre ausschütten - dies ist der zweithöchste Wert seit 2007. In turbulenten Börsenzeiten ist der Geldregen Anlegern sehr willkommen. Sorgt er doch scheinbar für das, was zuletzt an den Aktienmärkten verlorenging: Berechenbarkeit. Auch der Investmentbranche kommt die Zeit der hohen Dividenden zupass: Endlich hat sie wieder ein Anlagethema gefunden, das sich gut vermarkten lässt. Dividendenpapiere sind der Renner der Saison.

Doch so groß die Verlockung auch sein mag: Blind auf den Geldregen vertrauen sollten Anleger nicht. Die Gefahr eines Fehlgriffs ist hoch, überall lauern Fallen. „Bei der Auswahl können Investoren schnell danebenliegen“, sagt Berndt Maisch. Er kennt die Dividendenfallen genau: Schließlich ist es sein Job, als Manager des Aktienfonds LBBW Dividenden Strategie Euroland, solche Tücken möglichst zu umschiffen.

Falsche Wahl

Der größte Fehler, der unerfahrenen Börsianern unterlaufen kann: Sie kaufen Aktien, die zwar momentan eine attraktive Ausschüttung versprechen, die aber nicht jährlich eine höhere Dividende zahlen - und die Ausschüttung manchmal sogar ausfallen lassen.

Bestes Beispiel dafür war in den vergangenen Jahren die Aktie der Lufthansa: Für das Geschäftsjahr 2007 zahlte der Flugkonzern noch 1,25 Euro pro Aktie. Für 2009 dann auf einmal gar nichts, für 2010 waren es wieder 60 Cent. Bei der aktuellen Ausschüttung wird der Betrag nun wieder auf 25 Cent je Aktie sinken - für Dividendenjäger ein Desaster.

“Bei Papieren, die stark von der Konjunktur abhängig sind, ist darum Vorsicht angesagt“, warnt Fachmann Maisch. Stattdessen zählt Kontinuität: Stetige, leicht steigende Ausschüttungen sind besser als ein ständiges Auf und Ab.

Kein Substanzverzehr

Doch wie können Anleger solche Aktien erkennen? Schließlich lässt sich nicht im Vorhinein feststellen, ob ein Unternehmen auch im nächsten Jahr eine Dividende zahlen wird. Aber es gibt Indizien.

“Ein Unternehmen darf seine Ausschüttungen nicht aus der Substanz bestreiten“, sagt Alexander Daniels, Vorstand der Hamburger Vermögensverwaltung Knapp Voith. Was er meint, wird mit Blick auf die Aktie der Deutschen Telekom klar: Zwar ist die aktuelle Dividende mit 0,70 Euro je Aktie vergleichsweise niedrig.

Aktien mit Top-Prognosen © F.A.Z. Bilderstrecke 

Hochgerechnet auf alle Telekom-Aktien jedoch ergibt sich eine gewaltige Belastung für den Bonner Konzern: Er reicht fast seinen kompletten Gewinn an die Anteilseigner weiter. Die Aktionäre sollen bei Laune gehalten werden. Der Preis dafür aber ist hoch. „Damit beschneiden Unternehmen radikal ihre Investitionsmöglichkeiten“, kritisiert Vermögensverwalter Daniels.

Die Tücke der Rendite

Besser hat dies beispielsweise der Chemieriese BASF gelöst. Er schüttet komfortable 2,50 Euro pro Aktie aus. Im Unterschied zur Telekom kann sich BASF dies leisten, der Konzern hat ein Rekordjahr hinter sich: Er reicht nur etwa 37 Prozent seines Gewinns weiter.

Es gibt aber auch eine Falle, in die selbst erfahrene Anleger leicht tappen: Sie kann zuschnappen, wenn Investoren die Dividendenrendite als Auswahlkriterium heranziehen.

Dies ist zwar im Prinzip eine gute Idee. Denn hinter dem Begriff verbirgt sich das Verhältnis von Dividende und aktuellem Kurs - so lassen sich die Ausschüttungen besser vergleichen. Allerdings müssen Anleger auch hier genau hinschauen.

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Mit Blick auf die aktuelle Dividendenrendite zählen nämlich zwei Konzerne zu den Spitzenreitern, die ihre Ausschüttungen zuletzt knapp hielten: der Energieversorger Eon und überraschenderweise die Deutsche Telekom.

Der Grund für die vermeintlich gute Bewertung ist simple Mathematik: Die Kurse beider Werte sind in den vergangenen zwölf Monaten klar zurückgegangen. Und genau diese Verluste treiben die Rendite trotz geringer Ausschüttung nach oben. Die scheinbare Stärke ist also nichts anderes als eine Kursschwäche. Das ist das Wesen einer Falle: Sie schnappt immer gerade dann zu, wenn keiner damit rechnet.

Quelle: F.A.S.

 
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