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Dividenden Meistens geht der Aktionär leer aus

29.05.2007 ·  Nicht einmal 40 Prozent der deutschen Unternehmen zahlen Dividende. Das ist nach Berechnungen von Aktionärsschützern deutlich weniger als im Schnitt der vergangenen Jahrzehnte. Nur die Dax-Konzerne sind spendabel.

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Etwas mehr als 60 Prozent der deutschen Aktiengesellschaften schütten für das Geschäftsjahr 2006 keine Dividende an ihre Aktionäre aus. Dieser Wert liege weit über dem Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte, teilte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag in Frankfurt mit. Gerade kleinere Unternehmen würden oft über Jahre ihre Anteilseigner nicht am Gewinn beteiligen.

Insgesamt zeigte sich die DSW mit dem Dividendenjahr 2007 – in dem die Ausschüttungen für das Geschäftsjahr 2006 erfolgen – aber zufrieden. Mit 35 Milliarden Euro zahlten die mehr als 1000 Aktiengesellschaften so viele Gewinne an die Aktionäre aus wie nie zuvor. Dieses Ergebnis wird jedoch nur von wenigen, wenn auch besonders starken Schultern getragen: Knapp 80 Prozent der Dividendensumme entfielen auf die Unternehmen des Deutschen Aktienindex Dax.

Viele Tec-Dax-Unternehmen verweigern die Dividende

Die 993 anderen Aktiengesellschaften der DSW-Betrachtung kommen nur auf zusammen gut 20 Prozent. Die meisten von ihnen schütten überhaupt keine Dividende aus, und das meist schon seit Jahren. „Früher hat nur jedes vierte Unternehmen keine Dividende gezahlt, mittlerweile sind es leider 60 Prozent“, sagt Herbert Hansen, Dividendenexperte der DSW. Er sieht darin Nachwirkungen des Neuen Marktes. „Da sind viele Unternehmen an den Markt gekommen, die nicht börsenreif waren und von denen die Aktionäre bis heute noch keine Gewinnausschüttung bekommen haben“, sagt Hansen. Unter den untersuchten 1023 Aktiengesellschaften befinden sich 94 im Insolvenzverfahren.

Die meisten Unternehmen, die keine Dividende ausschütten, notieren in den schwach regulierten Börsensegmenten wie dem Freiverkehr oder dem Entry Standard. Aber auch die oft hochprofitablen Unternehmen des Tec-Dax halten sich mit Gewinnausschüttungen zurück und investieren das Geld lieber in das weitere Wachstum des Unternehmens.

Telekom-Dividende als „Schmerzensgeld“

Mit durchschnittlich vier Cent je Aktie hat sich im Entry Standard zwar die Ausschüttung im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, der Aktionär eines Dax-Unternehmens kann sich jedoch auf durchschnittlich 70 Cent je Aktie einstellen. Im deutschen Leitindex finden sich auch kaum Dividendenverweigerer. Infineon zahlt traditionell nichts, und TUI-Aktionäre warten nach einer Ausschüttung von 77 Cent je Aktie im Jahr 2006 dieses Jahr vergeblich auf einen Eingang auf ihrem Konto. Die Dividende wurde angesichts der schlechten Geschäftslage gestrichen. Dafür haben 25 der 30 Dax-Konzerne ihre Ausschüttungen zum Teil deutlich erhöht.

Den inoffiziellen Titel des Dividendenkönigs heimst die Deutsche Telekom ein, wenn man die hohe Sonderausschüttung der Altana außen vor lässt. Mit 3,5 Milliarden Euro zahlt die Telekom 99 Prozent des Jahresüberschusses an ihre Aktionäre aus. Als „Schmerzensgeld“ für den miserablen Kursverlauf bezeichnete DSW-Geschäftsführer Ulrich Hocker diese Zahlung. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Energieversorger Eon mit einer Dividendensumme von 2,4 Milliarden Euro (50 Prozent des Gewinns) und die Deutsche Bank mit 1,9 Milliarden Euro (35 Prozent).

Dividende als Zeichen für ein ertragreiches Geschäftsmodell

Summa summarum kommen so 28 Milliarden Euro an Dividenden der Dax-Konzerne zusammen, was 41 Prozent ihrer Jahresüberschüsse entspricht. Das ist zwar etwas mehr als die 37 Prozent aus dem Vorjahr, aber immer noch weniger, als es die DSW gerne hätte. „Die großen deutschen Unternehmen sollten die Hälfte ihres Gewinnes an die Aktionäre ausschütten“, sagt Hocker. „Damit lägen wir dann im europäischen Durchschnitt.“ Er führt die vergleichsweise zurückhaltenden Dividenden in Deutschland auf die Dominanz von Eigentümerfamilien in Unternehmen wie BMW oder Henkel zurück. Diese würden das Geld lieber im Unternehmen behalten, um auf Kapitalerhöhungen möglichst verzichten zu können. Bei einer Kapitalerhöhung kommen neue Aktien in Umlauf und reduzieren so den Anteil, den die Altaktionäre am Unternehmen haben.

Grundsätzlich empfiehlt Hocker den Anlegern, sich beim Aktienkauf auf Unternehmen mit traditionell hohen Dividendenzahlungen zu fokussieren. Dies sei ein Zeichen für ein nachhaltig ertragreiches Geschäftsmodell. Tatsächlich haben in der Vergangenheit Aktien mit hohen Dividendenzahlungen auch bei der Kursentwicklung überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Dies zeigt auch der Div-Dax, in dem die 15 dividendenstärksten Dax-Titel vertreten sind. Der Index legt seit Jahren stärker zu als der Dax.

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