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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Dienstleistungen Gegen die Techem-Aktie spricht vor allem die Technik

 ·  Wieder auf Wachstumskurs bei Umsatz und Gewinn ist der Energiedienstleister Techem. Indes befindet sich die Aktie in einem abwärtsführenden Trendkanal. Für einen Ausbruch muß Techem mehr bieten als ordentliche Zahlen.

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Kann das Ablesen von Heizungen überhaupt eine interessante Börsenstory sein? Mitnichten - würde man sagen, wenn da nicht Techem wäre. Die Aktie des Eschborner Energiedienstleister hatte zwar auch ihre Tiefen, gehörte aber auch zu den Börsenstars.

Anfang 2003 auf einem Allzeittief von 5,65 Euro notierend, begann sie eine Bergfahrt, die sie Mitte des vergangenen Jahres auf ein Allzeithoch von 39,99 Euro führte. Allerdings war da schon etwas die Luft raus, im ersten Quartal 2005 hatte der Kurs stagniert, so wie auch in der Zeit seit Erreichen des Allzeithochs.

Erholung nach Schwäche im vergangenen Geschäftsjahr

Das dürfte auch daran gelegen haben, daß der Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. September zu Ende ging, mehr oder weniger stagnierte. Der Umsatz wuchs zwar noch um rund acht Prozent auf 467 Millionen Euro, doch das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit lag mit 71 Millionen nur knapp über den 70,8 Millionen des Vorjahres, und das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging ebenso wie der Jahresüberschuß zurück.

Besser zeigte sich dagegen das erste Halbjahr, das am 31. März zu Ende ging und in dem Techem bei Umsatz und Gewinn wieder zulegen konnte. Die Erlöse kletterten um 12,6 Prozent auf 251,4 Millionen Euro, wie Techem am Donnerstag mitteilte. Das Ebit stieg um 8,3 Prozent auf 45,5 Millionen Euro. Der Halbjahresüberschuß legte sogar um 17,5 Prozent auf 26,2 Millionen Euro zu.

Für den Gewinnanstieg verantwortlich ist nicht zuletzt die Übernahme des Konkurrenten Heimer Concept, den Techem im August für 48 Millionen Euro übernommen hatte.

Umsatzprognose leicht angehoben

Damit sei der Rückgang im ersten Quartal ausgeglichen worden und Techem liege im Plan, das für 2006 geplante Ebit von 97 bis 100 Millionen Euro zu erreichen, teilte der Konzern mit. Alle drei Geschäftsfelder hätten deutliche Umsatzzuwächse verzeichnet. Energy Services, zu denen auch das klassische Ablesen der Heizung gehört, lag mit 6,9 Prozent auf 200,7 Millionen Euro im Plus, Energy Contracting, also das Gebäudemanagement, wuchs um 42,8 Prozent auf 45,7 Millionen Euro. Die Sparte IT Services, in der Techem vor allem die Komplettsoftware für die Immobilienwirtschaft Wodis anbietet, legte um 42,9 Prozent auf fünf Millionen Euro zu. Der internationale Umsatz stieg von 29 auf 30,5 Millionen Euro, gleichermaßen getragen von den Gesellschaften in West- wie in Osteuropa.

Für das Gesamtjahr hob Techem wegen Zukäufen seine Umsatzprognose leicht auf 514 bis 518 Millionen Euro an. Bisher war Techem von einem Umsatz zwischen 510 und 514 Millionen Euro ausgegangen. Günstig wird sich auch auswirken, daß der Kaufpreis für die jüngst übernommene dänische CMS/DMS-Gruppe mit einem Jahresumsatz von 5,6 Millionen Euro aufgrund abschließender Verhandlungen und steuerlich absetzbarer Goodwill-Abschreibungen mit 18 Millionen Euro um vier Millionen Euro geringer ausfällt.

Dagegen könnte für etwas Unruhe sorgen, daß Techem das Ausscheiden von IT-Vorstand Stefan Pattberg bekannt gab, und zwar mit der Begründung unterschiedlicher Auffassungen über die Strategie und Weiterentwicklung des Geschäftes. Die Position des IT-Vorstandes werde bei Techem bis auf weiteres nicht mehr besetzt.

Aktie im Abwärstrend

Die Techem-Aktie ist auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 16,4 bzw. 14,2 für das laufende bzw. das kommende Geschäftsjahr bewertet. Das erscheint alles in allem recht vernünftig zu sein.

Indes hat die Aktie charttechnisch doch einigen Schwung verloren und zwischen Februar und Mai sogar den Rückwärtsgang eingelegt. In Vorfreude auf die Halbjahreszahlen hat die Notierung zwar wieder an Boden gut gemacht, doch sind diese im Endeffekt erwartungsgemäß positiv ausgefallen. Das bedeutet, daß letztlich für den heutigen Tag nicht mehr viel an Kursgewinnen zu erwarten ist.

Die bräuchte das Papier aber, um den Abwärtstrend wirklich zu überwinden. Bislang hat sie es nicht über die Hochs dieses Jahres bei 38,61 und 39,60 Euro genauso wenig hinaus geschafft wie über das Allzeithoch von August. Daher besteht die Gefahr, daß die Aktie weiter im abwärst führenden Trendkanal bleibt und die Notierung auf ein neues Jahrestief unter 34,95 Euro fällt. Besonders die charttechnischen Aspekte sprechen daher zum jetzigen Zeitpunkt gegen ein Engagement in der Techem-Aktie.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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