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Die Wall Street nach den Wahlen Amerikanische Bankaktien unter Druck

An der Wall Street schwindet nach Barack Obamas Wiederwahl die Hoffnung auf eine schwächere Regulierung. Dazu sitzt bald eine scharfe Bankenkritikerin im Senat.

© dpa Vergrößern Des einen Freud, des anderen Leid: Obama feiert seinen Wahlsieg

Das Votum der Börsianer an der Wall Street war eindeutig: Die Aktienkurse der großen Banken gaben am Tag nach den amerikanischen Präsidentschafts- und Kongresswahlen am Dienstag der vergangenen Woche kräftig nach und zogen auch die großen Marktindizes nach unten. Die Kurse haben sich seither auf dem niedrigeren Niveau eingependelt. Die Finanzbranche hatte sich vor den Wahlen mehrheitlich auf die Seite des Wahlverlierers Mitt Romney geschlagen, der die Wall Street als ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Beteiligungsgesellschaft Bain Capital gut kennt. Der wiedergewählte Präsident Barack Obama hatte nach der schweren Finanzkrise vor vier Jahren dagegen ein an der Wall Street unbeliebtes Finanzmarktreformgesetz vorangetrieben.

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Romney hatte sich im Wahlkampf für die Aufhebung dieses sogenannten Dodd-Frank-Gesetzes starkgemacht. „Die Wall Street muss nun herausfinden, wie sie diese Beziehung erfolgreich führen kann“, sagte Glenn Schorr, Bankenanalyst bei der Investmentbank Nomura, zum Verhältnis der Finanzbranche zur amerikanischen Regierung. „Das ist nicht unmöglich, aber es ist nicht der Ausgangspunkt, auf den sie gehofft hatte.“ Gemessen am Branchenindex KBW Bank Index, haben die amerikanischen Banken in den vergangenen fünf Tagen knapp 4 Prozent ihres Börsenwertes eingebüßt. Der Dow-Jones-Index, der 30 große amerikanische Standardwerte abbildet, ist dagegen nur um rund 2 Prozent gefallen.

Infografik / Die Wall Street eine Woche nach der Wahl © F.A.Z. Vergrößern

Einzelne Banken haben noch deutlichere Kursverluste verbucht. Der Aktienkurs der auf Wertpapiergeschäfte spezialisierten Bank Morgan Stanley ist um fast 6 Prozent gefallen. Die Titel des größeren Konkurrenten Goldman Sachs sackten um knapp 5 Prozent ab. Die Kurse von Großbanken wie der Bank of America oder Wells Fargo ermäßigten sich ebenfalls um nahezu 5 Prozent. In Europa, wo sich die Aktienkurse seit Anfang Oktober/November kaum bewegt und damit besser als in Amerika entwickelt haben, sind auch Bankaktien weniger belastet. Auf Sicht von drei Monaten ist der europäische Bankaktienindex mit einem Zuwachs um 11 Prozent sogar so stark geklettert wie keine andere Branche.

Die Vorschläge der Liikanen-Kommission laufen, sofern sie in Europa überhaupt verwirklicht werden, nicht darauf hinaus, dass Universalbanken wie die Deutsche Bank ihr Investmentbanking abspalten müssen. Daher gerieten an der Börse nur einige europäische Bankaktien unter Druck, zum Beispiel die Commerzbank. Sie kürzte in der vergangenen Woche ihr mittelfristiges Renditeziel von 12 auf 10 Prozente. Seither hat der Commerzbank-Kurs mehr als 10 Prozent verloren. Gut kam an der Börse dagegen das harte Durchgreifen des UBS-Vorstandes an, der fast 10.000 Stellen im Investmentbanking streicht. Die Aktie der Schweizer Bank stieg daraufhin seit Anfang Oktober um 25 Prozent.

Führende Köpfe reagierten sensibel auf Obama

In Amerika beschränkt dagegen das Dodd-Frank-Gesetz verschiedene einst lukrative Geschäftsbereiche von Banken wie den Eigenhandel mit Wertpapieren. Die genauen Regeln sind von den nachgeordneten Behörden zwar noch nicht alle festgeschrieben. Allerdings schwinden mit der Wiederwahl Obamas, der unter anderem die personelle Besetzung von Aufsichtsbehörden bestimmt, die Chancen auf eine Verwässerung des Gesetzes. Bei den Wahlen im Jahr 2008 hatte die Wall Street Obama noch mehrheitlich unterstützt. Nachdem der Präsident dennoch das Reformgesetz favorisierte und Banker einmal als „Bonzen“ bezeichnete, reagierten führende Köpfe der Branche extrem sensibel. Ein Hedgefonds-Manager sprach von „Klassenkampf“, ein anderer von „kommunistischer Regierung“.

Stephen Schwarzman, der Gründer der Beteiligungsgesellschaft Blackstone, setzte einen ungeliebten Steuergesetzvorschlag mit der Invasion Polens durch Hitler gleich - entschuldigte sich später allerdings für die Entgleisung. Zum Gegenwind für die Banken könnte in den kommenden Jahren auch die Wahl von Elisabeth Warren beitragen, die sich im Bundesstaat Massachusetts im Rennen um einen Senatssitz gegen den republikanischen Amtsinhaber Scott Brown durchgesetzt hatte. Die als scharfe Bankenkritikerin bekannte Professorin der Elite-Universität Harvard hatte zuletzt die neue Verbraucherschutzbehörde aufgebaut, die Teil des 2010 verabschiedeten Dodd-Frank-Gesetzes ist.

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Die Obama-Regierung sah aber von ihrer Nominierung als Leiterin der Behörde ab, da die nötige Bestätigung durch den Senat an der republikanischen Opposition in dieser Kongresskammer zu scheitern drohte. Nun zieht Warren selbst in den Senat ein und gilt als Kandidatin für einen Sitz im Bankenausschuss. „Die Vorstandsvorsitzenden der Wall-Street-Banken - die gleichen Leute, die unsere Wirtschaft zugrunde gerichtet und Millionen von Jobs vernichtet haben - stolzieren immer noch schamlos im Kongress herum, verlangen Gefälligkeiten und tun so, als schulden wir ihnen Dankbarkeit“, hatte Warren in ihrer Rede auf dem Parteitag der Demokraten in diesem Jahr gesagt.

Die amerikanische Handelskammer hatte sie vor der Wahl als die „größte Bedrohung für die freie Marktwirtschaft“ unter allen Kongresskandidaten bezeichnet. Die Republikaner haben bei den Wahlen ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigt, die Demokraten bleiben weiter stärkste Fraktion im Senat. Banken beschäftigen Armeen von Lobbyisten, um Einfluss auf das Dodd-Frank-Regelwerk zu nehmen. An der Wall Street wird damit gerechnet, dass Banken nun mehr rechtliche Schritte unternehmen werden. Wirtschaftsvertreter hatten in jüngsten Auseinandersetzungen vor Gericht erfolgreich argumentiert, dass die Börsenaufsicht SEC die Folgekosten neuer Regularien nicht richtig analysiert hätte.

Quelle: F.A.Z.

 
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