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Hightech aus Aschheim : Die cleveren Jungs von Wirecard

Per Smartphone bezahlen - das ist die Welt von Wirecard. Bild: Wirecard

Mit dem bayerischen Zahlungsabwickler Wirecard bekommt es jeder zu tun, der im Internet einkauft. Der Chef Markus Braun weiß schon jetzt, wie wir in Zukunft Geld ausgeben.

          Technologiekonzerne sind normalerweise eine aufregende Sache. Konsumenten und Anleger sind geradezu elektrisiert, welche Neuerung Apple als Nächstes auf den Markt bringt, in welches Geschäftsfeld Amazon als Nächstes vordringt und wie sich ein Essenslieferant wie Delivery Hero als Börsenneuling schlägt. Weniger öffentliches Aufsehen erregen eine Reihe anderer Technologiefirmen, obwohl sie nicht minder innovativ sind und fortwährend Produkte präsentieren, die im besten Fall auch das Leben von Händlern und Verbrauchern bereichern. Wirecard zum Beispiel tüftelt eher im Verborgenen an neuen Technologien, um das Bezahlen für alle bequemer zu machen. Kein sexy Gewerbe, aber eines mit Zukunft. Denn bezahlt werden muss schließlich immer und immer öfter auch im Internet und mobil.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wirecard hat sich gut eingerichtet im Hintergrund. Der Firmensitz befindet sich fernab von Finanzzentren und Start-up-Schmieden in der Gemeinde Aschheim, östlich von München gelegen, in einem Gewerbegebiet. In unmittelbarer Nähe gibt es ein paar Budgethotels, eine Kfz-Werkstatt und einen vietnamesischen Imbiss. Nicht nur das Unternehmen bevorzugt die Randlage, auch sein Vorstandschef Markus Braun ist keiner, der sich gerne in den Mittelpunkt drängt. Obwohl der 47-Jährige fast ein Drittel seines Lebens Wirecard-Vorstand ist, sind seine öffentlichen Auftritte über die Hauptversammlungen hinaus überschaubar. Interviews gibt er so gut wie gar nicht, seine Leidenschaft für neue Technologien lebt er lieber im Stillen aus. Doch wenn Braun einmal ins Erzählen gerät über die Zukunft des Einkaufens und des Bezahlens, dann ist er so wenig zu stoppen wie der digitale Fortschritt, für den seine Firma seit Jahren steht. „Wir sind eine Art Turbo, extrem innovativ“, sagt Braun in seinem österreichischen Zungenschlag. Der Ehrgeiz, die technischen Möglichkeiten immer weiter voranzutreiben, stecke „in der DNA des Unternehmens“.

          Angefangen hat Wirecard als Zahlungsabwickler

          Derart überschwänglich drücken sich gewöhnlich junge Gründer aus, die sich der Disruption verschrieben haben, die also Geschäftmodelle von Banken, Versicherern und anderen angreifen. Im Prinzip ist auch Wirecard ein Fintech, also eine Firma aus der Finanztechnologie, obwohl die Bayern mit Banken, Kreditkartenfirmen und Einzelhändlern mehr kooperieren als konkurrieren. Doch wer es wagt, das 1999 gegründete Unternehmen als ältestes Fintech Deutschlands zu bezeichnen, der bekommt sofort Widerspruch zu hören. Der Begriff „alt“ passe nicht zu einer Firma, die unermüdlich auf der Jagd nach Neuerungen ist, sagt Braun und wirkt fast ein wenig empört.

          Angefangen hat Wirecard als Zahlungsabwickler, und zwar in einer Zeit, als Online-Shopping nur ein Fremdwort war und sich die meisten Menschen noch gar nicht vorstellen konnten, dass Einkaufen und Bezahlen im Internet gang und gäbe sein würde. Braun und seine Leute zeigten sich unbeeindruckt von den Zweiflern und wetteten auf die Zukunft. Man könne die Menschen nicht zur Technik missionieren, sie müssten selbst die Vorteile erkennen, ist Brauns Credo.

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