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Devisenhandelsplattform 360 T Eine seltene Erfolgsstory am Neuen Markt

 ·  Als am Neuen Markt vor zwölf Jahren die Lichter ausgingen, gründete ein ehemaliger Mitarbeiter der Dresdner Bank mit drei Freunden die Devisenhandelsplattform 360 T. Deren Aktionäre machen heute dank der Übernahme Kasse.

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Als vor zwölf Jahren die Lichter am Neuen Markt auszugehen beginnen, fängt eine neue Erfolgsgeschichte des Finanzplatzes Frankfurt gerade an. „Wir waren mit die letzte Maus, die durch die zufallende Tür des Venture-Capital-Marktes gerutscht ist“, erinnert sich Carlo Kölzer. Der ehemalige Mitarbeiter der Dresdner Bank gründete damals mit drei Freunden 360 T, eine Devisenhandelsplattform vorrangig für Unternehmen. Der oft gemeinsam mit der staatlichen KfW-Bankengruppe Unternehmensgründungen finanzierende Fonds IVC gab fast 2 Millionen Euro. Und nach und nach liehen Kölzer auch vier Dutzend Freunde und Familienangehörige so viel Geld, dass diesen „Kleinaktionären“ 55 Prozent von 360 T gehören. Seit Oktober 2004 macht 360 T jeden Monat Gewinn. Im Oktober 2009 erwarb der Finanzinvestor Brockhaus 16 Prozent von der KfW und stockte nach und nach auf 24 Prozent auf. Nun nutzen viele Aktionäre der ersten Stunde und auch Brockhaus die Chance zum teilweisen Ausstieg: Der amerikanische Finanzinvestor Summit Partners hat ein Übernahmeangebot unterbreitet. Jetzt hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zugestimmt.

Wie hoch der Gewinn ist, mit dem seine Freunde und Familienangehörigen nun aussteigen können, will Kölzer nicht sagen. Der 1972 geborene Vorstandsvorsitzende will keinen Neid wecken. Aber Kölzer lässt keinen Zweifel daran, dass es sich für alle Aktionäre gelohnt hat, 360 T die Treue zu halten. Schließlich habe der Vorstand im dritten Quartal 2011 aus eigenem Antrieb begonnen, nach einem „kapitalstarken, in Amerika beheimateten Partner zu suchen, der dank seiner Kontakte möglicherweise weitere Übernahmen auch von amerikanischen Unternehmen anstoßen kann“.

„Wir wachsen jedes Jahr um 30 Prozent“

Vier bindende Angebote von Finanzinvestoren habe es gegeben, nachdem 360 T im am 30. September beendeten Geschäftsjahr 2010/2011 35,5 Millionen Euro erlöst habe. Summit habe nicht nur „einen attraktiven Preis“, das heißt wohl mehr als einen Jahresumsatz, für das Unternehmen geboten, sondern den „geradlinigsten Eindruck“ gemacht. Dass Summit eine Mehrheit von rund 60 Prozent der Anteile übernimmt, sei nicht von vornherein klar gewesen, sondern habe sich erst später herauskristallisiert. Kölzer ist überzeugt davon, dass der neue Investor, anders als viele Private-Equity-Investoren, nicht groß umstrukturieren wird, sondern das Wachstum von 360 T befördern will. „Wir wachsen jedes Jahr um 30 Prozent und sind hochprofitabel. Warum sollte Summit auch nur einen von unseren 140 Mitarbeitern austauschen“, fragt Kölzer. An 22 Standorten seien sie tätig, sie verbinde trotz 35 verschiedener Nationalitäten eine gemeinsame Arbeitshaltung.

Scott Collins von Summit Partners bestätigt, das Wachstum von 360 T weiter zu unterstützen. „Wir haben das Unternehmen seit geraumer Zeit beobachtet, nicht erst seit unserer Transaktion“, berichtet Collins. „Wir sehen 360 T als wirklich globales Unternehmen, in dem Finanzmärkte, Technologieführerschaft und engagiertes Personal zusammenkommen. Es passt mit seinem schnell wachsenden, hoch skalierbaren Geschäft und dem gut führenden Managementteam genau in unser Anforderungsprofil“, schwärmt Collins.

Stärker nach Amerika und Asien expandieren

So könnte Unternehmensgründer Kölzer recht behalten, wenn er die Erfolgsgeschichte von 360 T für noch nicht am Ende hält. Nach Daten der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) werden 4 Billionen Dollar im Jahr an den Währungsmärkten umgesetzt, argumentiert Kölzer. Nur 11 Prozent erfolgt auf elektronischen Plattformen, nur 1 Prozent des Welthandels läuft über 360 T. Entsprechend groß sei das Wachstumspotential. Denn die Vorteile des „elektronischen Devisenhandels“ lägen auf der Hand: Knapp 1000 Unternehmen nutzen inzwischen die Möglichkeit, ihre Währungen über 360 T zu handeln und gegen Verluste abzusichern. 100 Banken sind als Liquiditätspool dem System angeschlossen und müssen nicht mehr mühsam per Telefon kontaktiert werden. Außerdem herrscht Markttransparenz über den günstigsten Devisenkurs ähnlich wie auf einem Internetportal für das günstigste Hotel oder den schnellsten Flug.

Kölzer hat sich vorgenommen, nach dem im Jahr 2011 erfolgten Einstieg in den Gold- und Silberhandel stärker nach Amerika und Asien zu expandieren und dabei neben Unternehmen und Banken auch Vermögensverwalter, Hedgefonds und Broker-Dealer als Kunden zu gewinnen. Ihnen will er auch neue Produkte wie etwa Devisenoptionen und nicht zu liefernde Terminkontrakte anbieten. Auf die Frage, warum Summit 360 T nicht den Einstieg zu einer Kapitalerhöhung nutze, sagt Kölzer: „Wir sind inzwischen so weit, dass wir unsere Investitionen aus dem laufenden Mittelüberschuss, dem Cashflow, finanzieren.“

Aber geht nicht vom Ausstieg des Finanzinvestors Brockhaus und den Kleinaktionären das Signal aus, dass die Erfolgsgeschichte vorbei sein könnte? „Die Altaktionäre verkaufen nur einen Teil“, stellt Kölzer klar. Auch Marco Brockhaus, Geschäftsführer des Finanzinvestors, betont: „Wir verringern unseren Anteil jetzt von 24 auf etwa 5 Prozent. Aber wird sind überzeugt, dass es mit 360 T, einem unserer besten Investments, erfolgreich weiter geht. Deshalb bleiben wir im Unternehmen investiert, und ich bleibe auch im Aufsichtsrat.“ Auch die Mitarbeiter und das Management reinvestierten 60 Prozent ihrer Anteile, freut sich Kölzer. Das ist in der Tat nicht alltäglich. Wie viele Aktionäre der ersten Stunde der Deutschen Telekom oder anderer vergessener Unternehmen am Neuen Markt würden heute wohl noch mal Geld in diese Unternehmen stecken?

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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