31.07.2002 · Die „Aktie Gelb“ hat ein Problem: Das ruinierte Vertrauen dürfte ihr Aufwärtspotenzial weiterhin wirksam begrenzen.
Die Deutsche Post, das Opfer. Die Entscheidung der EU-Kommission, wonach die Bonner Beihilfen in Höhe von 850 Millionen Euro an den Bund zurückzahlen sollen. Die dafür notwendigen Rückstellungen zehrten den Gewinn „fast vollständig auf“, klagte der Konzern am Mittwoch. Der Nettogewinn lag demnach im ersten Halbjahr bei 155 Millionen Euro. Im Vorjahr verdiente die Post mit gut einer Milliarde Euro fast das Sechseinhalbfache.
Auch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita), die eigentliche Steuergröße der Konzernstrategie, ging zurück: Er lag mit 1,3 Milliarden Euro um rund sechs Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Umsatz stieg dagegen um 15,1 Prozent auf 19,35 Milliarden Euro, was aber vor allem auf die Konsolidierung des Logistikers DHL International zurückzuführen ist. Beide Zahlen lagen im Rahmen der Analystenschätzungen. Dennoch verliert die Aktie Gelb bis 12.11 Uhr deutliche 3,36 Prozent auf 10,34 Euro.
Ausblick rechtfertigt bisheriges Misstrauen
Denn der Ausblick scheint das Misstrauen der Börsianer zu rechtfertigen, die den Titel in diesem Monat schon bis auf ein historisches Verlaufstief von 9,06 Euro heruntergeprügelt hatten.
Für das Gesamtjahr 2002 rechnet die Post nun mit einem Rückgang ihres Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) um zehn bis 15 Prozent. Beim Konzerngewinn werde sich die Brüsseler Beihilfeentscheidung gravierend auswirken, sagte Konzernchef Klaus Zumwinkel. Der Konzernumsatz werde wegen der DHL-Konsolidierung auf knapp 40 Milliarden Euro (Vorjahr 33,4 Milliarden Euro) steigen.
Vertrauen nachhaltig erschüttert
Zu der Last aus der Beihilferückzahlung gesellen sich die Pläne der deutschen Regulierungsbehörde, die im Inland sprudelnden Gewinne aus Monopolpreisen zu beschneiden, die nach Aussage der Post zwischen 2003 und 2007 Umsatzeinbußen von insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro nach sich ziehen würden. Unter Einrechnung dieser Belastungen erwarten die von IBES befragten Analysten derzeit Gewinne, die für 2002 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,2 ergeben; für 2003 ergibt sich ein KGV von 9,2.
Trotz dieser relativ moderaten Bewertung zeigt sich, dass auch die Strategie, die erheblichen Belastungen des Ergebnisses immer auf ungerechtfertigte Eingriffe von außen zurückzuführen, den Aktienkurs nicht zu stützen vermag. Denn das Vertrauen in das Management des gelben Riesen ist nachhaltig erschüttert. Entweder nämlich hat es die Anleger über die zu befürchtenden Einschnitte nicht ausreichend informiert, oder es unterlag selber einer krassen Fehleinschätzung.
Aufwärtspotenzial wirksam begrenzt
Ob der am Mittwoch verkündete Fünf-Punkte-Plan tatsächlich sein erklärtes Ziel erfüllt, „die vernichteten Werte und verlorengegangenes Vertrauen am Kapitalmarkt“ wiederherzustellen, muss bezweifelt werden. Die Kostenpflichtigkeit auf bislang kostenlose Leistungen wie Nachsendungen und Lagerung erscheinen zur Vertrauensbildung ebenso ungeeignet wie Klaus Zumwinkels Ankündigung, künftig „wesentlich aggressiver“ aufzutreten, wenn es darum geht, neue Produkte einzuführen - und das „auch gegen den Widerstand möglicher Interessengruppen“.
Trotz aller Belastungen scheint der Kurs der Aktie Gelb mittlerweile derart ausgebombt, dass sie sich in den kommenden Monaten nicht wesentlich schlechter als der Markt entwickeln dürfte. Das ruinierte Vertrauen dürfte aber auch das Aufwärtspotenzial weiterhin wirksam begrenzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |