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Deutsche Industrie Robuster Maschinenbau überzeugt die Börse

Von Konjunkturknick ist in den Konzernzentralen des Maschinenbaus nichts zu spüren. Die Zuversicht hat inzwischen auch die Anleger überzeugt.

© Dürr Vergrößern Produktion des schwäbischen Lackieranlagenbauers Dürr

Das Misstrauen in der deutschen Industrie gegenüber der Börse wächst, weil selbst Vorstände mit langer Börsenerfahrung über die Kursentwicklungen ihrer Aktien nur noch verständnislos den Kopf schütteln können. Das zeigt sich nirgendwo so deutlich wie im Maschinenbau. Das gesamte Jahr 2011 über versicherten die Hersteller von Getränkeabfüllanlagen, Robotern oder Gabelstaplern gebetsmühlenartig, dass ihre Auftragsbücher sich weiter füllten und eine neue Rezession nicht zu spüren sei. Aber es half nichts, kollektiv rauschten die Kurse von ihren Spitzenwerten im Frühjahr bis zum Spätherbst in den Keller. Die Aktie von Krones etwa sank von fast 60 Euro auf weniger als 34 Euro (minus 44 Prozent), Kuka-Titel gaben 45 Prozent auf knapp 13 Euro nach, Jungheinrich-Papiere fielen ebenso stark auf knapp 19 Euro.

Doch just als im deutschen Maschinenbau erstmals ein leises Unwohlsein über das Jahr 2012 geäußert wurde und der Dachverband VDMA seine Umsatzprognose (plus 4 Prozent in diesem Jahr) ein wenig in Zweifel zog, kamen Maschinenbauaktien wieder stark in Mode. Dabei haben bis heute die wenigsten Unternehmen eine Prognose für 2012 vorgelegt. Allenfalls Tendenzaussagen zum Auftragseingang - das vierte Quartal brachte vielerorts wohl noch ein schwaches Wachstum, das laufende Quartal ist zum Vorjahr in etwa gleich - wurden gemacht.

Schlagartiger Stopp der Bestellungen

Und dennoch gewannen alle Maschinenbauaktien seit Ende November wieder deutlich an Wert, ohne jedoch die Stände vom Frühjahr auch nur annähernd zu erreichen. Das gilt sogar für Titel aus jenen Sparten des weitverzweigten Maschinenbaus, die im Augenblick als Sorgenkinder gelten. Die Aktie des Windanlagenbauers Nordex zum Beispiel kletterte von knapp 3,50 Euro wieder um fast 40 Prozent auf 4,80 Euro, die Papiere des Solarmaschinenbauers Centrotherm gewannen fast 50 Prozent auf 12,80 Euro.

Den Vorständen fehlt das Verständnis für solche Kapriolen, die professionellen Marktbeobachter sehen dagegen keine Widersprüche. „Die Börse hat 2011 auch im Maschinenbau einen wirtschaftlichen Abschwung vorweggenommen und dabei übertrieben“, sagt Tim Albrecht, Fondsmanager der DWS Investments. Entgegen den Befürchtungen laufen die Geschäfte insbesondere in Amerika besser als erwartet, auch Asien weist weiter ein stabiles Wachstum auf. „Dadurch hat der Sektor zum Jahresende gedreht“, sagt Albrecht. „Einige Investoren haben sich die Aktien wieder genauer angesehen und gemerkt, wie niedrig die Bewertungen waren“, ergänzt Gordon Schönell, Analyst im Bankhaus Lampe. Einen schlagartigen Stopp der Bestellungen im Maschinenbau wie in 2009 wird es dieses Mal nicht geben, davon sind nicht nur die Unternehmen sondern inzwischen auch die Anleger überzeugt. „Der deutsche Maschinenbau präsentiert sich derzeit vergleichsweise robust, damit wächst auch die Bereitschaft der Investoren, sich die Werte wieder anzusehen“, sagt Ingo-Martin Schachel, Analyst der Commerzbank.

Infografik / Maschinenbau im Vorteil © F.A.Z. Vergrößern Maschinenbau zieht an

Das gilt insbesondere für jene Konzerne, die eine starke Stellung in Asien und anderen Wachstumsregionen haben. Musterbeispiel dafür ist der Lackieranlagenbauer Dürr, der in 2011 zwischendurch zwar ebenfalls einen Kursrückschlag hinnehmen musste, danach aber viel früher wieder an Schwung gewann. Dürr ist in China stark präsent, heimst einen Auftrag nach dem anderen aus der Autoindustrie ein und hatte im vergangenen Jahr die Ergebnis- und Umsatzprognosen mehrfach kräftig erhöht. Zur Belohnung stieg der Kurs von 23 Euro sukzessive auf mehr als 36 Euro (plus 56 Prozent). Zwei Drittel des Umsatzes macht das schwäbische Unternehmen schon in den Wachstumsmärkten, viele andere Maschinenbauer sind erst noch dabei, ihre Präsenz in China, Indien oder Brasilien auszubauen. Genau das sollte ihren Aktien aber Perspektiven verleihen, heißt es. Anders als viele defensive Titel, die auf ihre Heimatmärkte in Europa fokussiert sind, können die Zykliker des Maschinenbaus nun mit ihrer starken Exportbilanz wuchern.

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Dürr zeigt allerdings auch, dass Maschinenbauaktien häufig unter einem Mangel leiden. Erst als ein Großaktionär seine Bestände vollständig veräußerte, sei das Papier 2011 so liquide geworden, dass sich institutionelle Investoren vermehrt darum geschart haben, sagen Marktbeobachter. Andere Aktien aus der Branche weisen dagegen weiter nur einen geringen Streubesitz auf - entsprechend schnell können sich die Kurse ändern. Als Beispiel gilt die Aktie des Holzmaschinenherstellers Homag, deren Steilflug um gut 25 Prozent erst vor zwei Wochen begann.

Inzwischen seien einige Maschinenbauaktien in ihrer Bewertung schon nicht mehr günstig, warnt Lampe-Analyst Schönell. DWS-Fondsmanager Albrecht ergänzt: „Die Kurse passen mit den Erwartungen für die künftigen Geschäfte jetzt ganz gut überein.“ Aber selbst die Nachricht, dass in China das Wachstum 2012 mit gut 8 Prozent schwächer ausfallen könnte als in den Jahren zuvor, berge viel Potential für die Maschinenbauer. „In absoluten Zahlen ist der Zuwachs dort immer noch größer als in 2011. Da kann für die Unternehmen noch viel Umsatz herausspringen“, resümiert Schönell.

Quelle: F.A.Z.

 
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