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Veröffentlicht: 02.03.2017, 06:26 Uhr

Deutsche Börse Scale soll der bessere „Neue Markt“ werden

Die Deutsche Börse nimmt einen neuen Anlauf, kleine und mittelständische Unternehmen für den Kapitalmarkt zu begeistern. Ein Déjà-vu für ältere Börsianer. Welche Änderungen gibt es diesmal?

von
© Wolfgang Eilmes Christine Bortenlänger (Mitte) und Hauke Stars (rechts) läuten die Eröffnungsglocke.

Fast auf den Tag genau 20 Jahre ist es her, da schuf die Deutsche Börse den Neuen Markt. Zur Eröffnung des neuen Börsensegments Scale könnten wir den damals zum Neuen Markt erschienen Artikel fast unverändert wieder ins Blatt heben. Die Ankündigungen gleichen sich aufs Wort. Wachstumsorientierten, jungen Unternehmen soll ein besserer Zugang zu Eigenkapital geschaffen werden, hieß es damals vom Börsenvorstand Reto Francioni und Wirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) und heute von den Nachfolgern Carsten Kengeter und Brigitte Zypries (SPD). Die Äußerungen waren damals wie heute richtig. Die Probleme bestehen bis heute.

Daniel Mohr Folgen:

An die Geschehnisse, die sich im Neuen Markt von 1997 bis 2003 ereigneten, will die Börse heute natürlich nicht mehr erinnert werden. Ausschließen kann sie eine Wiederholung aber natürlich auch mit Scale nicht. Ursprüngliche Vorstöße aus dem Bundeswirtschaftsministerium für einen Neuen Markt 2.0 wurden daher auch zunächst von der Börse zurückgewiesen. Doch die Idee wurde weiterverfolgt und lebt nun in Scale wieder auf. „Die Qualitätsmerkmale werden sich schnell bekanntmachen“, sagt Kengeter am Mittwoch auf dem Börsenparkett zur Scale-Eröffnung. „Wir bauen ein Ökosystem für Wachstum, damit aus guten Ideen Wohlstand und Arbeitsplätze entstehen.“ Kengeter wirkt dabei fast wie befreit von der Last der Börsenfusion. „Wir bedauern die Entscheidung der London Stock Exchange, aber wir sind auch so für die Zukunft gut gerüstet und hervorragend aufgestellt.“ Das könne an den sehr, sehr guten Geschäftszahlen abgelesen werden. „Stehenbleiben ist keine Option, unser Blick geht nach vorne“, sagt Kengeter. Ein beachtlich schneller Schwenk vom geplanten globalen Börsenchampion in die Niederungen der Zulassungsvoraussetzungen zu Börsensegmenten.

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Scale umfasst zu Beginn 37 Aktiengesellschaften. Manche sind Pennystocks wie die MIC AG mit knapp 14 Millionen Euro Börsenwert. Andere waren früher schon im Neuen Markt wie Mensch und Maschine und Beta Systems. Mit dabei ist aber auch ein milliardenschweres Unternehmen wie die Immobiliengesellschaft Grand City Properties. Branchenschwerpunkte gibt es nicht. Auch sind die Unternehmen nicht alle jung oder besonders wachstumsstark. Ihnen allen ist aber gemeinsam, dass sie die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt haben: mindestens zehn Millionen Euro Umsatz, Ausweis eines Jahresüberschusses und eines positiven Eigenkapitals und die Beschäftigung von wenigstens 20 Mitarbeitern. Drei dieser vier Kriterien müssen erfüllt sein. Solche unternehmensspezifischen Kennziffern waren beim Neuen Markt nicht gefordert. Zudem müssen die Unternehmen wenigstens zwei Jahre bestehen und einige weitere Kriterien erfüllen.

Die Börse versucht ihnen mit dem neuen Segment Scale eine erhöhte Aufmerksamkeit zu verschaffen. Demnächst soll dazu auch ein Index eingeführt werden. Die Unternehmen müssen dafür höhere Gebühren zahlen als vorher im Entry Standard: 5000 Euro im Quartal statt vorher im Jahr und für die Aufnahme einmalig je nach Größe 20.000 bis 89.000 Euro statt 1500 Euro. Dafür bezahlt die Börse aber auch die Analyse, die von den Häusern Morningstar und Edison verpflichtend zu allen Unternehmen angefertigt werden müssen.

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